Welche Nachrichten dominieren in den Medien?

17.04.2004

Mit der "Newsmap" lassen sich die (regionalen) Schwerpunkte der Berichterstattung für die permanent aktualisierten Google News verfolgen

Mit dem Internet haben die Menschen erstmals Zugriff auf eine Vielzahl von weltweit publizierten Nachrichten aus unterschiedlichsten Quellen. Das ermöglicht eine weitaus umfassendere Informiertheit, aber kann natürlich auch eine Lähmung durch das Zuviel an Optionen hervorrufen. Vor allem aber verliert man leicht den Überblick und lässt sich von dem leiten, was gerade in den Mainstreammedien an Themen angeboten wird. Das aber ist von Region zu Region verschieden.

Einen Überblick über den Nachrichtendschungel aus den verschiedensten Medien bieten manche Blogger nach jeweils unterschiedlichen Perspektiven an, aber auch Portale wie yahoo.com, MyWay News, Paperball, Newsclub oder natürlich auch die Google News, die es mittlerweile in für verschiedene Sprachen gibt. Dabei werden beispielsweise für die deutsche Version 700 Quellen laufend von den Suchrobotern nach Neuem permanent durchforstet, um so Aktualität zu gewährleisten. Mit den vielen Quellen haben nicht nur Mainstreammedien oder Nachrichtenagenturen eine Chance, zudem lassen sich die Nachrichten zu bestimmten Themen in verschiedenen Medien schnell vergleichen. Automatisch werden die erfassten Artikel auf den Nachrichtenportal aufgelistet, gruppiert und bewertet.

Nach welchen Algorithmen diese automatische Zusammenstellung und Positionierung geschieht, verrät Google allerdings nicht. Solche Angebote lassen sich natürlich weiter verfeinern, um zusätzliche Einsichten zu erhalten. Eine solche Möglichkeit hat Marcos Weskamp auf einer Website eingerichtet und bietet hier eine "Newsmap" an.

Die Idee ist einfach und einleuchtend. Sowohl Oberfläche als auch Tiefenstruktur von Google News verändern sich fortlaufend. Weskamp hat mit einem Treemap-Algorithmus versucht, den Strom der Informationen visuell aufzubereiten. Dabei werden die von Google News gesammelten und hierarchisch dargestellten Artikel nach Themen, Regionen oder Zeit erfasst und als ineinander verschachtelte Rechtecke in einem beschränkten Raum präsentiert, so dass sich schnell sehen lässt, welche Nachrichtenthemen gerade dominieren. Die Größe der Rechtecke zeigt an, welches Thema am meisten mediale Aufmerksamkeit erhält. In jedem der Rechtecke findet sich die Überschrift eines Artikels, der damit verlinkt ist. Themenbereiche wie Welt, Nation, Wirtschaft, Technologie und Sport werden farblich unterschiedlich dargestellt.

Mit Weskamps Informationsvisualisierung, die allerdings noch einige Lücken aufweist, lassen sich nicht nur die Schwerpunkte der Berichterstattung in unterschiedlichen Kategorien in einem Sprachraum darstellen, sondern man kann beispielsweise auch vergleichen, welche Themen in unterschiedlichen Regionen dominieren. Die Welt ist zumindest auch im Zeitalter des globalen Informationsflusses noch unterschiedlich orientiert. Auch wenn Themen wie gegenwärtig die Lage im Irak oder der Nahostkonflikt global sind, so gibt es eine Vielzahl von regionalen Nachrichten, die den Sprung in die globale mediale Aufmerksamkeit nicht schaffen.

Eine Schwäche hat allerdings die Newsmap. Sie listet die Informationen auf, die sich am besten durchsetzen. Die Wahrscheinlichkeit ist also relativ hoch, dass man in den unterschiedlichen Medien über diese Nachrichten auch stolpern wird, weil sie am meisten verbreitet sind. Das ist ein wichtiger Einblick in die Verzahntheit der Medien, die ein System bilden und so eine wie auch immer verkürzte, gewichtete, einseitige Wahrnehmung des Geschehens liefern, ohne dass hier gezielte Manipulation am Werke wäre. Manche Themen sind eher nachrichtenkonform als andere, es gibt Medien, die den Schritt für die anderen vorgeben, manche Themen sind so zentral, dass sie vieles andere verdrängen. Medien sind die kollektive Aufmerksamkeit von Gesellschaften - und sie sind stets selektiv wie die individuelle Aufmerksamkeit, erzeugen neben Sichtbarkeit also auch immer Dunkelheit.

Interessant wäre daher auch, welche Nachrichten kaum Aufmerksamkeit finden und von den Mainstreammedien nicht oder nur am Rande aufgegriffen werden, obgleich sie möglicherweise durchaus wichtig sein könnten. Ein Instrumentarium zu entwickeln, das die Selektion der Medien analysiert und in einer ähnlichen Newsmap visualisiert, könnte zumindest medientheoretisch eine Aufgabe sein. Schließlich lenken die Medien die Aufmerksamkeit der Menschen und schaffen so Wirklichkeit. Der Soziologe Niklas Luhmann formulierte dies eingängig so: "Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien."

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