Mit Eselohren gegen die übermächtige US-Konkurrenz

Ernst Corinth 17.03.2004

Back to Gaya, die erste deutsche CGI-Produktion läuft ab Donnerstag in den Kinos

Premieren sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Und das trifft jetzt sogar auf Weltpremieren zu, bei denen eigentlich zum ersten Mal eine Oper, ein Theaterstück oder ein Film der hoffentlich danach begeisterten Weltöffentlichkeit präsentiert wird. Aber nur eigentlich - wie das aktuelle Beispiel von Back to Gaya zeigt. Der unter anderem in Hannover für einen zweistelligen Millioneneurobetrag produzierte erste deutsche Film, der ausschließlich am Computer entstand, feiert am kommenden Donnerstag in der hannoverschen Oper seine Weltpremiere. So wird die Veranstaltung, zu der allerlei Prominente und Sponsoren geladen sind, jedenfalls angekündigt. Und vermutlich wird vor dem Opernhaus auch dem Anlass entsprechend ein roter Teppich ausgerollt werden.

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So weit, so feierlich. Und das aufgeregte PR-Tamtam der Verantwortlichen vor der Premiere kann man durchaus verstehen, weil die Produktion dieses Films ein so enormer finanzieller Kraftakt gewesen ist, dass ein Flop an der Kinokasse für die beteiligten Firmen wirtschaftlich wohl nur schwer zu verkraften wäre. Doch leider hat bereits das vollmundig angekündigte Spektakel einen kleinen Schönheitsfehler.

Aus Back to Gaya. Bild

Zwar ist es üblich, dass ein Film vor seiner Premiere Journalisten in Pressevorführungen gezeigt wird, aber dass die Verantwortlichen um 20 Uhr feierlich zur Weltpremiere laden, obwohl der Film schon am Nachmittag des gleichen Tages bundesweit in allen Kinos zu sehen ist, das ist schon ein wenig komisch, ja, unprofessionell. Und noch komischer ist, dass "Back to Gaya" bereits am vergangenen Wochenende, also mehrere Tage vor seiner angeblichen Weltpremiere, bundesweit in Voraufführungen für jedermann zu sehen gewesen ist.

Aber vermutlich erklärt sich diese seltsam verhunzte Weltpremierenveranstaltung mit dem Wunsch der Sponsoren, das von ihnen mitfinanzierte Produkt zum Start der CeBIT (die ja ebenfalls am kommenden Donnerstag in Hannover beginnt) stolz zu präsentieren. Und da Geld bekanntlich nicht stinkt, wird ihnen eben nun dieser Wunsch erfüllt.

Zum Glück nicht völlig verhunzt ist dagegen der Film, den Regisseur Lenard F. Krawinkel ("Sumo Bruno") unter anderem zusammen mit internationalen Spezialisten wie den Autoren von "A Bugs Life", Bob Shaw und Don McEnery, oder dem 2003 verstorbenen Komponisten Michael Kamen ("X-Men") in vier Jahren erarbeitet hat. Zumindest tricktechnisch braucht er sich jedenfalls vor vergleichbaren US-Produktionen nicht zu verstecken. Obwohl auch Gayas größte Schwäche die Darstellung von menschlichen Wesen ist, die bisweilen ausschauen wie ziemlich hohle Puppen. Was leider ebenfalls auf die Hauptfiguren zutrifft, weil auch sie menschenähnliche Züge tragen. Da wäre es wohl besser gewesen, man hätte stattdessen bunte Phantasiewesen in den Mittelpunkt des Geschehens gestellt, die ­ wie auch amerikanische CGI-Produktionen beweisen - offensichtlich immer noch wesentlich leichter zu animieren sind.

Die größten Schwächen des Films sind jedoch die hanebüchen-platten Dialoge und die arg klischeehafte Story. In ihr geht es um eine fröhliche Schar von eselohrigen Figuren aus einer TV-Serie, die eines Tages zufällig unter die Menschen gerät. Schuld hat ein branchenüblich durchgeknallter Oberschurke, der sich aus bizarren Gründen an der Menschheit rächen möchte und dazu benötigt er aus noch bizarreren Gründen einen magischen Stein aus der besagten TV-Serie.

Aus Back to Gaya. Bild

Das ist dann der Anlass für ein recht turbulentes, leider oft auch unlogisch erzähltes Abenteuer, bei dem die Gaya-Helden Zino und Buu zusammen mit einer an Lara Croft erinnernden Lady sowie drei netten Bösewichten am Ende schließlich sogar unsere Welt retten. Worüber sich allerdings nur Kinder freuen werden, weil die Geschichte selbst beängstigend witzlos ist ­ vor allem für Erwachsene, die im Kino den anarchischen Spaß von US-Produktionen wie "Shrek" schmerzhaft und dann zunehmend gelangweilt vermissen werden.

Aber zumindest haben Krawinkel und das hannoversche Produktionsteam von Ambient Entertainment ja mit "Back to Gaya" bewiesen, dass man in Deutschland tricktechnisch inzwischen auf der Höhe der digitalen Zeit ist. Auch wenn erzählerisch die US-Konkurrenz noch meilenweit in Führung liegt.

http://www.heise.de/tp/artikel/16/16971/1.html
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