This is one of the best books I've read in years

Ernst Corinth 17.02.2004

Autoren besprechen anonym ihre eigenen Bücher bei Amazon - und finden sie überraschenderweise richtig toll

Es gibt ärgerliche und es gibt lustige Pannen. Und zuweilen gibt es leider auch welche, nach denen wir jahrzehntelang keine verstrahlten Pilze mehr essen dürfen. Jetzt jedoch hat es eine Panne gegeben, die für die Betroffenen fürchterlich peinlich ist. Dabei geht es um Eigenlob, der bekanntlich stinken soll. Und verursacht wurde der peinsame Geruch von einer Computerpanne beim kanadischen Ableger von Amazon.com.

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Bei Amazon kann jeder, der Lust hat und Schreiben kann, eine Kritik veröffentlichen. Und diese Rezension wird dann auf der Bestellseite an das betroffene Buch angehängt. Ein Serviceangebot, das sehr beliebt, aber bei den Autoren gefürchtet ist, weil negative Leserbesprechungen dem Verkauf des Buches nicht gerade förderlich sind. Wer diese Kritiken verfasst hat, weiß man allerdings nie so genau, weil sie oft unter einem Pseudonym und ohne Email-Adresse veröffentlicht werden.

Doch vergangene Woche war nach einem Bericht der New York Times dank einer Computerpanne plötzlich die Email-Adresse der Verfasser zu lesen. Und siehe da: Unter den Hobbykritikern waren echte Profis: prominente Autoren wie der Bestseller-Autor John Rechy, die ihre eigenen Bücher in höchsten Tönen lobten. Was man übrigens im konkreten Fall Rechy immer noch (!) bei Amazon nachlesen kann, denn hinter der Angabe "A customer from New York City " verbirgt sich, so die New York Times, der Autor höchstpersönlich. Und sein Urteil über sein eigenes Buch "The Life and Adventures of Lyle Clemens" ist voll des Lobes:

This is one of the best books I've read in years. It'll make you laugh aloud, and it'll make you cry, and I bet you'll rush to tell your friends about it because you want to share it. ... If all this sounds extreme, it is, because Rechy is on a romp here, satirizing the world and, at the same time, clearly moved by all its lost souls. It's a great book.

Das alles kann man ja noch irgendwie verstehen. Aber fein ist so etwas natürlich nicht. Und noch unfeiner ist das, was die New Yorker Zeitung bei ihren Recherchen herausfand: Demnach haben Autoren die von Amazon angebotene Möglichkeit auch genutzt, um unliebsame Dichterkollegen durch böse Verrisse online richtig in die Pfanne zu hauen.

Literaten, dies beweist dieser Vorfall, sind eben auch nur Menschen. Und dass einige von ihnen, wenn es um ihre Bücher geht, gern mal herumtricksen, das gab es schon vor dem Internet - wie die Beispiele Walt Whitman und Anthony Burgess zeigen, die beide unter fremdem Namen ihre eigenen Arbeiten in Rezensionen hoch gelobt haben.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16773/1.html
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