Neue Propaganda-Offensive der islamistischen Terroristen

Florian Rötzer 19.07.2004

Sarkawis Gruppe bietet nach einem Anschlag auf den Justizminister ein Kopfgeld auf den irakischen Ministerpräsidenten Allawi an, das Enthauptungsvideo der US-Geisel Johnson wurd ins Netz gestellt

Gerade ist wieder ein Video im Internet aufgetaucht, auf dem zu sehen ist, wie Mitglieder von al-Qaida in Saudi-Arabien den Mitte Juni entführten US-Luftfahrtingenieur Paul Johnson nach Ablauf einer dreitägigen Frist geköpft haben. Zunächst sind nur einige Bilder zirkuliert. Offenbar wollen die Terroristen ihren "Erfolg" wieder in Erinnerung rufen und haben damit auch neue Aufmerksamkeit erreicht. El Mukrin, der Führer der Gruppe, sowie einige Mitglieder sind kurz nach Bekanntgabe der Ermordung im Juni von saudi-arabischen Sicherheitskräften erschossen wurden. Die Bilder der Toten mit ihren Schusswunden wurden ebenfalls, wie dies bereits das US-Militär mit den getöteten Hussein-Söhnen gemacht hat, zur Abschreckung den Medien zur Veröffentlichung überlassen. Das Theater der Grausamkeit dreht sich weiter (Terror.net: "Online-Terrorismus" und die Medien).

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Johnson war Angestellter von Lockheed Martin, das Unternehmen, das Apache-Hubschrauber herstellt, die auch im Irak eingesetzt werden. Das Video zeigt solche Hubschrauber und konfrontiert diese mit Bildern von zerstörten Häusern und verletzten und getöteten Menschen. Johnson war in Saudi-Arabien zuständig für die Ausbildung von Saudis . Nach dieser "Rechtfertigung" wird vorgeführt, wie auf brutale Weise Johnson, der auch orange gekleidet war, der Kopf abgeschnitten wird, der am Schluss triumphierend zur Kamera gehalten und dann auf den Rücken des Leichnams abgelegt wird.

Mit erneuter Genehmigung von Allawi, dem vom ehemaligen Regierungsrat und der US-Regierung eingesetzten Ministerpräsidenten der irakischen Übergangsregierung, hat das US-Militär wieder ein Haus in Falludscha bombardiert. Die Stadt scheint fest in der Hand von islamistischen Aufständischen zu sein, nachdem das US-Militär sich aus dieser zurück gezogen hatte (Nach den Amerikanern kommen die Islamisten). Während das US-Militär versichert, es habe Stellungen von Terroristen in einer "Präzisionsoperation" beschossen, die mit al-Sarkawi verbunden sind, erklärte ein Mitglied der vom US-Militär aufgestellten, aber dieser wohl entglittenen Falludscha-Brigade, dass es sich um eine Stellung einer lokalen Miliz gehandelt habe. Araber oder andere Ausländer wären nicht bei ihnen gewesen. Al-Dschasira berichtet, unter den bis zu 13 Toten wären auch Frauen und Kinder gewesen.

Auf den geheimnisvollen, inzwischen zum großen Bösewicht nach der Gefangennahme von Saddam Hussein aufgebauten al-Sarkawi (Der Z-Mann) hat die US-Regierung mittlerweile ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgelobt. Dass nun im Zuge der schon im Fall von bin Laden und dann Saddam Husein erfolgten Personalisierung des "Bösen" nun Sarkawi zum Bösewicht Nr. 1 wurde, ist von seiner Gruppe auch gut propagandistisch ausschlachtbar. Fällt der Name Sarkawi im Zusammenhang mit einer Tat oder einer Ankündigung, so kann die Verbreitung über die Medien als gesichert gelten. Sarkawi, der wiederum von irakischen Gruppen mit Tod durch Enthauptung bedroht wird, weil er der Sache des Widerstands schade und zudem Ausländer sei, vielleicht aber auch wegen einer Prominenz, hat angekündigt, den Ministerpräsidenten Allawi töten zu wollen, nachdem ein Anschlag misslungen war (Terrortheater). Zu einem Terroranschlag am Samstag auf den Konvoi des irakischen Justizministers Malek Dohan al-Hassan, der diesen aber überlebt hat, hatte sich die Gruppe Tawhid el Dschihad bekannt, die unter der Leitung von Sarkawi operieren soll.

Nun hat die Gruppe, die erst vor kurzem ein langes Best-of-Video mit einigen ihrer Anschläge und der Vorstellung einiger Selbstmordattentäter an die Time geschickt hatte, eine erneute Propaganda-Offensive in der psychologischen Kriegsführung eingeleitet. Für die Tötung von Allawi wird, wie es auf einer al-Qaida zugeordneten Website heißt, vom "militärischen Flügel" von Tawhid el Dschihad ein Kopfgeld von 200.000 jordanische Dinar (285.000 US-Dollar) angeboten. Sein Kopf werde von al-Sarkawi gefordert. Auch den anderen Mitgliedern der Regierung wird der Tod angedroht. Ob die Drohung tatsächlich von dieser Gruppe stammt, lässt sich so nicht bestätigen, da jeder auf diesen Websites Einträge machen könnte. Allawi, ein ehemaliges Mitglied der Baath-Partei und später CIA-Mitarbeiter, soll nach Aussagen von Informanten gefangene Aufständische eigenhändig erschossen haben (Geht die Willkürherrschaft weiter?).

http://www.heise.de/tp/artikel/17/17906/1.html
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