Lifestyle-Phänomene an der Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne

Ernst Corinth 07.07.2004

Antikapitalistische Texte, Folge 2

Hier kocht der Chef. Und heute empfiehlt er: Suppe á la Püppi. Dazu benötigen wir einen ausgewachsenen Suppenhund oder einen kleineren Halbfleischschlachthund. Weitere Zutaten sind etwas Lauch, Sellerie, Möhren, Petersilie und Bandnudeln. Doch zuvor muss natürlich erst einmal der Hund geschlachtet und zerteilt werden. Wie das geht, das sieht man hier. Wie er dann in die Suppe gerät, erfährt man dort auch. Und wem das Hausschlachten zu kompliziert oder zu blutig ist, der sollte lieber eine Hundemetzgerei wie diese hier aufsuchen.

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"Wir sagen

Ja, Hunde sind wirklich was Süßes und vor allem was Leckeres. Aber liebe Leser, bevor Ihnen jetzt das Wasser im Munde zusammenläuft, noch schnell eine Frage: Hätten Sie's gewusst, dass ein deutscher Briefträger in seinem Berufsleben mindestens 17 Mal gebissen wird? Und dass 98 Prozent der Drogenspürhunde kokainabhängig sind? Nun, vermutlich nicht. Aber bei solchen kniffligen Fragen hilft die Seite hundefeind.de weiter, auf die uns kürzlich ein Leser im TP-Forum aufmerksam machte. Und die Seite hält wirklich, was ihr Name verspricht. Sie richtet sich also gegen private Hundehaltung jeglicher Art und ruft dazu auf, sich nicht mehr von Hundehaltern unterdrücken zu lassen.

Ohne Zweifel ein hehres Ansinnen! Da wir aber leider nicht in China leben, wo man Hunde am liebsten süß-sauer mag (das ist übrigens eine kantonesische Delikatesse mit großer Heilwirkung vor allem bei so genannten Männer-Leiden!), sondern in Deutschland, dem Wunderland für bellende Vierbeiner, sind die Ziele der Hundefeinde trotz der angestrebten Gründung von Bürgerwehren wohl nur schwer umsetzbar. Dabei spricht einiges für ein radikales Hundeverbot, beispielsweise die von hundefeind.de aufgelisteten negativen Eigenschaften der Hundebesitzer und ihrer Haustiere.

Demnach stören Hunde durch ihr ständiges lautes Bellen die Tages- und Nachtruhe. Sie durchwühlen den Müll, verbreiten Ekto- und Endoparasiten auf den Menschen, speicheln die Möbel voll, jagen Jogger und Radfahrer. Und ein durchschnittlicher Hund uriniert fünf bis sechs Liter am Tag und zerstört damit Häuserfassaden und seltene Pflanzen. Und keiner tut was, bis auf die Bürgerinitiative hundefeind.de, die auch über ein schmuckes Gästebuch verfügt.

Dort stießen wir kürzlich auf die folgende kurze Auseinandersetzung: "Ich finde", schreibt stoiker, "die Forumbeiträge sollten sich endlich wieder auf das eigentliche Thema beziehen: leckere Hunderezepte! All das Gefühls-Gedrösel gehört doch nicht hierher! Also: etwas mehr Professionalität und Seriosität im Netz bitte!" Ein Beitrag, der den Mitdiskutanten sleazey sofort in einen Kampfhund verwandelte: "tolle seite. hoffentlich bringt irgendjemand den betreiber auch zum schlachter, zieht ihm die haut über die ohren und verkauft ihn. asoziales scheißpack. Ein tierleben ist mehr wert als euer ganzes minderwertiges leben zusammen. Statt ne seite zu betreiben, solltet ihr euch nen psychater suchen."

Bleibt zum Schluss die sommerliche Frage, ob man Hunde auch grillen kann. Das Grillen hat sich ja inzwischen als Lifestyle-Phänomen an der Schnittstelle zwischen Tradition und Moderne durchgesetzt, zumindest hat das Nina Degele, Professorin für Soziologie und Geschlechter-Forschung an der Universität Freiburg, irgendwie herausgefunden. Und einer der besten Experten für dieses Lifestyle-Phänomen ist zweifelsohne Hans-Joachim Fuchs, der - wenn es ums Schwein geht - Grillweltmeister 2002. Und seine Homepage schaut leider entsprechend schweinisch orientiert und dominiert aus.

Aber auch in der Satzung des Grillsportverein Suarius fanden wir zwar lustige Paragraphen wie: "Ziel des Vereins ist eine stetige Verbreitung des Grillsports und die maßlose Füllung der Mägen mit Fleisch und Alkohol." Oder: "Frauen werden für vom Vorstand beschlossenen Zwecken geduldet. Sie müssen jedoch einen Kostenbeitrag erstatten." Aber kein einziges Wort über Hundefleisch. Schon komisch, schließlich haben wir Deutsche ja unsere Hunde zum Fressen gern.

http://www.heise.de/tp/artikel/17/17828/1.html
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