Die Spur führt von Dortmund nach Malaysia

03.05.2004

Versuchen al-Qaida-Sympathisanten über Websites in Deustchland Geld zu verdienen?

Eine eigene Website hat das Terrornetz al-Qaida nicht, auch kein Online-Magazin (Die "Online-Magazine" von al-Qaida). Dokumente und Schriften der Organisation werden aber online angeboten, unter anderem auf einer Website in Malaysia und auf der Homepage eines wissenschaftlichen israelischen Projekts. Sympathisanten Osama bin Ladens versuchen aber offenbar, über gefälschte Websites Geld zu verdienen - eine heiße Spur führt nach Deutschland.

Die Firma HostNow Germany in Dortmund bietet "Highspeed-Internet" und Service-Pakete zu moderaten Preisen an, inklusive Domain-Kauf und Email-Adressen. Schon ein flüchtiger Blick auf die Seite zeigt, dass die Angaben ein Fake sind: Die Postleitzahl ist falsch, unter der Adresse existiert keine Firma, der Whois-Eintrag enthält Rechtschreibfehler und eine abweichende Straßenangabe. Auf Nachfrage beim zuständigen Dortmunder Finanzamt erwies sich auch die angegebene Umsatzsteuer-ID als frei erfunden. Die Links zu den Angeboten und Preisen - "gültig ab dem 07.04.2003" - wurden erst vor kurzem von der Startseite entfernt, liegen Telepolis jedoch vor.

Der Domainname hostnow.biz ist jedoch verräterisch. Die Email Adresse sout@hostnow.biz taucht in einem der Dokumente auf, die auf der malaysischen Website von einem Mitglied oder Sympathisanten al-Qaidas zum Download bereitgestellt wurden - der Zeitschrift "Mu'askar al-Battar" ("Militärcamp"). Dort finden sich Tipps für den potenziellen Terroristen, wie Waffen zu benutzen sind und wie der al-Qaida-Kämpfer sich physisch auf Anschläge vorbereiten soll. Nach der Statistik ist diese Seite bereits fast 400.000 Mal aufgerufen worden.

Dirk Büchner, Pressesprecher des Bundeskriminalamtes, BKA-Pressestelle, schreibt: "Die von Ihnen benannten Internetadressen sind dem BKA im Zusammenhang mit früheren Veröffentlichungen aus dem islamistischen Umfeld bekannt geworden." Das BKA möchte über den Verantwortlichen nichts sagen, da es sich um laufende Ermittlungen handelt. "Zu angeblichen Aktivitäten der AL Queda, über deutsche Websites, die Internet-Dienstleistungen anbieten, Geld zu verdienen, liegen dem BKA keine Erkenntnisse vor."

Offenbar bemüht die Helfershelfer bin Ladens mehr schlecht als recht, ihre Spuren im Internet zu verwischen. Dem Domain-Inhaber "Patrick William" mit einer Email-Adresse bei Microsofts Email-Dienst "Hotmail" gehören auch die Domains pages4free.biz sowie page4free.biz. Auf letzteren Websites werden Internet-Dienstleistungen angeboten wie bei der vorgeblichen Firma in Dortmund.

Über den brisanten Inhalt des Unterverzeichnisses "sout" verrät die Startseite nichts. Mit den Domain-Einträgen und den falschen Angaben wurde ausgerechnet die US-amerikanische Firma "Go Daddy.com" in Scottsdale, Arizona, beauftragt. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, Web-Adressen für die Kunden zu kaufen und auf andere Rechner weltweit weiterzuleiten. Die Anonymität der Kundendaten und Datenschutz wird zugesichert.

Mehr verrät der gegenwärtige Provider: Sowohl die Website der angeblichen Dortmunder Firma als auch die al-Qaida-Seite liegen physikalisch in Malaysia (Traceroute). Das Unternehmen und sein Inhaber Wong Fook Seong haben ihren seinen Sitz in der Retortenstadt Cyberjaja, aus der ein asiatischen Silicon Valley werden soll (Das Internet in Malaysia). Es ist das ACME Internet Data Center. Die Firma ist dafür bekannt, dass Sympathisanten al-Qaidas virtuell bei ihr Zuflucht suchen. Auch die einschlägige türkischsprachige Seite cihad.net war dort gehostet.

"HostNow" in Dortmund bietet immer noch den virtuellen City-Shop an. Wenn den jemand kaufte, wäre es interessant zu erfahren, wohin das Geld fließt - nach Malaysia, Saudi-Arabien oder gar nach Afghanistan?

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