Himmelfahrtskommando X-Prize

Jörg Prigge 15.05.2004

Mit selbst gebauten Raumschiffen ins Weltall - Starttermin rückt in greifbare Nähe - "StarShipOne" stellt neuen Höhenrekord auf

Sehr viel gefährlicher, als mit den leicht explosiven Nasa-Shuttles (vgl. "Wirklich hässlich") ins All zu düsen, wird es wohl auch nicht werden: der Wettbewerb X-Prize, bei dem derjenige zehn Millionen US-Dollar gewinnt, dem es als Ersten gelingt ohne staatliche Unterstützung ein mit drei Personen besetztes Raumschiff hundert Kilometer ins All zu befördern - inklusive Rückflug, bei dem alle Beteiligten natürlich wieder gesund auf der Erde ankommen sollen. Weitere Teilnahmeregel: Der Flug muss innerhalb von zwei Wochen erfolgreich wiederholt werden, um potenzielle Weltraum-Touristen von der Machbarkeit des Unterfangens zu überzeugen.

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Das Projekt

Ins Leben gerufen hat diesen Wettbewerb der Luftfahrtingenieur Peter Diamandis im Jahre 1996. Es war der Beginn der New Economy, als nichts unmöglich schien und sich selbst für absurdeste Ideen Geldgeber finden ließen. So sollen neben Microsoft Mitbegründer Paul G. Allen, der gut 30 Millionen Dollar sponsorte, auch der Gründer des Online-Vertriebs Amazon, Jeff Bezos und diverse andere Dotcom-Millionarios in X-Prize-Projekte investiert haben. Angesichts dieser Summen fanden sich auch schnell zahlreiche Privatpersonen, Ingenieurbüros und Firmen, um beim Wettlauf um das erste private Raumgefährts mit dabei zu sein.

Die Teilnehmer

Mittlerweile haben sich 27 Teams für den Wettbewerb angemeldet - neben den USA auch aus Kanada, Israel, Argentinien, Russland oder Rumänien stammend. Die Konstruktionen ihrer Raumgleiter fallen dabei höchst unterschiedlich aus: Die Kanadier setzten mit dem Canadian Arrow auf eine modernisierte Version der von Deutschen im Zweiten Weltkrieg entwickelten V2-Rakete - einschließlich Fallschirm für die Rückkehr zur Erde.

Canadian Arrow

Israelische Ingenieure wollen ihre Rakete mit Hilfe eines Ballons erst auf zehn Kilometer Höhe bringen, bevor sie gezündet werden soll. Weniger aufwändig gestaltet sich das Ansinnen des rumänischen Gartenkosmonauten Dumitru Popescu, der sein Geschoss neben dem Hühnerstall entwickelt.

Der Favorit

Die höchsten Chancen auf einen erfolgreichen Ritt ins All hat jedoch das von Bob Rutan entwickelte SpaceShipOne. Vor einem Monat hatte die US-Flugsicherheitsbehörde FAA erstmals diesem von einer privaten Firma gebauten suborbitalen Raumschiffs die Zulassung erteilt. Bei dieser Konstruktion bringt zuerst ein zweistrahliger Turbojet namens "White Knight" den Raumgleiter in 15.000 Metern Höhe. Von diesem Trägerflugzeug aus wird dann das "SpaceShipOne" ausgeklinkt und soll mit seinem Hybrid-Raketenantrieb dann gen All düsen. Ein Testflug mit dem 62-jährigem Piloten Mike Melvill an Board verlief gestern auf jeden Fall schon einmal Erfolg versprechend: mit 64 Kilometern Distanz zur Erde stellte das "SpaceShipOne" einen neuen Höhen-Rekord für ein privat finanziertes Raumschiff auf.

SpaceShipOne

Der Neidhammel

Natürlich ruft solch ein Projekt manch Neider auf den Plan: laut Iwan Obraszow, seines Zeichens Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für angewandte Mechanik, hatten die Russen bereits in den 70er Jahren das Projekt eines flugfähigen Raumgleiters entwickelt. Dieser hätte Passagiere in einer Höhe von bis zu 200 Kilometern mit 30.000 Kilometern in der Stunde transportieren können. Nur finanzielle Probleme sollen der Verwirklichung im Wege gestanden haben. Über solche Probleme braucht sich Bob Rutan jedoch keine Sorgen machen - sein "SpaceShipOne" ist mit mehr als 35 Millionen US-Dollar das best gesponserte Team von allen.

Der Countdown

Ursprünglich war der letztmögliche Starttermin für den Wettlauf ins All Ende 2004. Grund: da die Veranstalter des X-Prize die zehn Millionen Dollar Preisgeld anfangs noch nicht aufgetrieben hatten, schloss man eine Art Wette ab. Eine Versicherungsfirma wurde verpflichtet, den noch fehlenden Betrag auszuzahlen, so bald ein Team die zwei Flüge erfolgreich absolviert hat. Der Haken daran: Steht bis zum 1. Januar 2005 kein Gewinner fest, dann müssten die X-Prize-Veranstalter ihr gesamtes bis dahin gesammeltes Preisgeld an die Versicherung auszahlen.

Bild

Die Retter

Ganz so schlimm wird es aber vermutlich nicht kommen: Bob Rutan will seit der Erteilung der offiziellen Starterlaubnis für "SpaceShipOne" noch in diesem Jahr das Weltall erobern. Womöglich von einer Startrampe im US-Bundesstaat New Mexico, das seit kurzem als offizieller Ausrichter des Wettbewerbs feststeht. Und selbst wenn das Experiment misslingt, wäre dies kein Weltuntergang für die Veranstalter: Vor wenigen Tagen haben Anousheh und Amir Ansari, zwei iranisch-stämmige Jungunternehmer, eine nicht bekannte mehrfache Millionen-Dollar-Summe der X-Prize-Foundation zukommen lassen - damit der anstehende Versicherungsverlust leichter zu verschmerzen wäre. Dank solcher Hilfsbereitschaft verwundert es dann auch nicht, dass der Wettbewerb kurzerhand in Ansari X-Prize-Cup umbenannt wurde.

Video (RealMedia) vom Testflug des "SpaceShipOne" am 14.5.2004

http://www.heise.de/tp/artikel/17/17425/1.html
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