Meerwasser für Palästina

Die Welt soll den Wasserluxus Israels finanzieren

Israel hat einen Plan vorgelegt, der eine gigantische Meerwasserentsalzungsanlage vorsieht, die für die Versorgung der Palästinenser mit Trinkwasser sorgen soll. Das vorhandene Grundwasser des besetzten Westjordanlandes wollen die Israelis dagegen weiterhin für sich selbst nutzen.

Israel hat kürzlich einem Komitee für internationale Beziehungen des Repräsentantenhauses die Pläne für die Entsalzungsanlage vorgestellt (Water Scarcity in the Middle East: Regional Cooperation as a Mechanism towards Peace). Mit dem in Caesaria aus dem Mittelmeer gewonnenen Trinkwasser sollen künftig die Palästinenser in den besetzten Gebieten versorgt werden. Wie Uri Shamir vom Technion Israel Institute of Technology den Abgeordneten mitteilte, sei dies auf lange Sicht „die einzige praktikable Lösung“. Bezahlen soll die Anlage die USA, bzw. die internationale Gemeinschaft, die Folgekosten für die Palästinenser werden enorm sein. Wörtlich erklärte Uri Shamir dem Wissenschaftsjournal New Scientist:

„Die Anlage wird die Welt für die Palästinenser finanzieren. Israel wird nicht bereit sein, diese Kosten zu tragen und die Palästinenser sind nicht fähig dazu.“

Das Grundwasser der Westbanks

Die Ausbeutung des Grundwassers des Westjordanlandes behält sich Israel weitgehend selbst vor und sieht das als Voraussetzung für die Anerkennung eines künftigen palästinensischen Staates. Dafür wird der israelische Staat die reibungslose Durchleitung des Wasser mittels einer Pipeline durch sein Gebiet nach Dschenin garantieren. Von dort aus kann es durch ein Leitungssystem in die Städte und 250 Dörfer des besetzten Gebietes verteilt werden.

Die Wasserversorgung Palästinas (Bild

Seit der Okkupation des Westjordanlandes im Sechs-Tage-Krieg 1967 haben die Palästinenser nur bedingten Zugang zum Grundwasserbecken unter ihren Füßen. Das Bohren und Reparieren von Brunnen wurde streng reglementiert und im Friedensvertrag von Oslo wurde festgeschrieben, dass Israel den Löwenanteil der sich erneuernden unterirdischen Reserven nutzen darf.

Brunnen bohren verboten

Tatsächlich beansprucht die Besatzungsmacht 80 Prozent für sich, nur ein Fünftel kommt den Palästinensern zugute. Viele der Dörfer des Gebietes sind bis heute ohne fließendes Wasser, manche sogar ohne Trinkwasserbrunnen. Tiefe Brunnen zu bohren ist genehmigungspflichtig und wurde nur in seltenen Ausnahmen erlaubt.

Die israelischen Siedler in den Westbanks verbrauchen bis zu 360 Liter Wasser täglich und während sie in ihren Schwimmbädern plantschen, sitzen viele Palästinenser auf dem Trockenen. Ihr Verbrauch liegt bei durchschnittlich bei weniger als 100 Litern täglich. Die Weltgesundheitsorganisation hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die schlechte Wasserversorgung die Gesundheit der Besetzten gefährdet (Health situation of Palestinian people living in the occupied Palestinian Territory).

Wer das Wasser hat, kann die Wüste blühen lassen. Milch und Honig fließt nur für den, der seine Felder bewässern kann. In den besetzten Gebieten gibt es kaum Industrie, die Menschen sind weitgehend auf ein Einkommen aus der Landwirtschaft angewiesen. Unter dem Westjordanland liegt ein gewaltiger Grundwasserspeicher. Diese Aquiferen (Wasser führende Schichten im Untergrund) werden durch Niederschläge aus den Bergen immer wieder aufgefüllt.

Entsalzung von Meerwasser

Die Verfahren zur Entsalzung von Meerwasser sind aufwändig und teuer. Die meisten Experten sehen sie – wenn überhaupt – nur als sinnvoll an, um den reinen Trinkwasserbedarf zu stillen. Die Anlagen verbrauchen sehr viel Energie und das bedeutet hohe Kosten. Bisher hat sich die Technik entsprechend vor allem in den reichen, arabischen Ölstaaten durchgesetzt (Zahlen, Daten und Fakten zur Meerwasserentsalzung). Im Westjordanland kommen weite und schwierige Transportwege für das blaue Gold hinzu: Das Wasser müsste bis zu 1000 Meter hinauf gepumpt werden. Der Kubikmeter würde folglich in etwa einen Dollar kosten.

Arie Issar, Wasserexperte von der Ben Gurion University im Negev, der bis heute die Hoffnung nicht aufgegeben hat, durch technologische Kooperation mit den Nachbarn sowohl den Wassermangel zu beheben, als auch den Frieden zu erreichen (Nutzung der kostbaren Wasserressourcen), zeigt sich den aktuellen Planungen gegenüber sehr kritisch:

„Die Frage ist, ob eine durchschnittliche palästinensische Familie sich das leisten kann. Es wäre töricht, Wasser an der Küste zu entsalzen und es in die Berge hochzudrücken, wenn es dort oben Wasserressourcen im Untergrund gibt, die nur ein Drittel so viel kosten.“

Chronischer Wassermangel

Bisher funktioniert die tägliche Kooperation der beiden Bevölkerungsgruppen im Bereich der Wasserversorgung erstaunlich gut. Aber die palästinensischen Experten sehen mit viel Misstrauen auf die Zukunftsperspektiven. Die zuständige Behörde Palestinian Water Authority befürchtet eine zukünftige Abhängigkeit von israelischem Know-How und kommende finanzielle Probleme.

Israel versucht, sich die lebenswichtigen Ressourcen zu sichern. Das Land bezieht sein Wasser hauptsächlich durch den Jordan und den See Genezareth, die am Golan entspringenden Flüsse und die Grundwasseradern des Westjordanlandes. Das Kernland ist hauptsächlich Wüste, wo kaum Regen fällt (Israel in Kürze – Wasser).

Israel ist Weltmeister, wenn es um die optimalen Bewässerungssysteme geht, aber der Wassermangel ist ein grundlegendes und chronisches Problem. Die Veränderungen am Jordan haben bereits zu einer zunehmenden Austrocknung des Toten Meeres geführt (Quo vadis, Totes Meer?). Ob der Staat wirklich je durch eine Pipeline Wasser aus der Türkei beziehen wird, steht noch in den Sternen. Der Transport mit Tankern kann nur ein Tropfen auf den heißen Stein darstellen (Programmierter Streit um Lebenselixier).

Der Sicherheitszaun

Experten haben sich bereits den Verlauf des „Sicherheitszauns“ genauer angesehen, mit dem sich Israel gegen die Palästinenser abgrenzen will und über dessen genauen Verlauf noch diskutiert wird. Der Hydrogeologe Clemens Messerschmid berät die Palestinian Water Authority und stellte bei seiner Analyse der geplanten Linie der Grenzmauer fest, dass sie neben dem Schutz der israelischen Siedler auch dafür sorgen soll, den Palästinensern den Zugang zum Grundwasser möglichst zu verwehren. Er kommt zu dem Schluss:

„Bereits Mitte der 90er Jahre, lange vor Camp David, haben israelische Hydrologen ‚maps of water interests’ gezeichnet, in denen die Gebiete, die nun hinter die Mauer fallen, zu den strategischen Interessenszonen Israels gezählt wurden. In diesen Gebieten sollte zukünftige palästinensische Erschließung unterbunden werden. Es ist daher nicht überraschend, dass der jetzige Verlauf der Mauer diesen Karten stark ähnelt. (...) Hauptanliegen ist hier, jegliche zukünftige und potenzielle Erweiterung der palästinensischen Kapazitäten zu unterbinden und durch geschaffene Fakten von vornherein zu verunmöglichen. Wenngleich dieser Aspekt in der Berichterstattung keinen großen Raum einnimmt, so ist er für die Lebenswirklichkeit von Millionen Palästinensern zentral.“

Gaza

In Gaza ist die Situation noch katastrophaler, das Grundwasser versalzt immer mehr und die UNO warnt, dass wenn es so weitergeht, in 15 Jahren kein Trinkwasser mehr vorhanden sein wird. In der Liste der Länder mit den größten Wasserproblemen steht diese Region an zweiter Stelle (Der große Durst). Gaza liegt am Strand und eine Meerwasserentsalzungsanlage soll das Problem lösen. Die USA und andere Länder unterstützen das Projekt mit Entwicklungshilfe. So ähnlich stellt Israel sich auch die Finanzierung des entsalzten Wassers für die Westbanks vor. Die amerikanische Entwicklungshilfeagentur USAID unterstützt die Planung bereits. Alvin Newman, der Zuständige für Wasserressourcen in Tel Aviv, kommentiert: „Letztlich ist das die einzige Lösung“.

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