Der letzte Tropfen

01.05.2004

Arabische Reaktionen auf die Bilder von gefolterten Irakern; private Firmen unter Verdacht

In diesem Fall haben Bush und Blair, die Probleme im Irak gerne schweigend aussitzen, ungewöhnlich schnell reagiert; in Washington und London scheint man also zumindest eine Ahnung davon zu haben, was die demütigenden Bilder (Sadistische KZ-Spiele) anrichten können.

Eilig versuchte man, die Verantwortung für die bislang größte "public diplomacy"-Katastrophe (vgl. USA vs. Demokratie "Arab Style") im Irak auf die sadistischen Entgleisungen einiger weniger zu übertragen. Für Entschuldigungen blieb da keine Zeit. Unterdessen konnten die arabischen Haushalte heute morgen die Bilder auf Al-Arabyia und Al-Jazeera sehen. Die ersten Reaktionen deuten an, dass der Schaden für die amerikanisch-britische "Mission" immens ist.

Alles würde besser werden im befreiten Irak, so der Anspruch der US-Amerikaner; naturgemäß wird ihnen jetzt dieser Anspruch als erstes vorgehalten.

Die Befreier sind schlimmer als Diktatoren. Das ist jetzt der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt...Dies wird den Hass auf Amerika vergrößern, nicht nur im Irak auch in anderen Ländern. Sogar diejenigen, die bislang mit den Amerikanern sympathisiert haben, werden jetzt damit aufhören. Es sind nicht nur Bilder, die Folter zeigen; es ist erniedrigend. Es geht um Moral und Religion.

Die Entschuldigungen der Folterer, die er im Fernsehen zu hören bekam, seien lächerlich und grotesk bis zum Extremen, so ein populärer Blogger aus Bahrein:

"Wir versuchten Instruktionen zu bekommen, aber konnten keine bekommen" "Wir waren nicht in der Genfer Konvention unterrichtet" - Welche Art von debilen Menschen braucht Instruktionen darüber, wie man Kriegsgefangene behandelt? Wie würden SIE es mögen, wie Tiere behandelt zu werden? Sie bringen Schande über den Gedanken der Befreiung...Und worin besteht der Unterschied zwischen Ihnen und Saddam?

Es gibt keinen, stellt auch ein saudischer Kommentator fest. Das Abu Ghuraib-Gefängnis sei schon unter Saddam ein Platz für Folterungen gewesen.

Dass die Bilder Tabus der arabischen Kultur verletzen, insbesondere öffentliche Nacktheit und Homosexualität, wird von den Kommentaren ebenfalls herausgestellt, als besonders schlimm wird empfunden, dass die Täter ihren Sadismus auch noch dokumentierten.

Das ist wirklich, wirklich die allerschlimmste Grausamkeit. Das berührt die Ehre und den Stolz der Muslime. Es ist besser, sie zu töten, als sie sexuell zu missbrauchen.

Man muss kein großer Kenner des Mittleren Ostens sein, um mit einiger Gewissheit vorhersagen zu können, dass diese Demütigung von Irakern durch Amerikaner erneut mit dem israelisch-palästinensischem Konflikt verbunden wird (vgl. Die Scharonisierung Bushs in der arabischen Welt). Ein erster Kommentar bei Islam-Online tut dies bereits in aller Schärfe.

Schaut, dass ihr die ehrenwerten Befreier aus unseren Ländern abzieht. Mit jedem Tag überzeugt ihr mehr und mehr Leute davon, euch wirklich zu hassen und euch mit jedem Blutstropfen zu bekämpfen.

Der Hass auf Amerika und Israel nährt bizarre Spekulationen. Wie Juan Cole berichtet, laufen im Irak bereits Gerüchte, dass die sadistischen Folterer "Zionisten" seien, die von Washington an der langen Leine gehalten würden. Die irakische Zeitung az-Zaman habe Brigade General Kimmitt darauf angesprochen, ob die Soldaten, welche die irakischen Gefangenen missbraucht haben, jüdisch seien. Die Antwort des Generals: "Nein".

Private Firmen unter Verdacht

Der Skandal um die Folter-Bilder könnte auch die Debatte um den Einsatz von privaten Firmen im Irak neu aufheizen. Wie vom Guardian berichtet, sind zwei so genannte "Private Military Contractors"- CACI International und die Titan Corporation - im Zusammenhang mit den Folterungen ins Visier von Ermittlungen geraten.

Der Anwalt eines der wegen der Folterungen angeklagten Soldaten behauptet nämlich, dass CACI-Mitarbeiter die Militärpolizisten dazu angehalten hätten, um sie für die "Befragungen weich zu klopfen".

Die Angestellten der Privatfirmen - im Irak immerhin das zweitgrößte Truppenkontingent (vgl. Corporate Killers: das ganz große Geschäft) - agieren in einer rechtlichen Grauzone. Nach Angaben von Al-Jazeera soll ein privater Sicherheitsmann einen jungen, männlichen Insassen vergewaltigt haben, aber nicht vor Gericht gebracht worden sein, weil das Militärgesetz nicht für ihn gelte.

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