Das Triell: Eine mathematische Ballerei um eine entschlussschwache Schönheit
Kurzfilme von der Festplatte und Langfilme für die Festplatte: Digitaltechnik macht das Kino kreativ
Im Kino laufen Filme aber nicht mehr lange: Digital auf hochauflösendem Video (HDTV) zu drehen und das Material dann am Computer zu bearbeiten, ist längst nicht nur einfacher, sondern auch kostengünstiger als sich mit klassischem Film und Schnitt herumzuplagen. Nur der Speicherplatz ist noch ein Problem. Die ersten Filme gibt es nun auch ganz legal aus dem Netz zum Download
Wer an der Filmhochschule einen Übungsfilm machen soll, dreht längst nur noch auf Video: Die Technik ist einfacher zu handhaben und die Kosten sind weit geringer. Lediglich der künstlerische Anspruch wird manchmal angezweifelt: DV-Video arbeitet ebenso wie digitale Fotokameras mit geringeren Brennweiten als das Film-Pendant. Damit wird das Filmen sogar einfacher, denn es ist leicht von vorn bis hinten alles scharf zu bekommen, doch mitunter soll ja gerade der Hintergrund in Unschärfe verschwimmen, um die filmentscheidende Szene zu betonen. Abhilfe schaffen spezielle Optiken, die mit einem klassischen Filmobjektiv auf eine Mattscheibe projizieren, die dann von der Videokamera aufgenommen wird, wie beispielsweise im Dokumentarfilm "Das Leben geht weiter".
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| Der Weg hinab in den Untergrund (Bild |
Es blieb die beschränkte Auflösung bei Video (640 x 480 Pixel beim amerikanischen NTSC, 720 x 576 Pixel bei PAL), die mit 35-mm-Film auch nicht annähernd vergleichbar ist. Hochauflösende Videokameras gibt es zwar seit über 15 Jahren und schon 1989 drehte Wim Wenders Passagen seines 1991 erschienenen Films "Bis zum Ende der Welt" auf HDTV-Kameras mit 1920 x 1080 Pixeln.
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Doch kam HDTV lange nicht in Fahrt es wurden Bilder zwar durchaus im Computer erzeugt und auf Film belichtet, doch handelte es sich dabei üblicherweise um Zeichentrickfilme oder Realfilme mit Zeichentrickeinblendungen normale mit Kameras aufgenommene Szenen wurden selten im Computer nachbearbeitetet. Erst mit den neuen LCD- und Plasmabildschirmen kommt nun Bewegung in das Thema und HDTV-Videokameras könnten bald auch im gehobenen Consumersegment auftauchen.
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| Mörderische U-Bahn-Fahrt (Bild |
Ebenso ist der digitale Schnitt des hochauflösenden Formats mit Einbettung von Effekten in Spielfilmlänge auf normalen PCs bislang noch nicht möglich es fehlt an Speicherkapazität für die enormen Datenmengen. Kurzfilme von einigen Minuten lassen sich jedoch bereits komplett digital aufnehmen und bearbeiten. Nur zur Vorführung wird bislang meist auf Film umkopiert, weil es noch kaum HDTV-Kinoprojektoren gibt. Dies soll sich allerdings bald ändern, da die digitale verschlüsselte Satellitenübertragung der Filme zu den Kinos wesentlich praktischer ist als der heutige logistisch anspruchsvolle Rollenversand, dem ja noch dazu ein aufwendiger Kopierprozess vorangeht und die Gefahr anhängt, dass eine Filmrolle beschädigt wird oder verloren geht.
Der erste derartige volldigital produzierte und auch digital projizierte Real-Kurzfilm war im Jahr 2000 "Gone underground" mit 9 Minuten Länge. Münchner erkennten hier ihre U-Bahn-Station "Messegelände West" wieder und waren umso verblüffter über die unbekannten dort einfahrenden futuristischen Züge und die merkwürdige Beschilderung. Im Film wurde diese U-Bahn zum Messegelände, die normal eigentlich nur ängstigt, wenn man sich an den einst am U-Bahnhof Trudering in ein Schlammloch in die Röhre gestürzten Bus erinnert, zu einer Geisterbahn, in der nicht nur die Tunnel atmen wie Luftröhren im menschlichen Körper, sondern auch drei der vier U-Bahn-Fahrgäste den Trip durch die Röhre nicht überleben.
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| Das Triell ein mathematisches Problem (Bild |
Inzwischen hat der Regisseur Su Turham, der "Gone underground" einst mit dem Hollywood-erprobten und von den Fassbinder-Filmen bekannten Kameramann Michael Ballhaus gedreht hatte, mit ebendiesem einen weiteren volldigitalen Kurzfilm gedreht: Triell.
Diesmal ist der Film nur fünf Minuten lang und wieder dominiert eine Frau die Handlung, doch im Gegensatz zu "Gone Underground" ist sie hier selbst nicht sehr entscheidungsfreudig: sie kann sich zwischen drei Verehrern nicht entscheiden, Herrn Weiß, Herrn Grau und Herrn Schwarz, also einer weißen Maus, einer grauen Maus und einem schwarzen Schaf. Deshalb sollen die drei sich um sie duellieren nein, triellieren, denn es sind ja drei. Daher auch den Filmtitel. Nur einer soll überleben und bekommt dann die Frau.
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| Wen sollte ich zuerst erledigen? (Bild |
Was nach wilden Frauen-Wunschträumen klingt, ist jedoch die spielerische Umsetzung eines Mathematikproblems der Wahrscheinlichkeitsrechnung, das John von Neumann 1944 formulierte: Herr Weiß trifft nämlich bei jedem Schuss, Herr Grau aber nur in zwei von drei Fällen und Herr Schwarz gar nur jedes dritte Mal. Damit es etwas fairer wird, darf der schlechteste Schütze beginnen. Doch wen soll er zuerst abknallen, um eine reelle Überlebenschance zu haben? Die Antwort verblüfft ebenso wie der Schluss in "Gone Underground".
So kreativ Kurzfilme auch sind, leiden sie doch darunter, dass niemand für fünf Minuten Film-Spaß den langen Weg ins Kino auf sich nehmen wird. Deshalb laufen sie üblicherweise als Vorfilm vor richtigen Spielfilmen. Hat ein Kurzfilm einen Preis gewonnen und ist somit förderungswürdig, so wird er einem Langfilm zugeordnet und kann dann zusammen mit diesem zur Vorführung im Paket angefordert werden "Gone Underground" wurde so vom Constantin-Verleih ab dem 21. Dezember 2000 mit "The Calling" verheiratet, einem zwar thematisch passenden, doch selbst nicht allzu bedeutenden Horrorfilm.
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| Kommissar Brettermeier blickt mal wieder voll durch (Bild |
Zudem ist das Zeigen des Kurzfilms nur ein "Kann", kein "Muss": Große Kinos, die schon jede Menge Werbung vor dem Hauptfilm abfahren, wollen ihre Zuschauer nicht auch noch mit einem Vorfilm von der Eisverkaufs-Pause abhalten. Nur spezielle Filmkunst-Kinos wie Matthias Hellwigs Breitwand-Kinos im Fünfseenland bei München zeigen die Vorfilme auch tatsächlich. Ob "Triell" prämiert wird und damit überhaupt eine Chance bekommt, dem normalen Kinobesucher zu begegnen, ist noch offen, denn der Film hatte erst letzte Woche Premiere. Zu der war der pro Kino über 800 Plätze bietende Münchner Mathäser-Filmpalast jedoch gut gefüllt.
Natürlich bietet die moderne Digitaltechnik für die Filmschaffenden nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile: Von der Leinwand abgefilmte Raubkopien kursieren mitunter schon vor dem Filmstart im Internet. Das betrifft jedoch die Blockbuster. Für Independent- und Filmhochschul-Produktionen ist das Web dagegen eine große Chance: Hatten bisher praktisch nur die Kommilitonen und Freunde der Filmer eine Chance, den Film zu sehen nur einmal kamen mehrere Abschlussfilme der Münchner Filmhochschule gemeinsam ins Kino und wurden zum Geheimtipp des Sommer , so kann er nun, so sich ein Sponsor für den zu erwartenden hohen Traffic findet, auch als DIVX-Version zum Download im Web angeboten werden. Das Betrachten auf dem PC ist dann zwar nervig, wenn mehr als ein Zuschauer anwesend ist, doch passt so ein üblicher 90 Minuten langer Spielfilm auf eine CD und kann mit DSL auch in annehmbarer Zeit heruntergeladen werden.
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| Zur Meditation braucht es die richtige Umgebung (Bild |
Die Filme sind dabei wesentlich unkonventioneller als die für den Massengeschmack gedrehten Hollywoodstreifen. So beispielsweise die an der Technischen Universität Ilmenau entstandene Krimikomödie "Paul der Fisch" mit leichten Anleihen an die trotteligen Kommisare von "Kottan ermittelt", doch auch Seitenhieben auf das vermeintlich faule Stundentenleben, zu der es neben des knapp eine Stunde langen Hauptfilms auch eine halbstündige "Making of-Dokumentation und den DIVX-Codec zum Download gibt oder "CH7", eine leider nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernte Satire auf das in diesem Fall schweizer Fernsehgeschäft, die nicht nur im Kino, sondern auch als DVD und eben zum freien Download angeboten wird. Allerdings muss man bei der Gratisversion Schwyzerdytsch verstehen Untertitel in Deutsch wird erst die DVD bieten.
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| Die drei Studenten |
- Re: Aufloesung (6.6.2004 15:20)
- Auflösung Film ... (6.6.2004 9:52)
- The good, the bad and the ugly (5.6.2004 12:40)
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