"Mit den Turnschuhen kommst Du hier aber nicht rein!"

12.08.2004

Wer die olympischen Spiele in Athen besucht, muss das nötige Markenbewusstsein haben

Dass bei den olympischen Spielen 1996 in Atlanta, dem Heim von Coca-Cola, nicht Pepsi ausgeschenkt wurde, kann man verstehen. Dass 2004 in Athen bekennende Pepsi-Trinker aber sogar rausfliegen sollen, nicht.

Wer ins Münchner Olympiastadion will, muss am Eingang eine Taschenkontrolle über sich ergehen lassen: Flaschen, Gläser und Dosen sind nicht erlaubt. Das allerdings unabhängig vom Hersteller des Getränks – man will verhindern, dass diese im Stadion als Wurfgeschosse verwendet werden.

Bei den olympischen Spielen in Athen gibt es selbstverständlich auch Taschenkontrollen – allein schon der Terrorgefahr wegen. Doch die "strenge Tür" kann es auch mit manchen Münchner Diskotheken aufnehmen: mit den falschen Turnschuhen oder T-Shirts dürfen weder Athleten noch Besucher olympischen Boden betreten!

So wurden die Zutrittsregeln zu den Spielen mittlerweile auch werbetechnisch verschärft. Die offiziellen Regeln:

5. Prohibitions and Restrictions
5.1 The following items may not be brought into venues:  […] flags of non-participating countries, flags of participating countries that are larger than approximately 2 x 1 meters, […] flag poles, signs, umbrellas, commercial items with obvious logos of competitive companies to sponsors (hats, T-shirts, bags, etc.)

Wer Taschen, Kopfbedeckungen oder T-Shirts mit Werbung oder Logos von Wettbewerbern der Sponsorfirmen anhat, darf also nicht ins Gelände – es könnte so ja ein Pepsi-Logo vor eine olympische Fernsehkamera geraten. Auch Fahnen nicht an den Spielen teilnehmender Länder sind nicht erlaubt.

Doch wie die Sunday Times meldet, sind nun auch die konkurrierenden Produkte selbst verboten, ob Pepsi im – zulässigen, doch mit Logo bedruckten – Plastikbecher oder ein Getränk im Pappbecher von Burger-King statt des Sponsors Mc Donalds oder Turnschuhe von Nike statt des Sponsors Adidas: Sobald ein verbotenes Logo erkennbar ist, ist Schluss mit lustig.

Burger und anderes Essen sowie Getränke in Glasflaschen sind ohnehin nicht erlaubt, doch auch bei sicherheitstechnisch zulässigen Plastikflaschen ist darauf zu achten, dass die Produkte zum Coca-Cola-Konzern gehören, wie das griechische Mineralwasser Avra. Andernfalls ist das Label abzumachen. Coca-Cola hat 60 Millionen US-Dollar dafür gezahlt, kein Pepsi-Logo im Olympiagelände ertragen zu müssen.

Turnschuhe der falschen Marke sind auszuziehen oder von ihren typischen Erkennungszeichen zu befreien. Wer das falsche T-Shirt anhat, muss dieses zwar nicht ausziehen, doch den Aufdruck nach innen drehen. Auch T-Shirts mit einzelnen Buchstaben sind unerwünscht, da sich Gruppen so zusammensetzen könnten, dass sie einen lesbaren Ausdruck ergeben. Nur die Unterwäsche wird nicht auf Markenlogos überprüft und muss auch nicht umgekehrt getragen werden.

Sogar Amnesty International hat die Vorschriften kritisiert, die für das Personal und auch freiwillige Helfer noch unangenehmer sind als für die Besucher: Diese bekommen zwar Uniformen gestellt, doch keine Schuhe und wenn ihre eigenen Schuhe das falsche Logo tragen, dann wird Olympia auf ihre Mithilfe dankend verzichten.

Die Tickets können online nur mit Visa-Card gezahlt werden, dafür hat Visa 30 Millionen Euro gezahlt, und die US-Athleten müssen spätestens, wenn sie gewinnen, sofort komplett auf Adidias-Ausrüstung umsteigen: Auf dem Siegertreppchen müssen Hemd, Hose, Socken und Schuhe das Adidas-Logo tragen, so schreibt es der Sponsorvertrag von Adidas mit dem amerikanischen Olympiakomitee vor. Wer dann im falschen Hemd erscheint, bekommt die Medaille womöglich wegen "unsportlicher Schleichwerbung" wieder abgenommen.

Und wehe, ein Zuschauer zuhause am Fernseher hat die falschen Schuhe an, trinkt das falsche Getränk, benutzt ein Fernsehgerät der falschen Marke oder sieht gar in der Werbepause heimlich den falschen Sender. Doch das wird dem mode- und markenbewussten Olympiafan schon nicht passieren, es gilt schließlich wie in der Schicki-Micki-Disco: Dabei sein ist alles.

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