Kommen Europa und Nordamerika in die Wechseljahre?
Sommerliche Hitzewallungen wie 2003 sollen gegen Ende des Jahrhunderts deutlich häufiger werden
In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals Science veröffentlichen US-Forscher eine Studie, nach der in Zukunft immer intensivere und häufigere Hitzeperioden sowohl in Europa als auch in Nordamerika zu erwarten sind.
Gerals A. Meehl und Claudia Tebaldi vom National Center for Atmospheric Research in Boulder untersuchten Klimadaten, die seit 1961 gesammelt wurden, um Modellrechnungen bezüglich künftiger Hitzewellen zu erstellen. Sie sehen deutliche Anzeichen für eine globale Klimaveränderung und stellen fest, dass es bei gleich bleibendem Ausstoß von Treibhausgasen im 21. Jahrhundert häufiger intensivere und länger anhaltende schweißtreibende Phasen in den Regionen von Europa und Nordamerika geben wird, die in der Vergangenheit solche Hitzeschübe nicht gewohnt waren.
Heiß, heiß, heiß
Es gibt keine universelle Definition von Hitzewellen, aber ungewöhnlich heiße Tage in Folge haben nachweislich gravierende Konsequenzen für die Sterblichkeitsrate, die regionale Ökonomie und das lokale Ökosystem. Ihre Auswirkungen sind schlicht verheerend (Heat Wave Awareness Project). Das gilt besonders, wenn sie in Städten auftreten, die keine Tradition im Umgang mit besonders heißen Sommertagen entwickelt haben und folglich unvorbereitet mit diesem Problem konfrontiert werden. Die Wissenschaftler machten sich zwei Definitionen zu Eigen und bezeichnen eine Periode von mindestens drei Tagen mit andauernden, herausragend hohen Temperaturen und ohne deutliche nächtliche Abkühlung als Hitzewelle.
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Hitzewellen sind eine Ausdrucksform der weltweit zunehmenden Wetterextreme (Das Wetter läuft Amok) und Symptome der globalen Klimaveränderung (Marine Vorboten des Klima-Umschwungs?). Sie sind die Wettereignisse, die in den letzten fünfzehn Jahren die meisten Menschenleben in den USA forderten (Fatalities due to weather hazards).
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Meehl und Tebaldi nahmen besonders die heraus ragenden Hitzeperioden in Chicago im Juli 1995 und in Paris im August 2003 unter die Lupe. In Chicago starben 739 Menschen in fünf Tagen (Chicago Heat Wave of 1995), in Paris während des Sommers 2003 sogar 15.000 Menschen (Im Streit um Hitze-Opfer gehen Pariser Hausärzte in die Offensive). Dazu kommen ungezählt viele tote Tiere, auch in der Landwirtschaft.
Häufiger, intensiver und länger andauernd
Der Jahrhundertsommers 2003 wird von vielen Klimaforschern nicht mehr für eine zufälliges Witterungsextrem gehalten, sondern für einen Ausdruck zunehmender Klimaveränderung mit weltweit steigenden Temperaturen (Wird Deutschland ein zweites Oklahoma?). In den Großstädten kommt hinzu, dass sie ihr eigenes, extremes Mikroklima produzieren und dadurch das Wetter und die Atmosphäre global beeinflussen (Diese Stadt kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz).
Für ihre Modell-Studie verwendeten Meehl und Tebaldi das vom National Center for Atmospheric Research zusammen mit dem U.S. Department of Energy entwickelte so genannte Parallel Climate Modell (PCM). Mithilfe der bisherigen Wetterdaten rechneten sie die kommenden Wetterszenarien durch. Sie gehen in ihren Berechnungen davon aus, dass der globale Ausstoß von Treibhausgasen und Schwefel-Aerosolen so weitergehen wird wie bisher. Unter dieser Voraussetzung sehen sie für das Ende dieses Jahrhunderts, die Jahre 2080-2099, deutlich mehr ausgeprägte Hitzewellen, sowohl in Nordeuropa und Nordamerika als auch in den mediterranen Staaten und auf dem Balkan.
In Frankreich erhöht sich das Risiko anhaltender Hitze ohne echte nächtliche Abkühlung um mehr als 30 Prozent und das kaum zu ertragende Wetter könnte statt heute bis zu 13 Tagen am Ende des 21. Jahrhunderts bis zu 17 Tage andauern. Zurzeit ist mit einem solchen Witterungsereignis 1,6 Mal pro Jahr zu rechnen, künftig werden es mehr als 2 Mal sein. Für Chicago sieht das steigende Risiko für dieses Klimaphänomen ähnlich aus. Meehl kommentiert die Ergebnisse:
Es sind die extremen Wetter- und Klimaereignisse, die zu den größten Belastungen der menschlichen Gesellschaft in diesem Jahrhundert führen werden, wenn sich das Klima verändert.
- Klimaerwärmung - reine Panikmache (12.9.2004 15:04)
- Lindzen (1.9.2004 10:01)
- Lesen und Schreiben (31.8.2004 14:32)
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