Zensur bei Google?

Alfred Krüger 16.02.2004

Google lehnt Werbeanzeigen von Umweltschützern ab

Die gemeinnützige Umweltschutzorganisation Oceana fühlt sich von Google zensiert. Oceana hatte beim Suchmaschinenprimus zwei Werbeschaltungen gebucht, die bei Eingabe bestimmter Suchbegriffe im Rahmen des Googleschen AdWords-Werbeprogramms als Textanzeigen zu sehen sein sollten. Zwei Tage lief die Werbung, dann wurde sie von Google mit der Begründung gestrichen, die Anzeige sei zu aggressiv.

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Google zeigt auf seinen Suchergebnisseiten nicht nur die URLs der Suchergebnisse, sondern auch Textwerbung an. Diese Werbeanzeigen werden automatisch anhand der eingegebenen Suchbegriffe generiert. Damit eine Werbeanzeige im Zusammenhang mit einem bestimmten Suchwort angezeigt werden soll, muss dieses Suchwort "gekauft" werden.

Genau das hatte die Umweltschutzorganisation Oceana im Rahmen ihrer Kampagne Stop Cruise Pollution getan. Wenn ein Google-Nutzer nach den Begriffen "cruise vacation" oder "cruise ship" suchte, sollten zwei unterschiedliche Oceana-Anzeigen eingeblendet werden. Die Erste richtete sich allgemein gegen Kreuzfahrten in der Karibik, war mit der Homepage der Umweltschützer verlinkt und hatte den Wortlaut: "Help us protect the world's oceans". Die andere Anzeige kritisierte gezielt die Kreuzfahrtgesellschaft Royal Caribbean, der die Umweltschützer die Verklappung von Abwässern auf hoher See vorwerfen. Oceana fordert demgegenüber eine umweltgerechte Entsorgung.

Anzeigen zu aggressiv

Beide Werbeanzeigen hatte Google zunächst akzeptiert. Sie liefen allerdings nur zwei Tage im AdWords-Programm der Suchmaschine, dann wurden sie entfernt. Begründung: Die beiden Anzeigen seien zu aggressiv und würden sich gezielt gegen ein einzelnes Unternehmen bzw. gegen einen ganzen Industriezweig richten. Die Politik der Suchmaschinenfirma verbiete grundsätzlich Werbung, in denen andere Gruppen oder Unternehmen kritisiert werden, heißt es aus dem Hause Google. "Hier nehmen wir uns das Recht heraus, redaktionell einzugreifen", erklärte Google-Pressespecherin Cindy McCaffrey und verwies ansonsten auf die bekannten AdWords-Richtlinien.

Die allerdings seien reichlich vage gehalten, kontert die Umweltschutzorganisation. Sie wirft den Betreibern der Suchmaschine außerdem zweierlei Maß vor. Während man bei Google durchaus Werbeanzeigen z. B. von Nike oder Disney finden könne, die sich gezielt gegen konkurrierende Unternehmen richten, werde die Oceana-Anzeige gegen die Royal-Caribbean-Rederei einfach aus dem Programm genommen.

Beugt sich Google wirtschaftlichem Druck?

Natürlich habe Google das Recht, redaktionell in Werbeanzeigen einzugreifen, meinen auch die Umweltschützer. Aber während die Suchmaschinenredaktion keine Bedenken gegen Anzeigen der Royal Caribbean habe, die bekanntermaßen wegen ihrer Abfallentsorgung in der Kritik stehe, würden kritische Informationen darüber unterdrückt.

Andrew Sharpless von Oceana erklärt sich ein solches Verhalten nur damit, dass sich Google dem wirtschaftlichen Druck seines Werbekunden Royal Caribbean gebeugt habe. Es stelle sich die Frage, ob Google nicht vielleicht "einen Telefonanruf von Royal Caribbean erhalten" habe, meinte Sharpless. "Wir können das nicht beweisen, aber es riecht ganz danach."

Yahoo hätte keine Bedenken

Google in Argumentationsnöten? Da hakt die Suchmaschinen- und Werbekonkurrenz von Yahoo natürlich auf der Stelle nach. Im Gegensatz zu Google würde Yahoo die Anzeige der Umweltschutzgruppe nämlich vorbehaltlos akzeptieren. "Wir sehen das als Angelegenheit der Meinungsfreiheit", erklärte Jennifer Stephens, Sprecherin der Yahoo-Tochter Overture, die für die Akquirierung zahlender Werbekunden zuständig ist. Vielleicht sollten die Umweltaktivisten von Oceana die Probe aufs Exempel machen, Overture beim Wort nehmen und ihre nächste Anzeigenkampagne gleich beim Google-Konkurrenten buchen?

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16755/1.html
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