Willkommen im Büro von Donald Rumsfeld

14.06.2004

Wer änderte am 1. Juni 2001 die Direktiven zum Abfangen entführter Flugzeuge? - Wargames Teil II

Dass für die Geostrategen des Bushlagers eine Katastrophe wie die des 11.9. für ein "neues amerikanisches Jahrhundert" wünschenswert war, um als "neues Pearl Harbor" den Prätext für die geplanten Eroberungskriege zu liefern, ist kein großes Geheimnis mehr - selbst die Mainstream-Medien haben die Papiere des "Project for a New American Century" leicht stirnrunzelnd und mit kritischen Kommentaren zur Kenntnis gebracht. Allerdings: Wenn einer ein Verbrechen schamlos ausbeutet, heißt das ja noch lange nicht, dass er es auch begangen hat. Wie aber, wenn wir ihn auch noch bei Vorbereitungen ertappen, die die Durchführung des Verbrechens erst ermöglichen? Willkommen im Büro von Donald Rumsfeld.

Auch wenn die am Morgen des 11.9. ablaufenden "Wargames", bei denen unter anderem die Simulation eines entführten Linienflugzeugs auf dem Programm standen, vor allem die Frage der Koordination noch nicht völlig geklärt ist, so liefern sie wohl den ersten plausiblen Hintergrund dafür, warum keine Abfangjäger bei den vom Kurs abweichenden Maschinen eintrafen. Dass diese Manöver für allgemeine Verwirrung bei den Controllern der zivilen und militärischen Luftraumüberwachung sorgten, diese Entschuldigung taugt als mögliche Verteidigungslinie für den verantwortlichen Minister wenig (Die Wargames des 11. September - Teil I).

Schon gar nicht für Rumsfeld, der nach den Anschlägen in New York in seinem Büro solange Plauderstündchen über den Militärhaushalt abhielt, bis es auch im Pentagon hörbar gerumst hatte. Dies dank einer Direktive, die unter seiner Ägide erstellt und am 1. Juni 2001 erlassen worden war - und die ausgerechnet und exakt jene Prozeduren der Luftfahrtüberwachung betrifft, die am 11. 9. 2001 aus bisher unerklärlichen Grund versagten. Mit der CHAIRMAN OF THE JOINT CHIEFS OF STAFF INSTRUCTION, J-3 CJCSI 3610.01A wurde die bis dahin geltende Standardprozedur zum Umgang mit entführten Flugzeugen in einem entscheidenden Punkt geändert. Die zuvor (von NORAD und FAA) automatisch in Kraft setzbare militärische Assistenz durch Abfangjäger bedurfte seit dem 1. Juni 2001 einer Entscheidung ("approval") durch den Verteidigungsminister, d.h. ohne Rumsfelds ausdrückliche Genehmigung konnten auch am 11. 9. keine Jäger aufsteigen. Da er aber nach eigener Aussage "no idea" hatte, dass ein Flugkörper in Richtung seines Ministeriums unterwegs war, konnte er derlei "approval" nicht erteilen.

Mit welchen Taschenspielertricks Cheney, Rumsfeld und der Joint Chief of Staff Mayers um die ersten Journalisten-Frage zum Standdown herumschifften, hatte Jahed Israel schon im November 2001 dokumentiert. "Investigativ"-Hofschreiber Bob Woodward hatte statt der entscheidenden Fragen nach den Abfangjägern dazu nur eine kafkaeske Cheney-Szene aus dem Führerbunker geliefert. Dass am Morgen des 11. 9. ein Militärmanöver mit Hijack-Simulationen stattfand - und dass die automatische Standardprozedur für "AIRCRAFT PIRACY (HIJACKING) AND DESTRUCTION OF DERELICT AIRBORNE OBJECTS" drei Monate zuvor außer Kraft gesetzt und von einer Ministergenehmigung abhängig gemacht worden war - diese für die Beurteilung des Ausbleibens jeglicher Luftabwehr am 11.9. ganz entscheidenden Fakten wurden bisher weder von den großen Medien noch von der offiziellen Untersuchungskommission berücksichtigt. NIcht bekannt ist, dass der Ko-Konspirator Donald Rumsfeld dazu einer dezidierten Befragung unterzogen worden wäre. Ex-Anti-Terrorzar Richard Clarke, der letzte Woche die deutsche Ausgabe seines Bush-kritischen Bestsellers "Against all Enemies" vorstellte - in dem er das wargame "Vigilant Warrior" eher beiläufig erwähnt -, gab einem Zwischenrufer, der danach fragte, keine Antwort. "Zuschauerbeteiligung ist nicht vorgesehen", bemerkte die taz dazu...

Umso wichtiger sind da Veranstaltungen wie die Cititizens Inquiry into 9/11 in Toronto Ende Mai, auch wenn die Zuschauerbeteiligung in der großen Convecation Hall der Universität dürftig blieb. Nicht weil Fragen verboten gewesen wären - im Gegenteil -, sondern wegen der hohen Eintrittspreise und weil sich die Konferenz in einem Marathon über 5 Tage hinzog, blieben viele Interessierte außen vor. Das wahrhaft komplexe und leicht ausufernde Thema 9/11 bei der für September geplanten Fortsetzung in New York auf ausgewählte Untersuchungspunkte zu begrenzen - und für publikumsfreundliche Eintrittspreise zu sorgen -, ist den Organisatoren anzuraten. Und auch, auf dubiose Prominente zu verzichten, selbst wenn sie sich spendabel zeigen.

Schon auf dem Programm hatte ich mich gewundert, was der Beziehungsguru Dr. John Gray (Autor des Weltbestsellers "Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus") denn zur Aufklärung von 9/11 beizutragen hätte. Als er dann bei seinem Vortrag predigermäßig von "Vergebung" für die Terroristen und für George W. Bush sprach, verkniff ich mir den Zwischenruf "Ist ja okay, John, aber vorher müssen wir erst herausfinden WAS genau wir den Kerlen zu vergeben haben" und fragte meinen Sitznachbarn Don Paul - Autor ("9/11 - Facing our fascist state"), Musiker und Marathonläufer aus San Francisco - wer denn diesen Vogel eingeladen habe ? "Ich glaube, er hat der Inquiry Geld gespendet." Später erfuhr ich, dass es 15.000 $ an die New Yorker Gruppe gewesen sein sollen. Ehrenwert, und nett ist der Mann auch ... solange man nicht Google oder Nexis bemüht; denn dann stellt sich nicht nur schnell heraus, dass die akademischen Titel Grays ein Fake sind, sondern vor allem, dass die Aktienmehrheit seiner Firma "GenesisIntermedia Inc." (GENI), die Gray-Videos, Bücher & Produkte vertreibt, niemand anderem gehört als Adnan Kashoggi.

Wie "Businessweek" ausführlich berichtete, ist der saudi-arabische Milliardär, Playboy und notorische Waffenschieber der CIA - zusammen mit der Deutschen Bank - derzeit von einem Gericht in Minnesota wegen eines millionenschweren Schwindels mit GENI-Aktien angeklagt. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass auch mit dem Aktienpaket von John Gray betrügerischer Handel getrieben wurde. Als Michel Chossudovsky (Ökonomie-Professor, Autor von "Global Brutal") die Veranstalter im Vorfeld über diese Hintergründe informierte und forderte, Gray wieder auszuladen, wurde er gebeten, keine "bad vibrations" zu verbreiten und die Sache nicht publik zu machen.

Wie ich finde, genau der falsche Weg, die Unabhängigkeit und Integrität der 9/11-Forschung zu bewahren - zumal uns dieses kleine Beispiel von Unterwanderung mitten in die Hintergründe der Verschwörung des 11.9. hineinführt, wie ein Posting auf einer Investorenwebseite schon im Januar 2003 feststellte, als der Aktienschwindel Kashoggis aufflog. Der Anwalt und Aufsichtsrat von GENI - Michael Roy Fugler -, der die Firma 1999 auch an die Börse gebracht hatte, war auch der Anwalt und Geschäftspartner von Barry Seal, des Chefpiloten jener Waffen- und Drogengeschäfte des Weißen Hauses, die unter dem "Iran-Contra-Skandal" in die Geschichte einging. Wie der 1986 ermordete Seal mit dem Stichwort "erfolgreichster Drogenschmuggler aller Zeiten" spielte die Hauptrolle auf der Waffenschieberseite seinerzeit Adnan Kashoggi. Gegen die Aussagen des Barry Seal-Biographen Daniel Hopsicker (Barry and the Boys, 2001), Fugler sei in die Drogengeschäfte und Mafiaverbindungen Seals involviert gewesen, hat der "ehrenwerte Anwalt" gerade Klage eingereicht.

Ich hatte bei der Konferenz in einem Vortrag darauf hingewiesen, dass es nicht allein die legalen Geschäftsverbindung des Bush-Regimes mit den "Saudis" sein können, die für die Vertuschung und Nichtermittlung des 11.9. sorgen. Ginge es nur um Öl und die saudischen Investments in die scheiternden Unternehmungen des jungen George W., wäre dies längst parteipolitisch ausgeschlachtet worden. Mit Michael Moores neuem Film wird diese "Bush/Bin Laden-Connection", über die in dieser Serie erstmals am 14.9.2001 berichtet wurde (Usama Ibn Ladin), nun zwar endlich öffentlichkeitswirksam - doch ob dies mehr erreicht als nur eine "kritische" Ergänzung der offiziellen Legende, bleibt abzuwarten.

Die illegalen Geschäftsverbindungen - Drogen, Waffen, Geldwäsche -, aus denen wie bei "Iran-Contra" beide Parteien, Republikaner und Demokraten, geschmiert werden, werden wohl auch von Moore nicht thematisiert. Obwohl nur sie einen plausiblen Grund liefern, warum der 11.9. und die Identität der Hijacker nicht gründlicher ermittelt werden. Dies würde nämlich eine Geschäftskette offenbaren, deren eines Ende in Afghanistan/Pakistan stationiert ist und Rohstoff und Produktion kontrolliert, während das andere in Florida/USA für die Distribution zuständig ist. In dieselbe Richtung - Drogen, Geldwäsche - deutet auch einer der whistleblower des 11.9., die ehemalige FBI-Übersetzerin Sibel Edmonds, der vom Justizministerium ein Maulkorb verpasst wurde:

Wenn sie das wirklich untersuchen würden, hätte es staatswanwaltliche Ermittlungen auf höchster Ebene in diesem Land zur Folge. Das ist etwas, das sie nicht herauslassen werden. Und glauben Sie mir, sie werden alles tun, um es zu vertuschen.

Und wenn es sich nicht mehr vertuschen lässt, könnte womöglich der nächste große Anschlag folgen, zumindest wenn wir Webster Tarpley (Ko-Autor der Unautorisierten Bush-Biographie) und seinem Referat Rogue Bush Backers prepare Super 9/11 False Flag Terror Attacks folgen, in dem er die psychologische Operation hinter den allfälligen Terrorwarnungen der letzten Wochen untersuchte - und die Prognose abgab, dass wir alsbald mit einem atomaren, biologischen oder chemischen Anschlag zu rechnen hätten.

Nach seinem Vortrag gab Webster Tarpley mir eine Kopie mit der Bitte, sie an einen deutschen Abgeordneten weiterzureichen, um dazu eine kleine Anfrage im Bundestag zu stellen. Da "mein Abgeordneter" zufällig der Grüne Christian Ströbele (Kreuzberg-Kleinbonum) ist - und wir uns seit 25 Jahren kennen -, werde ich der Bitte natürlich nachkommen und ihm den Vortrag zusammen mit diesem Artikel schicken. Dass Ströbele es zu einer Anfrage bringt, glaube ich allerdings nicht. Als wir uns unlängst auf einer Party kurz begegneten, meinte er:

Mathias, du liegst falsch, wenn du glaubst, die Amis wären selbst in die Anschläge verwickelt. So kann das nicht gelaufen sein.

Mag sein. Wenn es aber so nicht gelaufen ist, müsste die Frage geklärt werden, wie Osama und die tollkühnen Islamisten in ihren fliegenden Kiste es erreichten, dass Rumsfeld die Direktiven zum Abfangen entführter Flugzeuge änderte - und wie sie davon erfuhren, dass am 11.9. dank der Wargames mit Hijacking-Simulationen das ideale Trittbrett bereitstand, die echten Anschläge auszuführen. Fällt jemandem dazu mehr ein als eine mega-zufällige Oberverkettung superunglücklicher Katastrophenumstände? Um sachdienliche Hinweise wird gebeten....

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