Der Angriff der roten Killerdosen

Wolf-Dieter Roth 05.07.2004

Coca-Cola gefährdet die Sicherheit des US-Militärs

Ausgerechnet der Inbegriff des amerikanischen Lifestyle setzt verantwortungslos die nationale Sicherheit der USA aufs Spiel

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Cola-Trinker haben es schwer: Während Biertrinker mit jeder Flasche ein Stück Regenwald retten können, sofern sie diese nicht gerade frisch oder gebraucht dem Gummibaum im Büro in den Topf schütten, ist das Image von Coca-Cola schwer angekratzt, teils wegen massiver Umweltsauereien (Unthinkable, Undrinkable), teils auch einfach, weil Produkt und Unternehmen als uramerikanisch und damit untrinkbar gelten (Der Boykott findet in den Köpfen statt).

Doch nun hat sich das Unternehmen im eigenen Land unbeliebt gemacht mit einer High-Tech-Marketing-Kampagne! Für diese hat der Brausehersteller nämlich völlig harmlos aussehende Coladosen "verwanzt": Statt des süßen Safts enthalten sie nämlich ein GPS-Peilsystem und ein Mobiltelefon. Das ist selbst für Amerikaner, die schon zuviel Cola und Burger genossen haben, ohne Probleme bedienbar es hat nur einen großen roten Knopf, der nach dem Drücken zur sofortigen Detonation -, nein, Verbindungsaufnahme mit der Coca-Cola-Verlosungszentrale führt. Die peilt dann mit dem GPS den glücklichen Gewinner an, um ihm entweder einen spritschluckenden SUV, ein Heimkinocenter oder etwas Geld vorbeizubringen.

Die Telefonzelle in der Coladose Bei Anruf Rülps! (Bild

Nun gibt es schon seit Jahren in Coladosen oder Pepsiflaschen versteckte Radios oder Coladosen, die unmotiviert zu abscheulichen Weihnachtsgesängen zucken. Doch sobald ein Sender in etwas eingebaut ist, das nicht wie ein Sender aussieht, denkt der gute Amerikaner an die Zeit des kalten Kriegs mit Mikrofonen und Sendern in Bilderrahmen oder Cocktailoliven. Oh-oh, Big Coke is watching you!

Also haben Militärbasen wie das berühmte Fort Knox ihre Soldaten angewiesen, ihre Coladosen ganz genau anzusehen, bevor sie sie in der Geheimhaltung unterliegende Konferenzen mitbringen: Es könnte ja sein, dass sonst jemand durch Drücken des roten Knopfes Militärgeheimnisse dem Coca-Cola-Callcenter mitteilt und gar noch fünf Minuten später der gewonnene SUV dank GPS-Ortung schwungvoll durch die Wand der Militärbaracke bricht und den Konferenztisch umwirft. Ja, Coca-Cola könnte so gar der genaue Standort von Fort Knox bekannt werden.

Noch besser, um aber auch jedes Sicherheitsrisiko auszuschließen: Die Soldaten sollen gefälligst auf Pepsi umsteigen oder Bier. Und Coca-Cola nur noch zuhause auf dem Klo trinken. Sicherheit hat halt ihren Preis.

http://www.heise.de/tp/artikel/17/17799/1.html
Kommentare lesen (39 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Der schöne Schein

Firewall mit Windows

bilder

seen.by


TELEPOLIS