Das Deppen-Leerzeichen

Ernst Corinth 10.08.2004

Noch ein Fall für die Sprachschützer von Bild und Spiegel

Deutschland ist auf dem Weg zur Deppen-Republik. Nein, nicht nur politisch, wirtschaftlich, sozial und fußballerisch, sondern leider auch sprachlich. Diese fatale Entwicklung begann bekanntlich vor Jahren und noch vor der Rechtschreibreform mit dem Siegeszug des Deppen-Apostrophs, den manche Sprachwissenschaftler mit dem Fall der Mauer und der damit zusammenhängenden Invasion eines für uns West-Bürger recht ungewöhnlichen Volksstammes gern in Zusammenhang bringen. Ob berechtigt oder nicht, das sollen lieber andere entscheiden.

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Jedenfalls ist der Deppen-Apostroph aus unserem Straßenbild kaum noch wegzudenken - wie diese haarsträubenden Beispiele beweisen. Zwar kämpfen gleich mehrere Initiativen wie diese unerschrocken gegen den Apostroph-Missbrauch, aber leider vergeblich. Aus Pizzas wurden halt längst Pizza's, aus CDs eben CD's, und die Meiers von nebenan müssen sich nicht wundern, wenn sie bald die Meier's sind.

Doch nun bekommt der leider ach so erfolgreiche Deppen-Apostroph mächtig Konkurrenz von einem Bruder im Geiste: vom Deppen-Leerzeichen. Doch, wird sich jetzt mancher Leser unseres Rechtschreibmagazins fragen, was ist eigentlich ein Deppen-Leerzeichen? Nun, das ist ein Leerzeichen an einer Stelle, an der ein Bindestrich stehen muss! Und zahlreiche Beispiele für diesen neuen Trend findet man auf der Seite deppenleerzeichen.de.

Da werden also tatsächlich in einem deutschen Kaufhaus Mädchen für knapp 4 Euro zum Verkauf angeboten, zumindest steht das auf dem Werbeplakat: "Mädchen oder Knaben Slip - 3,99 Euro". Zucker dagegen wird nicht mehr in den Kaffee geschüttet oder gelöffelt, sondern, glaubt man der Packung "Würfel Zucker", neuerdings gewürfelt. Und die Firma Weihenstephan hat sogar eine völlig neue Frucht entdeckt: "Frucht Buttermilch."

Aber auch auf meinem Computer macht sich das Deppen-Leerzeichen zunehmend breit. Es sei denn die Firmen Apple oder AOL sind so selbstkritisch geworden, dass sie in ihrem jeweiligen Programm-Menü gleich vor sich selber warnen. Dort steht nämlich: "MAC Hilfe" und "AOL Hilfe".

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18083/1.html
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