Journalisten beobachten Bild

Peter Nowak 27.07.2004

Ein BILDblog" will die "kleinen Merkwürdigkeiten und das große Schlimme" der Bild-Macher vor Augen führen

Fast muss man sich als hoffnungslos altmodisch vorkommen, wenn man in diesen Tagen seine Opposition zur allmächtigen Bildzeitung ausdrückt. Da ist der Blog, die der Berliner Journalist Christoph Schultheis gemeinsam mit Kollegen unterhält, um so bemerkenswerter. "Was heute in der Bild-Zeitung steht, steht morgen überall. Vielleicht sollte man sich also mal genauer anschauen, was sie schreibt", ist die Devise der journalistischen Bildbeobachter.

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Das geschieht denn auch auf www.bildblog.de seit Juni ausführlich. Da ist ein Nonsensinterview, das Bild mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin zu dessen 50. Geburtstag führte, ebenso vertreten wie die Bild-Enten in der Endlosstory um Torwart Oliver Kahn und seine Freundinnen, die mittlerweile sogar zu einer Entschuldigung bei Kahn wegen des Abdrucks falscher Fotos führte. Man sei Opfer von Betrügern geworden, klagte der Verlag.

Auch bei der Erfolgsschauspielerin Sibel Kekilli hatte Bild kein Glück. Sie gewann eine Klage gegen das Blatt. Die Bildzeitung hatte über ein Aktfoto eine "Denkblase" mit dem Inhalt: "Nie geraucht! Nie getrunken! Nur die paar Pornos.." montiert. Jetzt muss Bild in einer Gegendarstellung in gleicher Größe klarstellen, dass es sich hier um eine reine Bild-Erfindung gehandelt hat.

Vielleicht war da sogar Rache im Spiel, weil Kekilli Bild ein Interview verweigert und sich von dem Blatt erpresst fühlte. Ein ganzes Reihe solcher und ähnlicher Bild-Enten haben die Beobachter des Boulevardblattes schon gesammelt. Das Archiv wird noch wachsen.

Leider bleibt die politische Rolle der Bildzeitung auf der Internetseite bislang etwas unterbelichtet. Doch immerhin gibt es einen Link zum Altmeister der Bild-Kritik Günther Wallraff, der seinen Dauerkrieg mit der Springerpresse noch längst nicht beendet hat. Wallraff unterhält auch noch immer einen Rechtshilfefond für Opfer der Bildberichterstattung. Kahn und Kekilli brauchen ihn sicher nicht. Aber viele Namenlose, die weniger Möglichkeiten haben, sich gegen Bild-Enten zur Wehr zu setzen.

http://www.heise.de/tp/artikel/17/17967/1.html
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