Lieber die Taube in der Hand als eine Abmahnung im Netz
Die Musikindustrie wird mit biologischen Marschflugkörpern angegriffen
Die Musikindustrie hat nach den bösen CD-Kopierern inzwischen die noch viel böseren P2P-Sharer im Visier: Sie lässt sich mittels Strafanzeige von den Providern die Kundendaten geben. Die Filmbranche beginnt inzwischen auch zu zittern, doch sind Esel zum Filmtransport einfach zu langsam und keine echte Gefahr. Tauben sind dagegen eine interessante Alternative.
Einst liehen wir uns von den Schulfreunden Platten aus und bannten diese auf Band oder - wenn die Schulfreunde auch kein Geld für Platten hatten - schnitten die Musik aus dem Radio mit. Der Musikindustrie passte das natürlich nicht und deshalb gibt es auf Tonbandgeräte, Tonbänder, Kassettenrekorder und Kassetten auch zusätzliche Abgaben, welche die verlorengehenden Plattenverkäufe und Urheberrechte ausgleichen und so den Mitschnitt für Privatzwecke legalisieren. Die Abgabe fällt natürlich auch an, wenn auf dem Band nur urheberrechtsfreie Dinge landen.
Dieses einfache Modell auch auf CD-Rs zu übertragen, scheiterte jedoch: Nur spezielle Audio-CD-Rs für CD-Rekorder für die Stereoanlage sind mit der Abgabe belegt, die sich jedoch kaum durchsetzten, normale Computer-CD-Rs dagegen nicht, denn diese werden allen Unkereien der Musikbranche zum Trotz ja mehrheitlich immer noch für völlig unmusikalische Zwecke verwendet.
![]() |
Also musste das bislang legale Kopieren kriminalisiert werden: Wer auch nur den Namen eines der nun verbotenen Programme sagt oder gar einen Link setzt, steht schon mit einem Fuß im Kittchen - in den USA überziehen Privatleute Firmen mit teuren Prozessen, in Deutschland ist es dagegen inzwischen genau umgekehrt (Das neue Geschäftsmodell der Plattenindustrie?). Während der gewöhnliche Drogenhandel mit Alkohol, Zigaretten, Hasch, Heroin, Kokain, Red Bull und Erdbeermilch auf Schulhöfen immer noch relativ unbehelligt floriert, haftet dem zwar keinen gesundheitlichen, doch kommerziellen Schaden anrichtenden Musiktausch längst der erotische Geruch des Verbotenen an, der ihn trotz immer mehr nachlassender Qualität des Stoffs, der bis zur Unerträglichkeit gestreckt, verlängert und verwässert wird, für die Jugend interessant macht. Mittlerweile stellt der "Bundesverband der Pornographischen, Verzeihung, Phonografischen Wirtschaft" vor Verzweiflung die Tauschbörsenbenutzer gar auf eine Ebene mit Nazis und Kinderschändern ("Es kann jeden treffen").
|
|
Da die umstrittenen Silberscheiben aber ohnehin in vielen Geräten nicht mehr laufen, sind die jungen Musikhörer längst auf MP3s aus dem Netz umgestiegen, auch wenn diese mitunter von den Produzenten des Stoffs mit merkwürdigen oder unanständigen Geräuschen oder gar Worten verseucht werden, die so im Radio nie erlaubt wären. Doch nun geht es den Internet-Musiktauschern an den Kragen: Die Musikbranche startet die nächste Klagewelle!
Dezenter und flinker: Tauben statt Bongos
Ja, das Internet ist nicht anonym, jeder Schritt ist zurückverfolgbar. Profis wie Geheimdienste benutzen deshalb lieber Boten, die nichts verraten, wenn sie aufgegriffen werden. Musiktauscher konnten auf solche Ressourcen bislang leider nicht zurückgreifen. Erste Versuche mit alternativen Transportmedien waren wenig erfolgreich: Der Datendurchsatz ließ zu wünschen übrig und die Geräuschentwicklung holte die Polizei noch schneller ins Haus als selbst der exzessivste Tauschbörseneinsatz.
Telepolis-Mitarbeiter Burkhard Schröder fand jedoch die Lösung: Brieftauben! In der Vergangenheit erreichten diese trotz Einführung eines speziellen Protokolls gegenüber konventioneller Internettechnik zwar nur geringe Datendurchsätze und konnten mit gewöhnlicher E-Mail nicht mithalten. Zudem ist das Übertragungsmedium ebenso wie im Fall der Bongotrommeln nur tagsüber nutzbar. Doch konnten israelische Forscher nun durch einen Wechsel des Trägermediums von optischen Datenträgern auf Zellulosebasis zu Halbleiterspeichern die Übertragungskapazität erheblich ausbauen und transportierten in einem ersten Versuch so innerhalb von weniger als vier Stunden eine Datenmenge von vier Gigabyte ohne Datenverluste über 100 Kilometer - mehr als mit ADSL im gleichen Zeitraum möglich ist!
Genial: Tier- statt Kopierschutz
Zudem ist das Übertragungsverfahren relativ sicher - ein Abschießen der Datenträger würde vom Tierschutzverein nicht geduldet, ebenso wenig der Rückgriff auf Georg Kreislers vorausschauende musikalische Ratschläge und ein Anlocken und Abfangen der Boten brächte die Musikindustrie zwar in den Besitz der Konterbande, doch ist diese im Gegensatz zu Militärgeheimnissen wenig aussagekräftig. Lediglich störende Beeinflussungen der Übertragung durch geeignete hochfrequente Aussendungen bleiben den Plattenfirmen noch als Abwehrmaßnahme - doch würde sie sich damit im Zuge der allgemeinen Elektrosmoghysterie schnell ins Aus befördern. Sollten die Plattenbosse gar persönlich den fliegenden Musikschmugglern nachstellen, könnte es glatt passieren, dass ihnen jene auf den Kopf sch....
Tauben, die sich schon in Suchmaschinen als billige Arbeitskräfte bewährt haben, können nun also das "Pidgeon enabled internet" zu ganz neuen Höhenflügen antreiben, statt Parkbewohner zu belästigen.
http://www.heise.de/tp/artikel/17/17104/1.html- Rechteverwurstermafia (21.9.2004 11:03)
- http://de.wikipedia.org/wiki/Plenken (8.4.2004 19:50)
- Dreck (8.4.2004 18:20)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem
SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

