Werbung, die im Weg liegt

01.01.2004

Popups kann man ja noch wegklicken. Die neuesten Werbeflächen versperren dagegen hartnäckig den Blick auf die Website

"Werbung ist erst dann gut, wenn sie wirklich nervt": Zumindest bei der Radiowerbung gilt dies schon immer und auch im Fernsehen führt bei manchem Privatsender das Heraufdrehen der Lautstärke in der Werbepause zu Dauerärger mit den Nachbarn.

Internet-Werbung stört bislang dagegen nur, wenn sie penetrant blinkt oder über Flash hohe Rechnerbelastung erzeugt - oder wenn Geräusche hinterlegt sind, die dann beim Musik hören stören oder im Büro zu Verärgerung der Kollegen führen. Popups verursachen dagegen immer wieder Probleme, weil das Öffnen zusätzlicher Browserfenster Ressourcen frisst und bei Nicht-10-Finger-Schreibern nun alle Eingaben beim Werbetreibenden landen und nicht da, wo sie hinsollten.

Doch nun tauchen immer mehr Banner auf, die bewegt sind und sich einfach über die Website legen: Plötzlich liegt ein Ufo im Weg - oder auch ein nackter Mann. Letzterer wirbt für eine Gay-Website, sucht seit dem Neujahrsmorgen ausgerechnet das ohnehin flame-gebeutelte, weil juristische Forum "Juramail" heim und wünscht zweideutig seinen Hintern präsentierend "einen guten Rutsch". Obwohl man ihn wegklicken kann, ohne dabei unzüchtige Körperteile mit der Maus berühren zu müssen, sind die Forenteilnehmer entnervt, denn es ist öfters zu klicken und der Junge liegt halt einfach im Weg, auch wenn man nicht schockiert ist. Doch das Guerilla-Marketing funktioniert: Die Forenteilnehmer reden über nichts anderes mehr. Immerhin bleibt den Internetteilnehmern so vielleicht zumindest am Jahresbeginn 2004 die eine oder andere Abmahnung erspart.

Kenn'se den schon
Noch ein paar Sekunden dann...

Doch die nackten Tatsachen sind werbetechnisch nicht einmal das Schlimmste: Der Junge hält ja immerhin der Zielgruppe entsprechend brav still. Andere der neuen Banner bewegen sich jedoch. Teils merkt man es gar nicht gleich, weil die Website im Hintergrund geladen wird. Schaltet man dann um, liegt plötzlich ein Staubwedel vor dem gewünschten Text - und ist auch nicht wegzubekommen. Der Grund: Das störende Haushaltsutensil hat sich ausgerechnet auf das "Schließen"-Feld gelegt. Nur wer schnell genug ist, kann den Banner wegklicken, bevor der Mopp die Werbebotschaft erscheinen und den "Schließen"-Knopf verschwinden lässt. So wird das morgendliche Nachrichten-Absurfen zum Adventure-Game: Wer sch(l)ießt am schnellsten?

...kommt hier auch der beste Winkeladvokat nicht mehr an das Impressum ran!

Wenn das Schule macht, gibt es die Tageszeitung bald auch mit Aufklebern, die über dem Text liegen und sich zwei Minuten nach dem Aufblättern nicht mehr vom Papier lösen lassen - man muss dann eine neue Zeitung kaufen...

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