Fast-Food-Experiment

Florian Rötzer 26.01.2004

Für einen US-Dokumentarfilm spielte der Regisseur zugleich Versuchskaninchen und ernährte sich mit erahnbaren Folgen 30 Tage lang nur von McDonald's-Produkten

Natürlich haben wir es schon immer gewusst: Fast Food macht dick und krank. Jetzt aber hatte ein Filmer die Idee, sich selbst als Versuchskaninchen zu verwenden und einen Monat lang nur das zu essen und zu trinken, was von McDonald's, der größten amerikanischen Fast-Food-Kette, angeboten wird. Der Dokumentarfilm Super Size Me wurde jetzt auf dem Sundance Festival vorgeführt und hat auch einen Preis für Dokumentarfilmregie erhalten..

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Morgan Spurlock wollte wissen, warum die Amerikaner so fett sind. Für den Film gab es einfache Regeln. Er durfte 30 Tage nur in McDonald's essen und trinken - und das drei Mal am Tag. Er musste mindestens einmal alles gegessen und getrunken haben, was angeboten wird. Und er durfte auch nicht ablehnen, wenn ein Angebot erhielt, dass seine Portion "supersized" wird, ansonsten konnte er nur die normalen Portionen zu sich nehmen.

Szene aus dem Film "Super Size Me"

Während der Zeit fuhr er umher und befragte, beispielsweise auch in Houston, der "fettesten Stadt", Experten von Ärzten über Lehrer bis Politiker über Fast Food. Immerhin das Produkte einer Branche, die jährlich in den USA 115 Milliarden US-Dollar umsetzen soll, während Fettleibigkeit die Ursache von jährlich 300.000 Toten sein und 117 Milliarden US-Dollar an medizinischen Kosten nach sich ziehen soll.

Auf die Idee soll Spurlock zu Thanksgiving 2002 gekommen sein, als er sich auf die Couch bei seiner Mutter legen musste, nachdem er zuviel gegessen hatte. Und dann hörte er noch die Meldung, dass zwei Mädchen McDonald's verklagt hatten, weil sie durch die Fast-Food-Kette fett geworden seien. Das Unternehmen wies die Behauptung zurück und behauptet, dass seine Lebensmittelprodukte nahrhaft und gut für die Menschen seien. Im Juni 2002 hatte US-Präsident Bush aber auch die vor allem gegen Fettleibigkeit gerichtete HealthierUS Initiative gestartet. Mehr Bewegung und bessere, abwechslungsreichere sowie weniger fette Ernährung sollen die Menschen gesünder machen und das Gesundheitssystem entlasten.

Szene aus dem Film "Super Size Me"

In den USA - dem "fat land" (Supersize-Terror) - sprechen die Centers for Disease Control and Prevention im Hinblick auf die Zunahme übergewichtiger und fetter Amerikaner von einer Epidemie. Über die Hälfte der Nation ist übergewichtig, 44 Millionen Amerikaner sind gar fett, seit 1991 eine Zunahme von 74 Prozent. Als fett werden von CDC mittlerweile 20,9 Prozent aller Amerikaner bezeichnet. Nach der Weltgesundheitsorganisation betrifft die Fettleibigkeit alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten in allen Industrie- und Entwicklungsländern, wenn natürlich auch auf unterschiedliche Weise. 1995 ging man von etwa 200 Millionen übergewichtigen Menschen aus, im Jahr 2000 sollen es schon 300 Millionen geworden sein. Jährlich sollen 2,5 Millionen Menschen an den Folgen der Fettleibigkeit sterben (Im Jet zum Streckbett).

Wie schon gegen die Zigaretten- oder Computerspieleindustrie wurden auch Prozesse gegen Fast-Food-Ketten gestartet, die für die Fettleibigkeit der Kläger verantwortlich gemacht werden, da sie keine angemessenen Informationen über das Risiko beim Verzehr ihrer Produkte geboten hätten. Mittlerweile haben Unternehmen wie Kraft oder McDonald's - 15 Millionen US-Dollar hat das Unternehmen bereits letztes Jahr als Schadensersatz zahlen müssen - schon vorsorglich reagiert und bieten auch - Eat smart weniger kalorienhaltige Produkte und Informationen über die Inhalte an (Fremde fette Welt). Andererseits arbeitet die Lobbygruppe Center for Consumer Freedom gegen die drohenden Klagen, indem sie sich darüber lustig macht oder davor warnt, dass die Freiheit und die persönliche Verantwortung auf dem Spiel stehen.

Auch wenn der Dokumentarfilm von Spurlock im Stil von Michael Moore auf dem Sundance Festibal Erfolg hatte, ist nicht sicher, wie weit sein filmisches Selbstexperiment bekannt werden wird. Es dürfte den Fast-Food-Ketten, selbstverständlich McDonald's in erster Linie, jedenfalls nicht gut gefallen. Spurlock ließ sich von drei Ärzten während der 30 Tage beobachten. Keiner der Ärzte hatte angeblich mit den Auswirkungen der Ernährung auf den körperlichen Zustand des Versuchskaninchen gerechnet. Schon nach einigen Tagen erbrach Spurlock seine Burgers. Kopfschmerzen und Depressionen traten ein, seine Sexlust hingegen verschwand.

Nach dem harten Monat hatte offenbar vor allem seine Leber unter dem Ansturm der gesättigten Fette gelitten: "Der Lebertest war das Schockierndste", sagte Dr. Daryl Isaacs. "Sie ist sehr abnormal geworden." Spurlock legte in den 30 Tagen immerhin um über 12 Kilogramm Körpergewicht zu, sein Cholesterinspiegel stieg von 165 auf 230 an. Seinen Film stufte er übrigens mit "F" ein - für "fat audiences".

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16627/1.html
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