Sieg-heil.de, DENIC und shoa.de

29.07.2004

Die zentrale Registrierungsstelle leitet nicht um, wie jugendschutz.net meldete, sondern gibt Domains an den Verein weiter

Der Gruß "Sieg Heil" ist verboten. Die gleichnamige Domain auch, es sei denn, sie steht in einem Ambiente, das der staatsbürgerlichen Aufklärung dient. In einer Pressemeldung von jugendschutz.net heißt es, die zentrale Registrierungsstelle DENIC sei gegen die "unzulässige Website" sieg-heil.de vorgegangen "und leitet Besucher inzwischen auf das Aufklärungsangebot von shoa.de um". An dieser Meldung ist vieles strittig. Das DENIC gibt offenbar bestimmte Domains an einen Verein weiter, dessen Reputation zumindest angezweifelt wird.

Die Domain "sieg-heil.de" gehörte der linken Schweriner Initiative "FuFa Network" (ffsn.de), die auch nazis-raus.de besitzt. FuFa steht für Fuck Fascism. Die Gruppe informiert online über Rechtsextremismus (Medienwächter aufgepasst). Aus Geldmangel hat man offenbar vor wenigen Wochen die Domain an den Meistbietenden verkauft. Für eine Stellungsnahme war niemand zu erreichen. Die DENIC hat die Domain dann nach einem Hinweis von jugendschutz.net gekündigt.

Laut Auskunft von Dr. Klaus Herzig, dem Pressesprecher der DENIC, habe die Rechtsabteilung die Website überprüft. Dort seien keine Inhalte zu finden gewesen, die es gerechtfertigt hätten, trotz des verbotenen Namens von "Aufklärung" zu sprechen. Herzig wandte sich im Juni an Stefan Mannes, den Vereinsvorsitzenden von shoa.de, und fragte an, ob der Verein die Domain übernehmen wollen. die Domain ist also nicht "umgeleitet", sondern normal vergeben worden.

Das ist offenbar langjährige Praxis. Der Kontakt zwischen dem DENIC und dem Verein shoa.de wurde vor vier Jahren geknüpft, als der Provider Strato die Domain adolf-hitler.de auf Initiative der DENIC vom Netz nehmen musste. Auch damals argumentierte man (Probleme mit Neo-Nazi-Domain), die Domain sei "offensichtlich strafrechtswidrig". Adolf-hitler.de gehört heute ebenfalls shoa.de .

In den Statuten des DENIC ist die Weitergabe von Domains nicht ausdrücklich vorgesehen. DENIC weist selbst darauf hin, dass man sich bei Inhalten, die "rechtswidrig oder jugendgefährdend" sind, an die "zuständigen Stellen" der Polizei oder an die Beschwerdestelle der Freiwillige Selbstkontrolle der Multimedia-Diensteanbieter FSM wenden solle. Warum der Verein shoa.de gegenüber anderen Projekten bevorzugt behandelt wird, kann heute niemand erklären. Klaus Herzig meint dazu: Es habe kein Anlass bestanden die Seriosität zu überprüfen.

Wer steckt hinter shoa.de? Vor fünf Jahren suchte Stefan Mannes im Usenet nach "Mitstreitern" und Ideen für ein Projekt mit "einschlägigen" Domains wie der-ewige-jude.de. Mannes gehört zu einer Gruppe ehemaliger Studenten aus Freiburg, die heute noch den Kern des Vereins ausmachen: zusammen mit Jörg Georgi forschte Mannes über Geomorphologie und Agrarwirtschaft in Südfrankreich. Mannes' Examensarbeit im Fach Geschichte handelt von "Antisemitismus im nationalsozialistischen Propagandafilm - der ewige Jude und Jud Süß".

Mannes selbst beschrieb seine damalige Website als "'wilde' Sammlung von Texten, die keinem wissenschaftlichen Anspruch genügen". Das hat sich zwar geändert, die Qualität von shoa.de und deren Autoren ist dennoch umstritten. Kritiker sprechen von einer "pseudowissenschaftlichen Lachnummer" und vermissen die historische Kompetenz".

Die Geschichte von shoa.de, die Herr Mannes nun bis in das Jahr 1996 als eine Initiative von Historikern zurückführen will, ist eine hochpeinliche Story von Fehlern, Mißdeutungen, Dilettantismus, Aufschneiderei, Wichtigtuerei usw., usw. Zur Zeit versucht dieser liebenswerte Herr aus öffentlichen Kassen Geld einzuwerben, in dem er seinen "Kremersladen" als bürgerschaftliche Vereinigung verkauft.

Der Flamewar in dem zitierten Forum entzündete sich an einem Verriss der Inhalte von shoa.de im Internet-Handbuch Geschichte.

Shoa.de ist ein Verein, der ausschließlich von Mitgiedsbeiträgen und Spenden lebt. Auf der Website werden "Partner und Sponsoren" genannt, die aber offiziell davon gar nichts wissen, zum Beispiel das "Deutsche Historische Museum" und das "Haus für Geschichte". Die "Partnerschaft" besteht darin, dass Artikel übernommen werden dürfen. Auf Nachfrage korrigiert Stefan Mannes den "falschen Eindruck": "Die entsprechenden Kontakte gab es aber durchweg überwiegend 'nur' auf Abteilungsebene. Ich weiß deshalb nicht, ob z.B. die Pressestelle des DHM in Berlin darüber informiert ist." Den Link zum umstrittenen rechtslastigen Psychiatriepfleger Samuel Althof und seiner so genannten Aktion Kinder des Holocaust hat Mannes inzwischen entfernt.

Der Eindruck drängt sich auf, dass shoa.de nur das Anhängsel der Werbeagentur Kakoii ist und dem entsprechenden Zweck dient. Der gleichnamige Verein Kakoii war auch für die umstrittene Plakat verantwortlich, mit dem für das Mahnmal in Berlin geworben wurde: "Den Holocaust hat es nie gegeben." Motto der Firma: "Es gilt die Ökonomie der Aufmerksamkeit!" Das hat Stefan Mannes schon früh beherzigt: Vor fünf Jahren war er Webmaster der Suchmaschine alphasearch.org, heute ist er immer noch der Inhaber der Domain. Anfragen werden aber auf ein Reseller-Programm in Indonesien umgeleitet.

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