Implantat zur Gehirnstimulation
Erfolg für Neurotechnologie: In den USA wird vermutlich der schon vielfach zur Bekämpfung von Epilepsie implantierte Vagus-Nerv-Stimulator zur Behandlung von Depressionen zugelassen - trotz ungewisser Erfolgsaussichten
Neuroprothesen sind ein interessantes Thema für die Forschung. Eine ganze Reihe von Gehirnimplantaten befinden sich in Entwicklung. Manche wie die Cochlea-Implantate werden schon seit Jahren zahlreichen Patienten eingepflanzt, die nicht mehr hören können. Auch Implantate für Erblindete oder Gelähmte werden schon lange entwickelt. Einen erneuten Durchbruch für die Neuroprothetik könnte nun ein ebenfalls schon lange verwendetes Vagus-Nerv-Implantat erzielen, das bislang vornehmlich gegen Epilepsie eingesetzt wurde, aber jetzt von einem unabhängigen Expertengremium der Food and Drug Administration (FDA) , die in den USA für die Genehmigung von Medikamenten und Medizintechniken verantwortlich ist, auch als Mittel zur Linderung schwerer Depressionen empfohlen wurde. Damit wird vermutlich erstmals eine Neuroprothese in den USA zur Behandlung von psychischen Krankheiten zugelassen.
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| Spiralelektrode. Bild |
Neuroprothetik geht prinzipiell in zwei Richtungen. Einmal können Signale aus dem Gehirn abgenommen werden, um so beispielsweise Maschinen wie Computer oder Prothesen zu steuern. Auf der anderen Seite können Signale etwa von Sensoren wie Kameras oder Mikrofonen nach entsprechender Bearbeitung in die entsprechenden neuronalen Bereiche eingespeist werden, um so visuelle oder auditive Wahrnehmung wieder zu ermöglichen. Hirnareale lassen sich aber auch durch Mikroelektroden stimulieren, so dass bestimmte Aktivitäten ausgelöst bzw. unterdrückt werden.
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Der Vagus-Nerv-Stimulator (VNS) ist solch ein eigentlich primitives Implantat, das die US-Firma Cyberonics seit Ende der 80er Jahre herstellt und das bereits fast 30.000 Menschen weltweit eingepflanzt wurde, die vornehmlich unter Epilepsie leiden. Der Pulsgeber wird subkutan eingepflanzt und mit Spiralelektroden, die um den Nerv angebracht werden, verbunden. Das Implantat stimuliert in bestimmten Abständen durch Aussendung eines schwachen Stroms ähnlich einem Herzschrittmacher den linken Vagus-Nerv, der sich seitlich im Hals befindet. Dieser Nerv leitet dann die Stimulation in das Gehirn weiter und kann mitunter ansonsten nicht behandelbare epileptische Anfälle erleichtern oder verhindern. Auch andere psychische Folgen wurden beobachtet, wobei die Wirkungsweise wohl noch ähnlich unklar ist wie andere Anwendungen, auch wenn der VNS kein Gewebe wie beim Elektroschock zerstört. Neben der Depression soll der VNS auch bei anderen psychischen Störungen wie Ängsten, Erinnerungsstörungen etc. oder auch bei chronischen Schmerzen helfen können. Zudem sollen sich die Implantate auch allgemein auf Stimmung oder Aufmerksamkeit positiv auswirken.
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In der EU wurde der VNS für therapieresistente "affektive Störungen" bereits 2001 zugelassen. In Versuchen mit Patienten gab es positive Erfolge, obgleich die Studien und der Erfolg vom Expertengremium durchaus skeptisch gesehen wurden. In einer Studie zeigten zwar die mit aktiven VNS-Implantaten Behandelten geringfügig bessere Resultate als die Patienten, denen zwar ein VNS implantiert worden war, das aber keine Impulse abgab. Die Unterschiede (15 vs. 10 Prozent) waren aber statistisch nicht signifikant. In einer anderen Studie, in der depressive Patienten, die einer VNS-Therapie unterzogen wurden, mit anderen Patienten verglichen wurden, die medikamentös oder mit Elektroschocks behandelt wurden, gab es bei den Implantaten deutlich höhere Erfolge. Für die Meisten aber helfen auch die Implantate nichts.
Man war wohl auch der Meinung, dass die Behandlung mit dem "Gehirnschrittmacher", auch wenn man dessen Wirkung nicht wirklich versteht, angesichts fehlender alternativer Behandlungsmethoden und bei Epilepsie-Patienten bereits bewiesener Sicherheit akzeptabel sei. Mit 5 gegen 2 Stimmen beschloss das Gremium, dass VNS zur Behandlung schwerer Depressionen bei Patienten über 18 Jahren, bei denen mehrere Therapien mit Antidepressive ergebnislos geblieben sind, zu empfehlen. Die Empfehlungen werden normalerweise von der Behörde übernommen.
Für die unlängst schwächelnde Firma ist die Empfehlung für das Gehirnstimulations-Implantat erst einmal ein wirtschaftlicher Befreiungsschlag. Die Aktien stiegen gleich einmal um über 60 Prozent an. Tatsächlich würden die an Depression Erkrankten einen gewaltigen Markt ergeben - und diese Menschen wären dann auch eine Art Cyborg-Versuchskaninchen, bei denen sich möglicherweise erst langfristig weitere Folgen der permanenten Gehirnstimulation zeigen würden. Möglicherweise
Allein in den USA gibt es um die 20 Millionen Menschen mit Depressionen, 9,5 Millionen werden jährlich behandelt. Zwischen 15 und 25 Prozent würden auf keine Therapie reagieren. Und die Implantation eines VNS wäre, trotz der erst einmal hohen Kosten von um die 16.000 US-Dollar, langfristig billiger als medikamentöse Therapien mit Krankenhausaufenthalten oder lange Psychotherapien. Überdies begehen Menschen, die an schwerer Depression leiden, sehr viel häufiger als andere Selbstmord. Die jährlichen Behandlungskosten für Depression liegen in den USA in der Höhe von 30 Milliarden Dollar, davon 14 Milliarden alleine für Medikamente.
http://www.heise.de/tp/artikel/17/17679/1.html- aber er wird nicht befreit, sondern diese werden kurzfristig verdeckt! n.t. (18.6.2004 23:20)
- zu einfache darstellung... (18.6.2004 23:04)
- verweise (18.6.2004 19:25)
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