Ratzen wie Einstein

Kreativität kommt im Schlaf

Eine neue Studie zeigt, dass es für eine überzeugende Denkleistung hilfreich ist, sich dem Schlaf in die Arme zu legen. Denkaufgaben werden besser gelöst, wenn die Probanten sich zwischendurch einige Stunden ablegten. Erstmal eine Nacht darüber schlafen, ist also wirklich ein guter Tipp.

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Still aus Terry Gilliam's "Brazil"

Der Begriff Schlafen ist etymologisch mit schlapp oder schlaff verwandt und wer lange im Bett liegt, gilt meist als Faulpelz. Das Sprichwort: "Wer länger schläft als sieben Stund, verschläft sein Leben wie ein Hund", ist nur ein Beispiel dafür. Dabei zeigt die Forschung immer deutlicher, dass nächtliches Träumen keine Zeitverschwendung ist, sondern die Gedächtnisleistung steigert und Erinnerungen verfestigt (vgl. Wie war das noch mal im Mittelteil?).

Sechs bis acht Stunden sollten Erwachsene jede Nacht schlafen, darüber sind sich die Wissenschaftler inzwischen einig. Wer länger in Morpheus Armen liegt, verkürzt damit nicht nur die wachen Stunden, sondern möglicherweise auch die eigene Lebensdauer (vgl. Schlafen gefährdet die Gesundheit). Problematisch ist heute in den meisten Fällen aber eher eine zu kurze Schlafdauer. Viele Leute leiden unter Schlafstörungen und nicht nur bei jungdynamischen Managern gilt es als schick, mit möglichst wenigen Stunden nächtlichen Schlummers auszukommen. Ständig unausgeschlafen zu sein, gefährdet aber die Gesundheit (vgl. Zuwenig Schlaf macht alt und krank). Die Weltgesundheitsorganisation hat darauf reagiert und den 21. März zum internationalen Tag des Schlafes ausgerufen. Hierzulande kümmert sich die Deutsche Akademie für Gesundheit und Schlaf (DAGS) darum, uns darüber aufzuklären, wie wichtig eine ausreichende Ruhezeit für unsere Organismus ist (vgl. Snory empfiehlt).

Schon Franz Kafka schrieb: "Dies frühzeitige Aufstehen macht einen ganz blödsinnig. Der Mensch muss seinen Schlaf haben." Vielen Wissenschaftlern oder Künstlern kamen ihre kreativsten Ideen im Schlaf, so schrieb Robert Louis Stevenson die Schlüsselszenen von Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde direkt nach dem Aufwachen und dem Nobelpreisträger Otto Loewi fiel der Aufbau für das entscheidende Experiment zur chemischen Übertragung von Nervenimpulsen über Nacht ein.

Still aus Terry Gilliam's "Brazil"

Im Wissenschaftsmagazin Nature berichten jetzt Ullrich Wagner, Steffen Gais, Rolf Verleger und Jan Born von der Universität Lübeck sowie Hilde Halder von der Universität Köln wie die Nachtruhe die Einsicht beflügelt. Nicht nur Albert Einstein hatte oft erst nach zwölf Stunden Schlaf seine besten Gedanken, auch die Probanten im Labor der Forschgruppe um Ullrich Wagner konnten nach ausreichendem Überschlafen durch bessere Denkergebnisse überzeugen. 66 gesunde Erwachsene waren an der ersten Runde des Versuchs beteiligt, weitere 40 an einem Zusatzexperiment. Die Versuchspersonen bekamen Zahlenreihen vorgelegt, wobei sie die finale Zahl jeder Reihe definieren und dann zu einer neuen Reihe ordnen sollten. Die Aufgabenstruktur enthielt aber zudem eine verborgene Regel, die es denjenigen, die sie erkannten, ermöglichte, die gesuchten Zahlen wesentlich schneller zu ermitteln. Die Probanten wurden in die Aufgabenstellung eingeführt und dann nach acht Stunden wieder getestet. In dieser Zwischenphase war ein Teil der Gruppe wach, ein anderer schlief. Bei dem anschließenden Test schnitten die Schläfer deutlich besser ab. Sie erkannten zu 60 Prozent die verborgene Regel, während die Wachgebliebenen nur zu 22 Prozent zu dieser Einsicht gelangten. Die Ursache für die schlechtere Gedächtnisleistung lag nicht in Übermüdung, denn vergleichend wurde der Versuch auch tagsüber wiederholt.

Wichtig war auch, dass auch den Versuchspersonen die Zahlreihen vor der Schlafphase vorgelegt wurden, während des Träumens verarbeiteten sie offensichtlich das zuvor Gesehene. Nur die Personen, die sich vor dem ausgedehnten Nickerchen schon ein wenig mit der Aufgabe beschäftigt hatten, schnitten im Vergleich deutlich besser ab.

Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass während des Schlafes die zuvor aufgenommen Informationen neu organisiert, bzw. sortiert und mit dem Langzeitgedächtnis verknüpft werden. Dadurch wirkt das Schlummern an sich als kreativer Lernprozess. Den Seinen gibt es der Herr wohl doch im Schlaf.

In ihrem begleitenden News&Views-Artikel kommen Pierre Maquet und Perrine Ruby von der belgischen Universität von Liège zu dem Fazit:

Die Rolle, die der Schlaf für die menschliche Kreativität spielt, wird noch einige Zeit ein Rätsel bleiben. Aber zumindest geben uns Wagner und seine Kollegen einen guten Grund unsere Schlafphasen zu respektieren - besonders angesichts der heutigen Tendenz, sie rücksichtslos zu verkürzen.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16593/1.html
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