Die arabische Mauer

Florian Rötzer 10.02.2004

Nicht nur Israel baut eine "Trennungsmauer" zur Sicherheit, auch Saudi-Arabien hat pikanterweise mit der Errichtung einer Mauer an der Grenze zu Jemen begonnen - und auch hier gibt es Konflikte

Israel baut die Mauer bereits, um eine unkontrollierte Bewegung von Menschen zu beschränken und neue Terroranschläge zu verhindern. Die Mauer oder der "Sicherheitszaun", wie ihn die israelische Regierung lieber nennt, ist besonders problematisch, weil die zum Teil 8 Meter hohen Betonwände oder bis zu 100 Meter breiten Sicherheitszonen mit Elektrozaun und Wachtürmen auch Land aus den besetzten palästinensischen Gebieten einschließen oder Siedlungen ausschließen bzw. teilen. Ende Februar wird auf Antrag vor allem von arabischen Staaten die Mauer vor dem Internationalen Gerichtshof verhandelt, um zu prüfen, ob ihr Bau gegen Menschenrechte verstößt. Nun überlegt aber auch Saudi-Arabien den Bau einer Sicherheitsmauer zum südlichen Nachbarn Jemen.

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Gerade finden Gespräche zwischen Saudi-Arabien und Jemen statt, um die Spannungen, die durch den saudischen Mauerbauplan entstanden sind, zu dämpfen. Die Saudis wollen, allerdings auf eigenem Territorium, eine ähnliche Mauer wie Israel bauen, um Schmuggel sowie illegalen Grenzübertritt zu verhindern. Generalleutnant Talal Anqawi, der Leider der saudischen Grenzpolizei erläutert die Absicht: "Gebaut wird auf unserem Grenzgebiet mit Jemen ein röhrenförmiger Zaun aus Beton, um Infiltration und Schmuggel zu verhindern." Die "Zementröhre" sei nicht mit der israelischen Mauer zu vergleichen, da sie lediglich die heimliche Grenzüberquerung von Fahrzeugen verhindern soll.

Jemen behauptet allerdings, dass die Mauer oder der Zaun auch auf Gebieten gebaut würde, die in einem Abkommen aus dem Jahr 2000 als gemeinsamer Weidegrund gelten. Diese Vereinbarungen dürften nicht verletzt werden. Mit der schwierigen, schon lange umstrittenen Festlegung der Grenze wurde übrigens die deutsche Hansa Luftbild beauftragt, ein Unternehmen, das Geoinformationssysteme anbietet.

Seit auch Saudi-Arabien zum Ziel von Terroranschlägen wurde, greift man nun zu ähnlichen Mitteln wie Israel. Die lange, schwer zu kontrollierende Grenze im Süden kann nicht nur leicht von Waffen- oder Drogenschmugglern überschritten werden, sondern auch islamistischen Terroristen, die wie al-Qaida das Regime in Saudi-Arabien stürzen wollen. Die von Terroristen in Saudi-Arabien verwendeten Waffen seien aus Jemen ins Land gekommen. Zwar haben erst im Juni des letzten Jahres beide Staaten beschlossen, die Grenzüberwachung zu verstärken, aber das reicht offenbar den saudischen Herrschern nicht aus.

Hatte man vielleicht mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 noch meinen können, das nun zusammen mit dem "globalen Dorf" über das Internet auch die Globalisierung voranschreitet und alle Mauern zum Einsturz bringt, so hat sich genau das Gegenteil ergeben. Unermüdlich wurden und werden neue Mauern errichtet, die vor allem den freien Fluss der Menschen verhindern sollen (Die neue Mauer). Der Terrorismus oder der 11.9. hat diesen Trend nur verstärkt, der schon viel früher eingesetzt hat und nun zunehmend geografisch die reichen Länder, aber auch nur bestimmte Regionen, Stadtviertel, Gebäude oder Wohnanlagen innerhalb einzelner Länder mit Mauern unterschiedlicher Art umgibt.

Wie fast überall, wo derzeit Mauern gebaut werden, schützen diese nicht nur vor Terrorangriffen, sondern sie trennen auch arme und reiche Länder wie Jemen oder Saudi-Arabien. Das trifft zwar nicht ganz auf die Grenze zwischen Pakistan und Indien zu, wohl aber auf die israelische Mauer, die Grenze zwischen Süd- und Nordkorea, die US-amerikanische Grenze mit Mexiko oder die Sicherheitsmaßnahmen der "Festung Europa". Aber auch Simbabwe baut eine vier Meter hohen elektrischen Zaun an der 500 Kilometer langen Grenze zu Botswana. Zwischen Südafrika, Simbabwe und Botswana gibt es noch einen Zaun, der aber möglicherweise abgebaut und durch stärkere Grenzkontrollen ersetzt wird.

Mauern müssen allerdings nicht wie die aus Draht, Gräben oder Beton sichtbar sein, sie können auch digital sein und mit Satellitenüberwachung, Drohnen, Bewegungsmeldern, Videokameras, Infrarotsystemen etc. arbeiten. Nur so lassen sich Grenzen in der Luft und auf dem Wasser sichern, wie beispielsweise das Sicherheitssystem "Sive", das mit Infrarotkameras und Radargeräten den gesamten Schiffsverkehr zwischen Marokko und Spanien überwacht (Elektronischer Schutzwall gegen Einwanderer). Die US-Regierung plant derzeit wohl das gigantischste Projekt einer Grenzsicherung. Dazu gehört etwa das Raketenabwehrsystem (Die große Mauer), aber auch die vielen Sicherheitsmaßnahmen an den Grenzen zur Kontrolle der Ein- und Ausreise von Menschen sowie der Einfuhr von Gütern (Der Bau der amerikanischen Mauer).

Möglicherweise aber zieht Saudi-Arabien mit. Das Land will sich nämlich nicht nur von seinem südlichen Nachbarn am Boden abgrenzen, sondern ein elektronisches Sicherheitssystem um alle Grenzen auf dem Land, in der Luft und auf dem Wasser ziehen. Das Hightech-Überwachungssystem ist auf über 8 Milliarden Dollar veranschlagt. In Verhandlungen steht man mit französischen Firmen.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16722/1.html
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