Das Höschen

Adrian Kupfer 18.01.2004

Knalltüten des Fernsehens zum Platzen gebracht: Zweite Kandidatin ist Iris Berben

Nazis sind dumm. Leider gilt das nicht im Umkehrschluss, nicht jeder Antifaschist ist automatisch klug. Wer gegen Nazis ist, findet sich automatisch im Kreis der Intellektuellen, die aufrechte Gesinnung ersetzt die schwere Gedankenarbeit. Wenn eine bekannte Schauspielerin im Stadttheater Fürth aus dem Tagebuch der Anne Frank vorliest, bekommt sie irgendwann den Leo-Baeck-Preis. Dann berichten auch die Klatschmagazine darüber und alle sind glücklich.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Iris Berben spielte den Vamp und bis zum Erbrechen die "Auch im Alter kann man attraktiv sein"- Frau. Wobei Spielen ein Euphemismus ist, denn wie viele schöne Schauspieler (Tom Cruise, Cathrine Deneuve) hat sie nur einen einzigen Gesichtsausdruck, das erstaunte Aufkucken. Bei aller ihr Beliebtheit und Prominenz, sie hat in kaum einem guten Film mitgespielt, sie selbst wurde nur mit Bambi und Goldener Kamera ausgezeichnet, kein renommierter deutscher, bayerischer Film- oder Fernsehpreis.

Eigentlich kann man Mitleid mit Iris Berben haben. Sie ist eine einigermaßen attraktive Frau und was muss eine schöne Frau machen, wenn sie als Schauspielerin Erfolg haben will? Sie muss ihren Busen zeigen. Ihren Durchbruch hatte die Berben als himmlische Tochter neben der ebenfalls tragischen Ingrid Steeger. Es gab in jeder Folge einen lustigen Anlass aus der Unterwäsche zu steigen. Na, und womit ihre Karriere als 17-jährige, abenteuerlustige und sehr hübsche Schulabbrecherin aus Detmold in Schwabing begann, da hüllen wir mal lieber einen Bademantel drüber.

But Iris Berben is a wonderful woman. Sie äußert in Talkshows Plattheiten schleswig-holsteinischen Ausmaßes, mit eingeflochtenen Pausen und dramatisierenden Sprachbögen, das lernt man als Schauspielerin in den weniger intelligenteren Rollen, und die sie interviewenden Moderatoren aalen sich in der sich ausbreitenden Seifigkeit, schmunzeln und reiben sich die Hände, und ach ja, wie engagiert und betroffen sie als Star doch sei, als attraktive Frau sich nicht nur auf ihre wirklich ausnehmend schönen Beine zu verlassen sondern sich auch kritisch gegen Fremdenfeindlichkeit zu äußern und sie habe sich ja auch nie liften lassen (Ha!) sondern nur Wasser und ein wenig Seife an ihren, hehehe, Körper, hier wird das Moderatorenhändereiben eine Spur eifriger, ihren wundervollen antifaschistischen Körper gelassen.

Wie wird ein Mensch, dem nie widersprochen wird? Dem nie einer sagt, gute Frau, das was Sie da sagen ist zwar gut gemeint, aber unendlich banal. Nein, Sie haben nicht eben etwas besonders Niegesagtes von sich gegeben, sondern das übliche rechtschaffende Blabla eines evangelischen Kirchenbriefes. Ja, man muss Mitleid mit ihr haben, denn Frauen wie sie werden grundsätzlich intellektuell unterfordert. Man streicht ihnen über das Haar und sagt: Ich mach das schon für dich. Es gibt nachgewiesenermaßen Frauen, sehr schöne Frauen, die kaum lesen und schreiben können, weil sie es nie mussten, und die trotzdem weit, sehr weit gekommen sind. Da stehen sie dann, sind mitten drin und verstehen rein gar nichts. Kurzsichtig auf einer Eisscholle.

Wie Analphabeten haben sie ihre Tricks um sich durchzumogeln. Bei Iris Berben ist es Sex. Sie redet gerne darüber. Jeden Tag. Gerne anzüglich. Am ersten Tag finden es die Praktikanten am Filmset noch lustig, dann stöhnen sie entnervt, dann winken sie ab. Alle machen natürlich gute Miene zum Spiel, man will ja den Star nicht verärgern und so redet sie zwanghaft über Männer, wie sie alle hinter ihr her sind und wie geil... usw.

Googelt man ein bisschen zwischen den 17.000 Einträgen über Iris Berben herum und ignoriert die üblichen "sexy naked german moviestar" Schlampen-Websites, dann bleibt als einziger Ausreißer aus dem allgemeinen Boulevard-Sound ihr Werbespot für Premiere, bei dem sie ihr blendendweißes Höschen zeigt. Das ist die Tragik der Iris Berben, ihre größte intellektuelle Leistung ist und bleibt ihr Sex Appeal.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16541/1.html
Kommentare lesen (102 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Der Kultur-Adabei

Adrian Kupfer 11.01.2004

Knalltüten des Fernsehens zum Platzen gebracht: Erster Kandidat ist Gert Scobel

Gert Scobel, Moderator von "Kulturzeit" auf 3Sat, "Morgenmagazin" in der ARD und "TV fürs Leben" im ZDF, ist ein ganz Schlauer. Wie er sich sonnt in seiner eigenen Smartheit, wie seine Augen glänzen über jede gelungene Wendung, pardon Volte, die sich um seine Moderationsgegenstände ranken. Gehirnforschung? Kant? Finnischer Punkrock? Kein Problem, Scobel weiß Bescheid, kann zu jedem Thema noch ein schlaues Quentchen aus seiner Gehirntube quetschen, noch einen Schlag Neunmalklugheit draufklatschen.

weiterlesen

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS