Das Ende des gläsernen Domaininhabers?

13.01.2004

Network Solutions spielt Whois-Strohmann für 5 Dollar im Jahr

Wer eine Domain sein Eigen nennt, war bislang Freiwild für Spammer, Stalker, Abmahner und andere Nichtsnutze und Tagediebe: Alle Daten bis zur Telefonnummer waren öffentlich einsehbar. Nun findet in Amerika ein Umdenken statt.

Ob es wirklich nur den Kunden zuliebe angeboten wird? Network Solutions, vor wenigen Jahren noch Monopol-Anbieter von .com, .net und .org-Domains, war für miserablen Kundenservice bekannt, bei dem man auch aus Übersee schon mal eine Stunde in der Telefon-Warteschleife hing. Inzwischen ist das Monopol gefallen und Network Solutions nur noch ein Registrar von vielen. Dementsprechend rannten die Kunden in Strömen weg zu anderen Registraren, die entweder billiger oder zumindest kundenfreundlicher waren. Und so brauchte Networksolutions etwas, das die anderen nicht bieten: Die Möglichkeit, als Domainbesitzer anonym zu bleiben!

In Amerika ist der abendfüllende ständige Anruf von Telemarketern, die Lose, Autos, Häuser oder Kabelfernsehen verkaufen wollen, längst zur Landplage geworden. Wer eine Website sein eigen nennt, hat gar keine Chance mehr, den Werbern auszukommen, da diese die trotz Verboten, diese Daten kommerziell zu nutzen, die bislang von ICANN vorgeschriebenen offen auslesbaren Whois-Datenbanken nach Email-Adressen und Telefonnummern abgrasen. Dass ausgerechnet Webmaster regelmäßig im eher für Neulinge bestimmten Schniedelverlängerungsspam ersticken, ist also kein Wunder.

Anonyme Domains: bisher nicht sicher

Die DeNIC hielt sich zwar wie die meisten NICs auch an diese Richtlinien, hat aber schon im Juli 2000 Telefon- und Faxnummern aus der Whois-Datenbank genommen und im Juli 2003 den Zugriff weiter eingeschränkt. Register.com bot Ende 2001 ebenfalls Anonymität - allerdings nur für "gute Kunden", also große Firmen oder Domaingrabber. Andere Registrare wie Namezero bieten sogar kostenlose Domains an, registrieren diese jedoch auf sich selbst. Damit bleibt zwar der Benutzer der Domain anonym, doch gehört ihm die Domain auch nicht - es besteht das Risiko, dass ein attraktiver Name verloren geht. Das allerdings passiert auch bei Networksolutions.

Bei Networksolutions kann man nun aus dem allgemein verfügbaren und zwischen den Registraren verteilten Whois aussteigen, was inzwischen jedoch auch die meisten anderen Registrare anbieten: Meist bekommt man die Whois-Daten eines Domaininhabers nur noch auf der Website seines eigenen Registrars zu sehen, während Internic.net nur noch auf den jeweiligen Registrar verweist. Auch, dass die Domaindaten leicht aktualisiert werden können, ist nur für Network Solutions etwas Neues - andere Registrare bieten dies seit langem. Und auch der Abruf über angeblich nicht computerlesbare Grafiken, um Adress-Spider abzuhalten, ist von Yahoo bekannt.

Kontaktdaten müssen sein - aber nicht die eigenen

Neu ist jedoch, dass Network Solutions nun eine Art Auftragsdienst anbietet: Für fünf Dollar im Jahr werden nicht mehr die eigenen Daten angezeigt, sondern die eines Mitarbeiters bei Network Solutions, der dann eventuelle Anfragen weiterleitet. Spammer, Telemarketer und Stalker dürften sich so tatsächlich abwimmeln lassen und allein lebenden Webmistressen unerwünschte nächtliche Besuche ersparen. Bei Anfragen von Behörden, Polizei und Abmahnanwälten schützt Network Solutions allerdings erfahrungsgemäß seine Kunden nicht.

Für Firmen hat der Dienst dagegen wenig Nutzen, außer es soll eine neue Marke oder ein neuer Dienst eingerichtet werden und vor dessen Start die eigene Beteiligung geheim gehalten werden: Später werden seriöse Geschäfte ohnehin ihre Adresse bekannt geben müssen, wobei innerhalb Deutschlands ja außerdem die Impressumspflicht besteht, was das Versteckspielen sinnlos macht. Da Abmahnanwälte zudem zwar zunächst das Vorhandensein des vorgeschriebenen Impressums überprüfen, anschließend aber die Abmahnung oft nicht an die dort angegebene Adresse, sondern die beim Registrar hinterlegte Anschrift versenden, kann dies sehr gefährlich werden: Bis der Brief einmal nach Amerika und zurück geschickt ist, ist die Abmahnfrist garantiert abgelaufen und bereits ein Verfahren anhängig.

Wer dagegen für seine private, nichtkommerzielle Homepage unbedingt eine eigene Domain haben und dennoch anonym bleiben will, mag über den Dienst nachdenken. Allerdings versuchen die meisten deutschen Hoster internationale Domains ebenso wie bei .de-Domains üblich gleich selbst zu registrieren. Der größte Hoster 1&1 ist mit seiner Firma Schlund & Partner ohnehin gleichzeitig selbst Registrar und kann schon rein technisch nicht fremdregistrierte Domains handhaben. Kleine Hoster sind dagegen teils durchaus imstande, mit fremdregistrierten Domains umzugehen, allerdings bekommt man üblicherweise keinen Nachlass, wenn man seine Domain selbst registriert und zahlt. Und de-Domains kommen natürlich nicht in Frage, nur .com .net .org .us .biz .info und einige Kennungen von Zwergstaaten.

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