Michael Moore: "Raubkopieren ist erlaubt, solange niemand daran verdient"

05.07.2004

Sein neuer Film "Fahrenheit 9/11" darf auch als Bit-Torrent-Kopie im Netz getauscht werden

Die Gegner von Michael Moore hofften schon auf einen spektakulären Prozess, doch der Dicke hält Wort: Solange es kostenlos geschieht, gilt für ihn: P2P und Brenner frei!

Michael Moore hat sich schon auf seiner Europatournee letztes Jahr deutlich geäußert: Er schreibe seine Bücher und drehe seine Filme nicht, um reich zu werden, sondern um Missstände aufzuzeigen und nun konkret Präsident Bush aus dem Weißen Haus zu befördern, wozu er auch das mit den Büchern und Filmen verdiente Geld größtenteils verwenden wolle. Deshalb sagte er schon damals, und zwar ganz konkret im Zusammenhang mit dem neuen Film "Fahrenheit 9/11", über Leute, die Bücher, Audiofiles und Filme von ihm im Netz tauschen:

"Solange sie dafür kein Geld verlangen, also sich mit meiner Arbeit bereichern, sondern nur meine Gedanken weiter verbreiten, wozu ich die Filme und Bücher ja gemacht habe, ist das für mich völlig okay. Ich bin mit den jetzigen Copyright-Gesetzen nicht einverstanden!"

Dies erleichterte auch die Berichterstattung von der Tour und führte zur europaweiten intensiven Ausstrahlung von Teilen der Tour in Radio und Fernsehen. Doch wurde natürlich öfters daran gezweifelt, ob Moore sich im copyrighttechnischen Ernstfall noch an diese Worte erinnern würde.

Michael Moore ergeht es ähnlich wie Howard Stern, der einmal sagte, dass seine Feinde seine Sendungen weit länger hören würden als seine Fans und so stellte ihn prompt auch einer seiner erklärten Gegner auf die Probe: Jim Kenefick, der die Anti-Moore-Website Moorewatch betreibt, lässt dort einerseits jedes Ansinnen von Kinobesitzern, "Fahrenheit 9/11" zu boykottieren, in den höchsten Tönen loben, liefert aber andererseits den Downloadlink zu einer von der Leinwand abgefilmten Bit-Torrent-Kopie des Streifens.

Michael Moore im November 2003 auf Europatour in Augsburg (Bild

Inkonsequent? Nein, er will Michael Moore das Geschäft mit dem momentan an der Kinokasse erfolgreichsten US-Dokumentarfilm versauen, der am ersten Wochenende nach dem US-Start bereits 21,8 Millionen Dollar einspielte – ein absoluter Rekord für einen Dokumentarfilm – und auch den möglichen DVD-Verkauf, der kurz vor der Wahl anstehen dürfte. Und so die Allianz gegen Bush finanziell schwächen.

Der Filmverleih Lions Gate Entertainment wurde auch bereits mehrfach gehackt und mit einem Downloadlink zur Bit-Torrent-Kopie verziert. Momentan ist vom Hack lediglich noch etwas bei der Filmbeschreibung übrig geblieben: "Handlung: Michael Moore ist fett LOL". Tom Ortenberg, Chef von Lions Gate Entertainment, war deshalb zeitweise doch etwas entnervt und die Moore-Gegner hofften bereits auf einen publicityträchtigen Prozess.

Tja, Pech gehabt, Michael Moore steht tatsächlich zu seinen Worten und bekräftigte dies nun noch einmal ausdrücklich in einem Interview mit dem schottischen Sunday Herald:

"I don’t agree with the copyright laws and I don’t have a problem with people downloading the movie and sharing it with people as long as they’re not trying to make a profit off my labour. I do well enough already and I made this film because I want the world, to change. The more people who see it, the better, so I’m happy this is happening. Is it wrong for someone who’s bought a film on DVD to let a friend watch it for free? Of course it’s not. It never has been and never will be. I think information, art and ideas should be shared."

Klar, dass auch dieses Interview bereits im Netz kursiert und die Filmindustrie tobt, weil die Freizügigkeit des Politclowns ihre Argumentation unterminiert. Momentan kann sie aber wenig machen. Allerdings kann sich dies mit dem Erscheinen der DVD ändern: Das Produktionsstudio Miramax gehört zum Disney-Konzern, der prompt Anfang Mai den Film stoppen wollte und dessen Konzerntochter Buena Vista Home Entertainment nun vermutlich die DVD-Rechte an Fahrenheit 9/11 erhalten wird. Disney ist als einer der schärfsten Copyright-Verfechter bekannt (Filmrechte: Ein Millionenspiel), begründet durch Walt Disney, der einst bei Warner Brothers feststellen musste, nicht einmal die Rechte an seinen eigenen Cartoons zu besitzen und deshalb sein eigenes Studio gründete. Wer im Herbst noch die abgefilmte Kopie tauscht – oder gar einen qualitativ besseren DVD-Rip – könnte also doch Ärger bekommen. Wenn auch nicht von Michael.

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