Wer anderen eine Videogrube gräbt...

Wolf-Dieter Roth 26.02.2004

Videoüberwachungssoftware "Go 1984 pro" filmt Anwender in Flagranti beim Knacken des Lizenzcodes

Wer "Big Brother" spielen und andere per Software überwachen will, sollte sich warm anziehen und selbst besser nichts falsch machen. Andernfalls könnte die Software nämlich böse werden und ihn kurzerhand bei Hersteller und Polizei verpetzen, wie ein Betreiber einer Autorennbahn in Süddeutschland nun nach einer Durchsuchung seiner Geschäftsräume feststellen musste.

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Auf der Rennbahn waren schon seit längerer Zeit Videokameras installiert, um die Rennen zu dokumentieren. Die Bilder wurden mit normalen VHS-Videorekordern aufgezeichnet. Da die Renntabellen und die sonstige Verwaltung bereits am PC abliefen, dachte der Sohn des Inhabers darüber nach, auch die Videoerfassung auf den PC umzustellen und so die Rundenfotos gleich mit der Siegertabelle abliefern zu können.

Bei der Suche nach einer geeigneten Lösung fand er im Netz die Videoüberwachungssoftware Go 1984 des norddeutschen Herstellers Logiware, die eigentlich Firmen- und Privaträume gegen Einbruch und Diebstahl überwachen soll. Diese kann man als 30 Tage funktionierende Demoversion kostenlos herunterladen und in der Standardversion für knapp 40 Euro unbegrenzt freischalten. 350 Euro kostet dann die Pro-Version, die noch ein paar Features mehr hat.

"Beides viel zu teuer, wozu gibt es denn gecrackte Seriennummern im Internet?", dachte sich der große Bruder in spe und tippte einen solchen Freischaltcode für die Pro-Version ein, als die Software nach 30 Tagen in Streik treten wollte. Doch heißt das Programm nicht ohne Grund "Go1984" - es telefonierte umgehend nach Hause und meldete seinem Entwickler die Aktivierung. Der bemerkte natürlich, dass er diese Lizenz gar nicht verkauft hatte und schrieb den Softwareknacker an, er solle schleunigst eine legale Lizenz erwerben. Daran hatte dieser jedoch kein Interesse und so kam es Ende Dezember 2003 zur Strafanzeige bei der Polizei.

Obwohl der zahlungsunwillige Kunde die Software noch vor dem Anrücken der Kriminalbeamten am 27. Januar 2004 löschte, hatte sie genügend Spuren auf dem Computer hinterlassen, um ihn überführen zu können. Beim Ortstermin bestritt er zwar noch, das Programm überhaupt zu kennen und wollte Aushilfskräften die Schuld zuschieben. Doch "Go 1984" hatte ihn bereits - offensichtlich unbemerkt - bei der testweisen Installation einer Kamera im Büroraum gefilmt und es war sogar mehrfach zu sehen, wie er den Crack-Freischaltcode von einem Zettel abtippte. Mit diesen Filmausschnitten konfrontiert, gestand er schließlich die Tat. Eine gewisse Heiterkeit bei den Kripobeamten ließ sich nicht verleugnen - ein Besuch auf Stop 1984 wäre sicher billiger gekommen...

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16836/1.html
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