Kanonenfutter für das Pentagon
Einige Bemerkungen zu den Soldaten, die im Irak getötet werden
Ein weiterer Tag und wieder wurden zwei oder drei amerikanische Soldaten im Irak getötet. Der body count hat noch nicht den kritischen Punkt erreicht, an dem die Öffentlichkeit sich gegen das Weiße Haus wie im Vietnam-Krieg wenden wird. Normalerweise ist die Zahl 1.000, da drei Nullen am Ende irgendwie den Eindruck von Größe suggerieren. Damit geht zusammen, dass in einem Jahr die Menschen in den USA genug haben werden. Die US-Amerikaner mögen ihre Kriege kurz und schmerzlos, nicht länger als ein paar Monate oder höchstens zwei Jahre, zusammen mit einem klaren und deutlichen Sieg. Im Irak ist bislang noch nichts davon zu sehen.
Wichtiger aber ist das Profil derer, die getötet werden. So wie die Art der Kriege sich verändert, so verändert sich der Typus der Soldaten, die zum Töten aufgefordert werden oder getötet werden. Nationalismus - oder, wie die Amerikaner ihre Version nennen: Patriotismus - spielt zweifellos eine Rolle, aber sie ist geringer als in der Vergangenheit. Die Meisten betrachten die Streitkräfte als "Karriere", d.h. als eine schnelle und leichte Möglichkeit, seinen Unterhalt zu verdienen. Das trifft normalerweise auf diejenigen zu, die anderswo keinen Job finden.
Viele ethnische Gruppen, die nicht in die WASP-Profile (weiß, angelsächsisch, protestantisch) passen, befinden sich folglich an der Front, um den amerikanischen Kapitalismus vor dem islamischen Fundamentalismus zu verteidigen. Manche entscheiden sich aus freien Stücken dafür, andere werden von Rekrutierungsoffizieren dazu überredet. Und viele sind nicht einmal US-Amerikaner.
Kanadische Indianer werden angelockt
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Die amerikanischen Behörden kennen keine Grenze, an der sie aufhören würden, Kanonenfutter für Uncle Sam's Abenteuer einzuziehen. Auch nordamerikanische Indianer aus Kanada werden dazu gebracht, in die US Army einzutreten. Dabei gehen manche Rekrutierer so weit, dass selbst das Pentagon Ende des letzten Jahres der kanadischen Regierung versprechen musste, damit aufzuhören, kanadische Indianer zu werben. Hohe Pentagonmitarbeiter befahlen in der Folge ihren Rekrutierern, nicht mehr nach Kanada zu gehen.
Es ist nicht unüblich, dass Eingeborene aus Kanada im US-Militär dienen. In der Vergangenheit haben hier viele gearbeitet, besonders in der Marine. Der Grund ist das verlockende Angebot, da die Optionen und Aussichten für die Indianer oft begrenzt sind. Einem Rekruten wurde beispielsweise ein Aufnahmebonus von 20.000 US-Dollar und weitere 28.000 nach Beendigung der Dienstzeit angeboten, um seine Ausbildung fortzusetzen (wenn er noch leben sollte natürlich). Zudem wurde versprochen, dass das Militär während der Dienstzeit jede Ausbildung bezahlt, die notwendig ist.
Auch wenn das nichts Außergewöhnliches zu sein scheint, so ist ein Unterschied doch, dass amerikanische Rekrutierer nach Kanada gefahren sind, um Rekruten zu suchen, während diese sonst über die Grenze reisten, um zum US-Militär zu kommen. Die erster Rekrutierer tauchten im letzten Januar in Reservaten in Atlantic Canda, Quebec und Ontario sowie bei einer Reihe von Stämmen im Westen auf.
Die Rechtfertigung, die oft geäußert wird, bezieht sich auf einen Vertrag, den sogenannten Jay-Vertrag, aus dem Jahr 1794 zwischen den USA und Großbritannien. Kanada erkennt diesen Vertrag nicht an, vor allem deswegen, weil er zwischen den USA und Großbritannien und nicht mit dem unabhängigen Kanada geschlossen wurde. Amerikanische Rekrutierer haben auch oft die Vorstellung, dass viele Indianer automatisch eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, was ihnen erlauben würde, kanadische Indianer für das Militär zu werben.
Dieser übereifrige Versuch, neue Rekruten auf Kanadas Boden zu suchen, führte schließlich im Februar vor einem Jahr zu Gesprächen auf hoher Ebene, bei denen die Angehörigen der kanadischen Regierung ihren US-amerikanischen Kollegen wissen ließen, dass sie solche Betätigungen nicht schätzen. Von der Obersten Personalbehörde n Washington wurde ein Brief zu den Leiter der Rekrutierungsämter mit der Anweisung geschickt, ihre Angestellten von kanadischem Territorium fern zu halten. Das Verbot betrifft alle Aktivitäten in Kanada, auch das Werben an den High Schools und die Durchführung von Job-Veranstaltungen in Universitäten oder Indianerreservaten
Die US-Botschaft versicherte, dass es weder keine Strategie aktiver Rekrutierung in Kanada gibt noch, dass es eine solche gegeben hat. Doch mit den Kampfmissionen, die in Afghanistan und im Irak andauern, benötigt das Pentagon neue Soldaten. Daher geht die Rekrutierungsoffensive weiter, allerdings nicht mehr so offensichtlich wie früher.
Andere Strategien für den Soldatennachschub
Neben dem Einsatz von Indianern als Kanonenfutter für die Aufstockung der Truppen des US.Militärs nahm man auch sogenannte "green-card soldiers" auf, also Personen, die zwar eine Daueraufenthaltsgenehmigung in den USA besitzen, aber noch keine Staatsbürger sind (ein Beispiel). Das ist kein neues Konzept, sondern geht viele Jahrhunderte zurück bis in die Zeit des Römischen Reichs. Wer Soldat bei der römischen wurde und seine Zeit von 25 Jahren abdiente, erhielt automatisch die römische Staatsbürgerschaft.
Die USA wenden nun denselben Trick an, da viele Menschen nach einer einfachen Möglichkeit suchen, in das "land of the free" zu gelangen, aber nicht erkennen, dass sie es zuerst durch das Land der Toten und Sterbenden schaffen müssen. In der Antizipation eines Rückgangs der Zahlen, unterzeichnete Bush eine Anordnung vor dem Krieg, mit der die Zeit erheblich verkürzt wurde, die solche Militärangehörige warten müssen, um amerikanische Bürger zu werden.
Solche Änderungen haben nicht nur die Aufmerksamkeit von kanadischen Regierungsmitgliedern erregt, sondern auch bei den lateinamerikanischen Bevölkerungsgruppen in den USA Ängste entstehen lassen. Sie haben zu Beschwerden geführt, dass übereifrige Rekrutierer besonders Latinos angegangen seinen, die Green Cards besitzen. Gegenwärtig dienen 37.000 nicht-amerikanische Bürger in den US-Streitkräften.
Früher hatten die USA keine so großen Schwierigkeiten, Menschen zu finden, die bereit sind, für einen unbekannten Grund zu sterben. Doch eine alternde Bevölkerung und eine starke Wirtschaft haben die Probleme vergrößert, Rekruten in den USA zu finden. Überdies haben die USA noch größere Probleme damit, genug Personal besonders für den Einsatz im Irak zu finden. Daher wurde manchen Einheiten, die bereits an der Invasion teilgenommen haben und inzwischen in die USA zurückgekehrt sind, gesagt, dass sie wieder zurück müssen. Das hat zu einem Anstieg der Soldaten geführt, die ohne Erlaubnis verschwunden sind (AWOL - Absent Without Leave), nachdem sie mit eigenen Augen gesehen haben, welche Pflichten ein Einsatz im Irak wirklich mit sich bringt. Manche schätzen die Zahl der amerikanischen AWOL-Soldaten auf 1.700.
Gleichzeitig nehmen die psychologischen Kosten des Kriegs zu. Im letzten Jahr gab es 21 offiziell aufgeführte Selbstmorde von US-Soldaten im Irak. 18 alleine bei der Army. Weitere 2.500 Soldaten, die zurück gekehrt sind, wurden in Krankenhäuser aufgrund einer "medical extension" gesteckt - ein Euphemismus für psychiatrische Probleme. Zusätzlich verließen den Irak 7.000 Soldaten vorzeitig wegen Stress. Und hier wurde noch nicht die Zahl derjenigen Soldaten einbezogen, die Schwierigkeiten haben, sich wieder an das Leben im "land of the free" anzupassen. Vermutlich fragen sich nun viele Green-Card-Soldaten, ob eine Staatsbürgerschaft diesen Preis wert ist.
http://www.heise.de/tp/artikel/16/16720/1.html- Falsch formulierte Überschrift (16.2.2004 13:57)
- Sicher, doch, klar (14.2.2004 18:42)
- Hier ein selbstbestimmter Krieger, ist sogar ein "Held" (14.2.2004 17:37)
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