Der große Endkampf
Teil 2: Die simplifizierende Ideologie macht die Attraktivität von al-Qaida, einem losen Netzwerk an Netzwerken, aus
"Das ideologische Rüstzeug von al-Qaida ist wenig elaboriert", meint Amal Ghorayeb, Politikwissenschaftlerin von der Libanesisch-Amerikanischen Universität in Beirut. "Sehr simplifizierend und statisch." Die Menschen im Westen sind aus der Sicht der al-Qaida-Ideologie durch die technische Modernisierung fremdbestimmt. Der Kapitalismus bestimmt alle Lebensbereiche, pervertiert die Sexualität und erzeugt übertriebene Individualität. Es ist eine Gesellschaft des Materialismus, ohne Moral und Ethik. Die Menschen im Westen sind ein Musterbeispiel für das, was im Koran als Götzenanbeter, bezeichnet wird, die vom Satan verführt worden sind. Obendrein sind die westlichen Staaten imperialistische Ausbeuter, die andere Völker unterdrücken. Sie verhalten sich wie einst die Kreuzfahrer in Palästina. Und unterstützen sie die Zionisten, die Diebe islamischen Landes, die ins Meer getrieben werden müssen. Religiöse Gründe genug, um zum "Heiligen Selbsterhaltungskrieg" aufzurufen.
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"In der Kulturkritik lassen sich deutliche Parallelen zu den linken Bewegungen der 60er und 70er Jahre finden", meint Nizar Hamzeh, Spezialist für "Islamischen Widerstand" an der Amerikanischen Universität von Beirut. "Substantiell ist das natürlich etwas ganz anderes. Al-Qaida ist und bleibt eine religiöse Bewegung."
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Nach der "Fatwa" von bin Laden geht es um die "Befreiung der al-Aksa-Moschee" in Jerusalem, der Heiligen Stätten in Saudi-Arabien und um die Vertreibung aller Ungläubigen mit sämtlichen Armeen aus den Ländern des Islam. Es ist ein Endkampf um das Weiterbestehen der eigenen islamischen Kultur, ein Kampf um Alles oder Nichts, zu dem bin Laden seine Glaubensbrüder aufgefordert hat. Die Schmach der Niederlage bei der letzten Schlacht zwischen dem Islam und dem Christentum vom 11. September in Wien 1683 soll für immer wieder gut gemacht werden. Bei derartigen fundamentalen Auseinandersetzungen kann auf Differenzierungen verzichtet werden. Der Satan ist leicht auszumachen. Er sitzt im Westen und hat sich auch in den Regierungen der arabischen Ländern eingenistet. Es ist ein globaler Kampf an allen Fronten.
Die Simplizität der Argumente macht wahrscheinlich die Attraktivität aus. Es ist ein Minimalkonsens, der als verbindendes Element funktioniert. Al-Qaida ist keine Organisation, die man mit irgendwelchen vorangegangen Protest-, Guerilla- oder Terrororganisationen vergleichen könnte. Es ist eine Art Dachverband, unter dem unterschiedlichste Gruppierungen aus verschiedensten Ländern, mit teilweise sehr unterschiedlichen lokalen Zielrichtungen firmieren. Anti-West, Hier und Jetzt, sind die vereinenden Elemente. Es gibt keine feste Hierarchie, mit Niemandem muss etwas abgesprochen werden, jeder kann das tun, was er für richtig findet. Eine Vernetzung gibt es nur über eine gemeinsame Zeit in Afghanistan oder jetzt im Irak, über Freundschaften, durch die Familie oder Stammesbeziehungen. Personale Allianzen gibt es auch bei Polizei, Geheimdiensten, Mafia-Organisationen oder einfach auch im normalen Geschäftsbereich. Al-Qaida hat eine mehr als 15-jährige Geschichte. "Natürlich darf man diese Interferenzen nicht vernachlässigen", sagt Nizar Hamzeh, der Politikwissenschaftler aus Beirut. "Man kennt das doch sehr gut, besonders im illegalen Bereich wäscht eine Hand die andere."
Zwei Milliarden Dollar wurden von der CIA in den afghanischen Widerstand gesteckt. Der einäugige Sheik Omar war ein "valuable asset". Es gab auch vor Ort eine persönliche Zusammenarbeit zwischen den Taliban und dem amerikanischen Geheimdienst. Wie Richard Clarke erst kürzlich vor dem 9/11 Untersuchungsausschuss in der öffentlichen Sitzung erklärte, "blieben nach dem Ende der russischen Besatzung einige unsere Freunde, andere wechselten die Seiten. Sie wissen doch, wie unzuverlässig diese Leute sind". Aktuelles Beispiel sind die kürzlich in Spanien verhafteten Marokkaner, die für die Bomben in Madrid verantwortlich gehalten werden. Sie sollen in Afghanistan noch von der CIA als "Widerstandskämpfer" ausgebildet worden sein.
Verbindungen von al-Qaida mit organisiertem Verbrechen
Welches Ausmaß die Verwicklungen und Verfilzungen durch die amerikanische Unterstützung der afghanischen Guerilla gegen die UdSSR tatsächlich haben, kann man nur erahnen. Aber alleine die Allianzen, die sich immer wieder durch den Drogenhandel ergeben, sind nicht zu unterschätzen. Die Iran-Contra-Affäre, bei der die CIA Waffen gegen Drogen tauschte, ist ein bekanntes Beispiel. Der Israeli Tennebaum, der vor zwei Monaten beim Gefangenenaustausch mit der Hisbollah frei kam, soll als Drogenkurier unterwegs gewesen sein, als er von der schiitischen Widerstandsorganisation gekidnappt wurde. Die Hisbollah selbst erkauft sich Geheiminformationen von israelischen Offizieren durch Austausch von Heroin.
"Für mich ist klar", sagte der Republikaner Mark Steven Kirk der Washington Times im Januar diesen Jahres, "dass Heroin die Finanzquelle No. 1 für Osama bin Laden ist." Die Spenden aus der ganzen Welt würden nicht mehr so wie früher fließen. "Man kann ihn wohl zurecht als einen der größten Drogendealer der Welt bezeichnen" (Die "Terrorflotte" oder: "Osama's Navy").
Falls nun Osama bin Laden keine Erfindung des CIAs, sondern tatsächlich das ist, was er vorgibt, ein sehr religiöser Mann, der seine Glaubenspflichten bekanntlich viel zu ernst nimmt, dann wird er als Heroin-Dealer ausscheiden. Schon die Taliban versuchten, den Opiumanbau als "un-islamisch" zu unterbinden. Die Ernte ging 2001 um mehr als 50 % zurück. Ein UN-Bericht hielt fest, dass "durch den Ausfall der normalen Ernte im Frühling 2001 in Afghanistan das Preisniveau von Opium im Land in unerwartete Höhen trieb". Im "befreiten US-Afghanistan" wird es in diesem Jahr wieder eine normale "Rekordernte" geben.
Der Republikaner Mark Steven Kirk hat einen Fehler gemacht, den viele machen: Osama bin Laden wird mit al-Qaida verwechselt. Er mag zwar einer der Taufpaten, ein "Godfather" gewesen sein, aber das gegenwärtige Gebilde ist kein von oben nach unten strukturiertes Unternehmen, das von den Befehlen und Entscheidungen Osama bin Ladens abhängig ist. Selbst wenn er Befehle erteilen würde, würde ein Großteil wohl nie den gewünschten Empfänger erreichen. Al-Qaida ist keine Organisation, es ist eine Assoziation von Assoziationen.
Mit Sicherheit kann gesagt werden, dass al-Qaida nahestehende Personen im Drogengeschäft tätig sind, schließlich ist al-Qaida in beinahe allen Ländern entlang der Drogenroute nach Europa tätig. Angefangen von Afghanistan, über die ehemalige UdSSR, in den Balkan, die Türkei bis nach Westeuropa, das seit Jahrzehnten mit Heroin aus afghanischer Produktion versorgt wird. Das sagt aber noch nichts über die Beziehung dieser Personen mit al-Qaida aus. Vielleicht macht der Cousin mit dem Cousin Geschäfte, weil das ihre Väter auch schon gemacht haben und irgendein in die Familie Eingeheirateter hat einen Freund, der in Afghanistan war. In der Regel sind es solche Spuren, denen die Verfolgungsbehörden nachgehen. Auch nach Anschlägen wie in Madrid, wo es in einer Art Dominoeffekt immer neue Verdächtige gibt, die als eigentliche Drahtzieher präsentiert werden.
Ein al-Qaida-Handbuch, das von der Polizei in Manchester gefunden wurde, gibt Einblick in den organisatorischen Aufwand, der vom islamischen Untergrund betrieben wird. Es müssen verschiedene Wohnungen zum Leben, für Treffen, als Versteck angemietet werden. In jeder Wohnung müssen Fluchtmöglichkeiten eingebaut werden. Jeder "Kämpfer" muss mehrere gefälschte Ausweise besitzen, mit denen er Wohnung und Autos anmietet sowie Tickets bucht.
The brother who has special work status (commander, communication link,...) should have more than one identity card and passport. He should learn the contents of each, the nature of the [indicated ]profession, and the dialect of the residence area listed in the document.
Ohne gute Beziehungen, entweder zu Geheimdiensten oder mafiaähnlichen Organisationen, ist das bei der Vielzahl der Mitglieder, die oft bei einem Anschlag beteiligt sind, nicht zu bewältigen. Eine Infrastruktur, die sich mit dem normalen lokalen kriminellen Umfeld überschneidet, ist eigentlich nicht zu vermeiden. Es sei denn, dass alle illegalen Papiere und Transaktionen aus eigener Produktion und durch eigene Kontakte kommen.
Was die Beschaffung von Waffen betrifft, zeigt das "Manual" deutlich, dass auf dem normalen Schwarzmarkt gekauft wird, die "Schläferzellen" nicht von der großen, zentralen Geheimorganisation versorgt werden.
l. Prior to purchasing, the seller should be tested to ensure that he is not an agent of the security apparatus.
m. Preparing a place for storage prior to purchasing.
2. The Purchase Stage
a .Verifying that the weapons are in working condition.
b. Not paying the seller the price for the weapons before viewing, inspecting, and testing them.
c. Not telling the seller about the mission for which the weapons are being purchased.
- Re: Mir fehlen Quellen - CIA & Drogen (11.5.2004 16:56)
- Quellen zu CIA & Drogen (18.4.2004 4:24)
- ach... (17.4.2004 20:22)
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