Was ist mit BOB?

Ein mit den Lettern "BOB" versehener Spuckbeutel führte dazu, dass ein Flugzeug der United Airlines umdrehte und zurück nach Sydney flog, denn das kann nur für "Bomb on Board" stehen

Es klingt wie ein schlechter Scherz, was Bruce Schneier in seinem aktuellen Cryptogramm schreibt, und doch hat sich der Vorfall Ende Juli genauso zugetragen: Ein Flugbegleiter entdeckt anderthalb Stunden, nachdem man Sydney verlassen hat, einen unbenutzten Spuckbeutel (im Volksmund auch Kotztüte genannt) im Waschraum. Dieser ist mit den Buchstaben "BOB" verstehen. Der Flugbegleiter schließt daraus, dass sich eine Bombe an Bord befindet und informiert den Kaptain, welcher sich dieser Einschätzung anschließt und das Flugzeug wendet und zurück nach Sydney fliegt.

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Nun ist "BOB" gerade bei Flugbegleitern gängiger Slang für "Baby on Board", "Best on Board" oder auch manchmal für "Buy on Board", letzteres bedeutet, dass die Mahlzeiten nicht im Flugpreis inbegriffen sind, sondern extra zu zahlen sind. Neben diesen Kürzeln könnte natürlich BOB auch schlichtweg der Name eines Passagieres sein, den dieser gelangweilt auf seinen Spuckbeutel schrieb. Vielleicht hatte er sogar vor, diesen Spuckbeutel mitzunehmen, schließlich gibt es ja Leute, die diese Art Andenken sammeln oder versteigern. Was es mit dem schlichten Wort "BOB" auf sich hatte, weiß man also nicht und es wird sich vermutlich auch nie herausstellen.

Wie Bruce Schneier treffend bemerkt, lässt die Nachricht in Bezug auf die Sicherheit gute als auch schlechte Schlüsse zu. So ist es erfreulich, dass die Entscheidung, ob eine Bedrohung ernst genommen wird, noch in den Händen des Kaptains liegt, nicht in den eines womöglich nur an die Kosten denkenden Angestellten. Auch wird hier noch auf menschliche Entscheidungen gesetzt, nicht auf irgendwelche technischen Systeme, wie sie vermehrt eingesetzt werden.

Dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack: Wenn Flugpersonal, egal ob Begleiter oder Kaptain, die Entscheidungen trifft, dann sollte dies entsprechend ausgebildet oder auch nur vernünftig sein. Wenn die Entscheidungen nur aus Angst heraus getroffen werden, ist dies eine fatale Entwicklung. Jeder "Wacko" könnte so auf die Idee kommen, schnell mal BOB auf seine Spuckbeutel zu schreiben, um eine Notlandung zu verursachen, diese Entwicklung könnte auch dazu führen, dass die mittlerweile mehr und mehr um sich greifende Terrorpanik weiter eskaliert und die wahren Bedrohungen in dem Wust an eingebildeten Bedrohungen untergehen.

Der Vorfall führte bei den Verantwortlichen jedenfalls nicht dazu, sich Gedanken über eine De-Eskalation bezüglich der Terrorangst zu machen. Im Gegenteil, bei United Airlines reagierte man empört. Nicht wegen der Entscheidung des Kaptains oder der Kosten, sondern weil jemand die Buchstaben BOB auf einen Spuckbeutel schrieb. Verkehrsminister John Anderson nannte das Verhalten "irresponsible at the least and horrendously selfish and stupid at the worst". Das Verhalten des Kaptains dagegen wurde als umsichtig und vernünftig bezeichnet.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18127/1.html
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