Atlantis auf Satellitenbildern entdeckt?

Ist Atlantis im Schlamm vor Gibraltar, Zypern, im Bermudadreieck oder gar vor Helgoland versunken?

Die sagenumwobene Insel ist ein Rätsel, das nicht nur Archäologen fasziniert. Sie ist ein Mythos, aber es könnte einen realen Hintergrund der beschriebenen Utopie geben, eine Stück Land, das im Meer versank. Viel ist spekuliert worden, wo die sagenumwobenen Ruinen am besten zu suchen sei. Jetzt treten zwei Deutsche mit der These an, Atlantis liege in Südspanien und gar nicht irgendwo im Meer. Sie beziehen sich auf Satellitenbilder. Andere Forscher sind schon unterwegs nach Zypern.

Sagenumwobene alte Städte haben die Entdeckerlust auch in der Vergangenheit geweckt, und es zeigte sich, dass die von antiken Schriftstellern beschriebenen Orte wie Mykene oder Troja) tatsächlich existierten. Archäologen versuchen, die biblischen Stätten aufzuspüren und auszugraben (Steht alles in der Bibel). Mit Satellitenbildern in Händen ist sogar eine Expedition auf dem Weg zum Berg Ararat, wo sie die Überreste der Arche Noah vermuten (Satellitenfoto löst neue Suchaktion nach der Arche Noah aus).

Legende und Vermutungen

Alles beginnt mit dem griechischen Philosophen Platon (427-347 v. Chr.), der in seinen nie vollendeten Dialogen zwischen Timaios und Kritias von diesem utopischen Inselreich berichtet. Allerdings schreibt Platon: "Ich will eine alte Sage berichten, die ich aus dem Munde eines eben nicht jungen Mannes vernahm; denn Kritias war damals, wie er sagte, fast an die Neunzig heran, und ich stand etwa im zehnten Jahre", was schon sehr nach "Es war einmal..." klingt. Selbst Aristoteles vermutete, dass sich sein Lehrer diese Geschichte als politisches Lehrstück ausgedacht hatte. Aber das hindert die Menschen nicht daran zu rätseln und zu fantasieren.

Die beiden Tempelruinen, rechts Teil eines der umgebenden Kreise (Bild

Vier Millionen Treffer ergibt der Begriff "Atlantis" bei Eingabe in eine Suchmaschine im Internet. Selbst das Bayerische Umweltministerium kann sich der Faszination nicht entziehen (Der Mythos Atlantis). Manche sprechen von einem versunkenen Kontinent, es kursieren Vermutungen, dass Atlantis im Bermuda-Dreieck lag oder bei Helgoland; als heiße Kandidaten wurden auch immer wieder die kanarischen Inseln oder Thera bei Kreta gehandelt. Das sind natürlich nur einige Beispiele, tatsächlich gibt es auch Theorien über die Antarktis oder Hawaii.

Mare Nostrum

In der Antike war das Mittelmeer Dreh- und Angelpunkt des Seins. Entsprechend verortet Platon das sagenhafte Eiland in die Nähe der "Säulen des Herakles", wie damals die Straße von Gibraltar genannt wurde. In der Eiszeit war der Wasserspiegel im Mittelmeer wesentlich niedriger als heute, Atlantis könnte dort gelegen haben – allerdings wäre es wesentlich kleiner gewesen als in der platonischen Beschreibung (Atlantis lag vor Gibraltar). Es spricht einiges für Südspanien und speziell die Gegend in der Nähe von Cadiz. Die Argumentation, dass der Name der Mauren für diese Region "al Andaluz" leicht genuschelt wie Atlantis klingt (Die Lage von Atlantis), lassen wir jetzt mal außen vor.

Bereits im Jahr 2000 stellte der Archäologe und bekennende "Atlantologe" Georgeos Diaz-Montexano die These auf, es müsse zwischen Cadiz und Gibraltar gesucht werden. Allerdings ist er als Wissenschaftler umstritten und empfindet sich einer Verschwörung zur Unterdrückung seiner Theorien ausgesetzt (Atlantis in Gibraltar). Er hat inzwischen eine spanische Website zur Verbreitung seiner Theorie angelegt (La Atlantida descubierta).

Sumpf

Aber es muss ja nicht unbedingt das Meer sein, wo Atlantis zu suchen ist. In der Juni-Ausgabe der Archäologie Zeitschrift Antiquity veröffentlicht der Physiker Rainer W. Kühne seine These, dass die Ruinen der sagenhaften Hochkultur in einem Salzwassersumpf namens Marisma de Hinojos bei Cadiz stehen. In diesem Küstengebiet fließt der Fluss Guadalquivir ins Meer.

Rainer Kühne beschäftigt sich schon länger mit Atlantis und stieß im Zuge seiner Recherchen auf den Berufsschullehrer und Hobbyarchäologen Werner Wickboldt, der seinerseits die Satellitenbilder des Guadalquivir-Deltas entdeckt hat und überzeugt ist, dass darauf die Überreste von Atlantis zu sehen sind, wie er bei Vorträgen verkündet (Forscher meldet). Die beiden sind sich sicher, dass auf einem der Fernerkundungsfotos zwei rechteckige Strukturen zu erkennen sind, die in ihren Ausmaßen genau den von Platon beschriebenen Tempeln in Atlantis entsprechen, zudem sind sie von konzentrischen Kreisen umgeben, was ebenfalls der antiken Schilderung gemäß ist.

"Platon schrieb über eine Insel mit einem Durchmesser von fünf Stadien (925 m), die von runden Strukturen – konzentrischen Ringen – umgeben war, einige aus Erde, andere aus Wasser. Wir sehen auf den Fotos konzentrische Ringe, wie Platon sie beschreiben hat", erklärte Rainer Kühne gegenüber der BBC (Satellite images "show Atlantis"). Sie sind allerdings 20 Prozent größer, aber das könnte an Abweichungen des antiken Flächenmaßes liegen.

Eine ringförmige Struktur wie Platon sie beschrieb, ist auf den Satellitenbildern der Sumpflandschaft in der Nähe der südspanischen Stadt Cadiz zu erkennen (Bild

Insgesamt gibt es noch mehr Übereinstimmungen, denn das umgebende Gebiet ist wie Atlantis eine rechteckige, glatte und gleichmäßige Ebene, die an einer Südküste liegt. Der Begriff Insel war vielleicht ein Übersetzungsfehler und eigentlich müsste es Küste heißen, meint Kühne. Der potenzielle "silberne" Tempel des Poseidon liegt bei den Koordinaten 36°57'25'' ± 6'' N und 6°22'58'' ± 8'' W.

Gewissheit könnte nur archäologische Feldarbeit bringen. Aber eine Grabungserlaubnis zu bekommen, wird in dem Gebiet zwischen Huelva, Sevilla und Cadiz praktisch unmöglich sein, da die potenziellen Tempel von Atlantis mitten im Donana-Naturschutzgebiet stehen. Die neue Theorie schließt aber an eine alte von ungefähr 1920 an, nach der Atlantis möglicherweise mit der südspanischen Tartessos-Kultur identisch sein könnte (Spanien und Tartessos und Das Reich von Tartessos).

Insel der Götter

Andere machen sich derweilen unverdrossen auf die Suche an anderen Teil der Welt. Der unabhängige Forscher und Buchautor Robert Sarmast startete Ende April eine Expedition ins Mittelmeer (Discovery of Atlantis). Er ist der Meinung, dass Zypern sozusagen die Spitze des Eisbergs von Atlantis ist, der Rest der Insel sei untergegangen und es müsse am Meeresboden gesucht werden.

Robert Sarmasts Atlantis östlich von Zypern

Auch er verweist auf jede Menge Übereinstimmungen mit dem Text Platons und will jetzt vor der Küste Syriens den Beweis für seine These erbringen. Seine Forschungsreise startete er mit großem Medienrummel, was zumindest für die Verkaufszahlen seines Buches sicher einiges bringen wird. Ob er mehr als Seeanemonen findet, bleibt abzuwarten. Wie schreibt doch Platon:

"Dadurch [durch gewaltige Erdbeben, Überschwemmungen und das anschließende Versinken der Insel] ist auch das dortige Meer unbefahrbar und undurchforschbar geworden, weil der in geringer Tiefe befindliche Schlamm, den die untergehende Insel zurückließ, hinderlich wurde."

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