Was die Bild-Zeitung kann, das können wir auch!
Aber dürfen tun wir das nicht, meint die Rechtsabteilung des Springer Verlages
Die Springer-Rechstabteilung schickte mir nämlich jetzt einen Brief, mit der Aufforderung meinen "Internetauftritt" zu ändern. Und gemeint ist damit vermutlich mein Telepolis-Text Was die Bild-Zeitung kann, das können wir auch!, der zwar ausdrücklich in der Rubrik Glosse eingeordnet ist, aber für die Springer-Rechtsabteilung "weit über die Grenzen zulässiger Meinungsäußerungen hinaus(geht) und massiv (verstößt) gegen das Verbot der Veröffentlichung und Verbreitung von Schmähkritik". Falls ich der Aufforderung nicht nachkomme, heißt es in dem Schreiben weiter, "sehen wir uns gezwungen, unseren Unterlassungsanspruch und weitere Ansprüche gerichtlich durchzusetzen".
So weit, so juristisch. Beklagt wird mein im Text enthaltener Aufruf an die Leser "Materialien, die Verfehlungen und Peinlichkeiten von Bild Redakteuren dokumentieren", an mich weiterzuleiten. Außerdem heißt es in dem Brief:
Weder trifft es zu, dass wir mit 'Blick auf die Verkaufszahlen eine Hexenjagd bzw. ein Kesseltreiben inszenieren, bei denen es uns egal ist, wie die Opfer der Vorgänge diese verkraften', noch handelt es sich bei unseren Publikationen 'um Texte, die vom Unterleib des Verfasser diktiert' werden. Den Vorwurf der 'Perversität' können wir auch nur vehement zurückweisen.
Schön, zu wissen. Und gern komme ich der Aufforderung nach und ändere hiermit meinen "Internetauftritt":
Was die Bild-Zeitung kann, das können wir auch!
Leider sind uns Geschichten über TINA SCHÜLER, BERND KELM, ILKA ROXIN, B. A. FRIEDRICH oder D. JURKO aber so etwas von egal!
So geht es schon seit Tagen: "Das sagen junge Türkinnen zu Sibel Kekillis Vergangenheit", "Warum drehte die zarte Diva so harte Pornos?" "Hat die süße Film-Diva ihr Herz schon vergeben?" "Der Star und die Pornoszene - wie alles begann." Und nun ganz frisch: "BILD erfuhr: Sibel Kekilli arbeitete für eine Stripperinnen- und Go-Go-Tänzer-Agentur in Essen. Der Chef: "Sie wollte oben ohne tanzen und strippen. Pro Auftritt bekam sie 200 Euro. Dann hatte sie plötzlich keine Zeit mehr. Aber in der Kartei ist sie noch immer drin."
Was die Bild-Zeitung derzeit mit der jungen Schauspielerin Sibel Kekilli und Hauptdarstellerin des Films "Gegen die Wand" on- und offline treibt, kann man nennen, wie man will. Aber veröffentlichen sollte man es lieber nicht wegen der Springer-Anwälte. Und auf keinen Fall sollte man beim Lesen dieser wie immer brillant formulierten Bild-Texte, das ungute Gefühl bekommen, dass der Verfasser sie von seinem Unterleib diktiert bekommen hat.
So weit, so keusch. Aber warum soll man den Spieß nicht einfach mal umdrehen. Schließlich ist das, was mit Sibel Kekilli geschieht, kein Einzelfall, sondern vielmehr seit Jahren eine bewährte Bild-Praxis. Und da die betreffenden Texte namentlich gekennzeichnet sind, könnte man doch eigentlich auch mal in der Vergangenheit dieser Bild-Autoren herumschnüffeln. Ja, könnte man, aber leider interessieren uns Geschichten aus dem Leben von TINA SCHÜLER, BERND KELM, ILKA ROXIN, B. A. FRIEDRICH oder D. JURKO überhaupt nicht. Nein, die Damen und Herren sind uns so etwas von egal, dass wir die an die folgende Email-Adresse geschickten Mails: bildstinkt@aol.com erst gar nicht gelesen haben. Und auch die Adresse haben wir längst verändert in: bildistlieb@aol.com.
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