US-Präsident Bush und die Irak-Obsession

04.04.2004

Nun hat auch ein britischer Botschafter erklärt, dass George Bush schon kurz nach dem 11.9. die Anschläge für den Regimewechsel nutzen wollte

Dass die Bush-Regierung die Anschläge vom 11.9. ausnutzen wollte, um den schon länger gehegten Plan (Irak-Krieg von langer Hand vorbereitet) umzusetzen, das Hussein-Regime zu stürzen und auch aus Gründen der Sicherheit der Energieversorgung eine amerikafreundliche Regierung zu installieren, war schon kurz danach bekannt gewesen (Bush gegen Hussein, II. Akt?). Dann aber wurde durch den "Erfolg" der Politik der Bush-Regierung und durch massive Medienbeeinflussung, wobei diese oft genug willig mitspielten, das Szenario aufgebaut, dass der Irak erst Mitte 2002 in den Blick kam und es bis zum Kriegsbeginn offen gewesen sein sollte, ob tatsächlich eine militärische Invasion erfolgen würde.

Nachdem nun weder die Massenvernichtungswaffen gefunden wurden, noch vor der Invasion Verbindung des Hussein-Regimes mit al-Qaida belegbar sind, wurde bereits der Weltöffentlichkeit demonstriert, dass der Irak-Krieg unter Angabe falscher Gründe geführt wurde. Die Bush-Regierung hatte zwar schon vor dem Krieg um die Schwäche ihrer "sexed-up"-Behauptungen gewusst und sicherheitshalber das Motiv der zur "Operation Iraqi Freedom" getauften Invasion mehr und mehr auf Befreiung und Demokratisierung ausgerichtet, gleichwohl aber weiterhin behauptet, dass die Welt durch den Regimewechsel sicherer geworden sei.

Jetzt aber wird immer deutlicher, dass die Bush-Regierung offenbar vor dem 11.9. Warnungen vor möglichen Terrorangriffen vernachlässigt hatte, um dafür lieber militärisch das Lieblingsprojekt von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, das teure Raketenabwehrschild gegen Langstreckenraketen, weiter zu entwickeln (Pearl Harbor im Weltraum). Das aber macht als Schutz vor Terroristen wenig Sinn, primär sollte es als Schutz vor den Langstreckenraketen von Schurkenstaaten wie eben dem Irak, aber auch Nordkorea, Iran oder Libyen.

Vor kurzem hatte erst der von Bush entlassene Finanzminister O'Neill auf die Irak-Obsession des US-Präsidenten hingewiesen (Bush plante Invasion in den Irak schon zu Beginn seiner Amtszeit). Gestützt wurde dies nun auch noch durch die Ausführungen des ehemaligen Sicherheitsberaters Richard Clarke (Was wusste US-Präsident Bush - und warum wollte er nichts davon wissen?). Jetzt hat Sir Christopher Meyer, der ehemalige britische Botschafter in Washington, in einem Artikel in Vanity Fair, der in der Mai-Ausgabe erscheinen wird, die Vermutung noch einmal bestätigt, dass George Bush die Anschläge vom 11.9. schnell instrumentalisieren wollte, um gegen den Irak vorgehen zu können.

Nach Sir Christoph Meyer fragte George Bush den britischen Regierungschef Tony Blair bei einem gemeinsamen Essen neun Tage nach den Anschlägen, ob er die US-Regierung beim Sturz von Hussein unterstützen würde. Meyer nahm an diesem privaten Essen teil. Blair soll Bush entgegnet haben, dass es besser sei, sich zunächst einmal auf den Sturz der Taliban-Regierung, die Verfolgung von al-Qaida und die Wiederherstellung des Friedens in Afghanistan zu konzentrieren. Bush soll geantwortet haben:

Ich stimme mit Ihnen überein, Tony. Wir müssen uns zuerst damit beschäftigen. Aber wenn wir mit Afghanistan fertig sind, müssen wir auf den Irak zurück kommen.

Es sei klar gewesen, so Meyer, dass dann, "wenn wir auf den Irak zurück kommen, es nicht darum gehen würde, über bessere Sanktionen zu diskutieren"

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