Nigerianer im Weltall

Wolf-Dieter Roth 22.04.2004

"Keiner holt unsere Jungs heim!"

Die "Nigeria-Connection" nervt nun seit 15 Jahren, erst als Fax, nun als Mail, doch im Vergleich zu Würmern und sonstigem Spam sind die Mails - im Gegensatz zu einem persönlichen Kontakt (Spam, Betrug und Drogen) - mitunter durchaus erheiternd.

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Jörg Kantel, der Schockwellenreiter, hat inzwischen bereits 705 Nigeria-Betrugs-Mails gesammelt, die immer dieselbe Story erzählen von dem großen Vermögen, das auf einen wartet, wenn man zunächst ein kleines Vermögen investiert. Den Gaunern mangelt es also nicht an Phantasie, unsinnige Texte zu verfassen, auch wenn sie auf noch unsinnigere Gegenkorrespondenz regelmäßig selbst hereinfallen. Sie beschränken sich auch längst nicht mehr auf Nigeria und Afrika, man ist ja international und so müssen nun auch aus Südkorea Millionen mit Unterstützung naiver "Investoren" beiseite geschafft werden.

Doch die Probleme des afrikanischen Staates beschränken sich bedauerlicherweise nicht allein auf die Erde - nun ist auch noch ein nigerianischer Astronaut seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im All vergessen worden:

Dr. Bakare Tunde Astronautics Project Manager National Space Research and Development Agency (NASRDA) Plot 555 Misau Street PMB 437 Garki, Abuja, FCT NIGERIA

Sehr geehrter Herr,

BITTE UM UNTERSTÜTZUNG - STRENG VERTRAULICH

Ich bin Dr. Bakare Tunde, der Vetter des nigerianischen Astronauten Air Force Major Abacha Tunde. Er war der erste Afrikaner im All, als er einen geheimen Flug zur Salyut 6 Raumstation im Jahre 1979 machte. Dann war er 1989 auf einem späteren sowjetischen Raumflug, Soyuz T-16Z zu der sowjetischen geheimen militärischen Raumstation Salyut 8T. Dort strandete er in 1990, als die Sowjetunion aufgelöst wurde. Seine andere sowjetischen Mannschaftsmitglieder kehrten mit der Soyuz T-16Z zur Erde zurück, doch sein Platz wurde stattdessen für Fracht verwendet. Seitdem wurde er von gelegentlichen Progrez-Versorgungsflügen am Leben erhalten. Er ist immer noch guter Dinge, aber er möchte nun heimkommen.

In der 14 Jahren, die er auf der Station ist, hat er an Gehalt und Zinsen fast 15.000.000 amerikanische Dollars angesammelt. Dieses Geld ist in einem Treuhandfond der Lagos National Savings and Trust Association. Wenn wir Zugriff auf dieses Geld bekommen, können wir den russischen Raumfahrtbehörden eine Anzahlung für einen Soyuz-Rückflug leisten, um ihn auf die Erde zurück zu bringen. Man sagt mir, dies kostet 3.000.000 US-Dollars. Um auf seine Treuhandgelder zuzugreifen, benötigen wir Ihre Unterstützung.

Meine Mitarbeiter und ich sind bereit, den Gesamtbetrag auf Ihr Konto zur Übergabe zu transferieren, da wir als Staatsbeamte wegen der Beamtengesetze keine Auslandskonten in unseren Namen eröffnen oder auf sie zugreifen dürfen.

Natürlich setzen wir dabei enormes Vertrauen in Sie. Im Gegenzug haben wir vereinbart, Ihnen 20 Prozent von der übertragenen Summe anzubieten. Hinzu kommen 10 Prozent für Nebenkosten (intern und extern) zwischen den Parteien im Verlaufe der Transaktion. Die restlichen 70 Prozent werden Sie dann bitte zu gegebener Zeit auf andere Konten überweisen.

Wir bitten freundlich um eine schnelle Antwort, da wir bereits hinter Plan liegen und die Anzahlung noch in diesem finanziellen Quartal benötigen.

Bitte den Empfang dieser Nachricht nur über meine direkte Nummer 234 (0) 9-234-2220 zu bestätigen.

Hochachtungsvoll,

Dr. Bakare Tunde Raumfahrt-Projektleiter tip@nasrda.gov.ng

Da hilft man natürlich gern, doch ist fraglich, ob der arme Nigerianer nach nunmehr 14 Jahren in Schwerelosigkeit noch ein würdiges Leben auf der Erde führen könnte oder sich bei der Ankunft sofort alle inzwischen erweichten Knochen brechen würde. Telepolis hat deshalb stattdessen von seinem Gehalt eine Rakete reserviert, die alle Spammer, Abmahnanwälte und die amerikanische Regierung ebenfalls zu ihm in den Orbit schießen soll, damit der gute Mann nicht mehr so einsam ist. Es ist nur noch eine kleine Summe von 800.000 Euro notwendig, um die Leute von der NASA zu schmieren und für ein paar Liter Sprit. Bitte bringen Sie das Geld in kleinen, unnummerierten Scheinen in der Redaktion vorbei, wir buchen Ihnen dann auch ein Hotelzimmer wahlweise in Bielefeld oder der Dominikanischen Republik....

http://www.heise.de/tp/artikel/17/17257/1.html
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