Stadtkampf im Irak
Angeblich werden US-Truppen in Israel für den Stadtkampf im Irak trainiert, aber von wirklichen Erfolgen lässt sich, wie das Beispiel der kurz zuvor in Kuwait im Stadtkampf geschulten Marines in Nadschaf zeigt, nicht sprechen
Was auch immer die genaueren Gründe dafür waren, dass al-Sadr nun doch bereit zu sein scheint, sich mit seinen Anhängern aus der Imam Ali Moschee in Nadschaf zurückzuziehen, so hat sicherlich nach zwei Wochen des Stadtkampfs die Drohung eines finalen Angriffs und eines Sturms irakascher Soldaten, unterstützt durch US-Truppen, auf die Moschee eine Rolle für den militanten Taktiker gespielt. Der Abzug, falls er denn erfolgen sollte, geschieht offenbar auch unter dem Druck der Nationalkonferenz und nach dem Versprechen einer Amnestie. Eine Märtyrerverklärung durch den Tod in der Moschee braucht al-Sadr wohl nach dem langen erfolgreichen Widerstand gegen die amerikanischen und irakischen Truppen nicht, der ihm einen erneuten Popularitätsschub im Land verschafft hat (Showdown im "Tal des Friedens").
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Zwar haben die Marines, die al-Sadrs Milizen im alten Stadtzentrum eingeschlossen haben, wie auch die US-Truppen in anderen Städten große Zerstörungen und den Tod von manchen Zivilisten durch das Abwerfen von Bomben über vermeintlich feindliche Stellungen verursacht und damit den Widerstand gegen die US-Besatzer, aber auch gegen die von den USA eingesetzte Übergangsregierung vergrößert. Wenn man über Städten 250 kg Bomben abwirft, muss man mit Opfern auch in der Zivilbevölkerung rechnen. Auch sonst gab es durch den Einsatz schwerer Waffen die berüchtigten Kollateralschäden. Aber die Marines, die offenbar aus eigenem Entschluss gegen al-Sadr in Nadschaf vorgegangen sind, haben zumindest versucht, den Unmut dadurch geringer zu halten, dass sie nicht die Heiligtümer beschädigen, auch wenn auf dem großen Friedhof gekämpft wurde.
Just five days after they arrived here to take over from Army units that had encircled Najaf since an earlier confrontation in the spring, new Marine commanders decided to smash guerrillas loyal to the rebel Shiite cleric Moktada al-Sadr.
Acting without the approval of the Pentagon or senior Iraqi officials, the Marine officers said in recent interviews, they turned a firefight with Mr. Sadr's forces on Thursday, Aug. 5, into a eight-day pitched battle, one fought out in deadly skirmishes in an ancient cemetery that brought them within rifle shot of the Imam Ali Mosque, Shiite Islam's holiest shrine. Eventually, fresh Army units arrived from Baghdad and took over Marine positions near the mosque, but by then the politics of war had taken over and the American force had lost the opportunity to storm Mr. Sadr's fighters around the mosque. ...
As a reconstruction of the battle in Najaf shows, the sequence of events was strikingly reminiscent of the battle of Falluja in April. In both cases, newly arrived Marine units immediately confronted guerrillas in firefights that quickly escalated. And in both cases, the American military failed to achieve its strategic goals, pulling back after the political costs of the confrontation rose. Falluja is now essentially off-limits to American ground troops and has become a haven for Sunni Muslim insurgents and terrorists menacing Baghdad, American commanders say.
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Die Marines, die in Nadschaf stationiert sind, kamen erst vor drei Wochen in den Irak und hatten gerade eine Ausbildung im Stadtkampf in Kuwait hinter sich gebracht. Vielleicht wollten die Kommandeure schnell zeigen, was sie gelernt haben, indem sie entschlossen gegen die Milizen Sadrs vorgingen - und dann sich im gefährlichen Stadtkampf doch verhedderten, während gleichzeitig Kämpfe auch in anderen Städten ausgelöst wurden. Angeblich hatten die Marines auch bereits den Beginn der Auseinandersetzungen provoziert, indem eine Patrouille am 3. August, drei Tage, nachdem die Marines die Truppen der Army abgelöst hatten, direkt an einem von Sadrs Häusern vorbeifuhr, obgleich eine Vereinbarung bestanden haben soll, dass amerikanische Einheiten sich diesen nicht nähern sollten.
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Die 11th Marine Expeditionary Unit ist ausgestattet mit konventionellen Waffen, aber verfügt auch über Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Kampfhubschrauber und Drohnen. Nicht nur hinsichtlich der Waffen, sondern auch zahlenmäßig sind die Sadr-Milizien den amerikanischen Soldaten weit unterlegen, zumal wenn man noch die irakischen Soldaten hinzuzählt. Das Training für "Security and Stability Operations" (SASO) umfasste zwar militärische Taktiken und Praktiken, aber wohl keine Kurse im Hinblick auf Konfliktreduzierung, die für Stadtkämpfe in asymmetrischen Konflikten, in denen Truppen lose organisierten Widerstandsgruppen oder Aufständischen gegenüber stehen, mindestens ebenso wichtig wären. Nach eigenen Angaben wurden die Marines ausgebildet für Patrouillen und militärische Operationen im urbanen Gelände, schnelle Reaktionen auf Angriffe, Erkennen und Entschärfen von Bomben und "viele verschiedene Schussereignisse, um den hohen Grad der Leistungskraft beim Feuern ihrer Waffen aufrechtzuerhalten". Gelernt hätten sie, mit Gegnern der Koalitionstruppen umzugehen, deren "Techniken, Taktiken und Verfahren" sie kennen gelernt haben.
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| Aus einem Video, das von einer Drohne in Nadschaf gemacht wurde |
Geschult im Stadtkampf werden die US-Soldaten nicht nur von amerikanischen Ausbildern, sondern auch von der israelischen Armee, das hat zumindest gerade erst wieder die Jerusalem Post berichtet. Die US-Botschaft in Israel hat zwar abgestritten, dass gerade US-amerikanische Truppen Übungen mit der israelischen Armee abhalten, aber man wollte bei dem heiklen Thema nicht sagen, ob dies zuvor der Fall gewesen ist. Letztes Jahr kursierten allerdings bereits Informationen, dass die Amerikaner sich zumindest Rat für den Stadtkampf bei den Israelis geholt hätten, die seit Beginn der Intifada darin große Erfahrung haben (ob Erfolg, ist freilich eine andere Frage). Schon 2002 sollen amerikanische Truppen den Stadtkampf in einer israelischen Übungsstadt geübt haben, aber das wurde auch letztes Jahr vom Pentagon bestritten. Auch jetzt gibt man allerdings zu, dass die israelische Truppen Übungen mit US-Truppen von Zeit zu Zeit durchführen, aber darauf wolle man nicht näher eingehen.
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Die Jerusalem Post, nicht gerade als USA-feindlich bekannt, berichtete, dass Einheiten der US-Army in einem israelischen Antiterrorismus-Ausbildungszentrum im Adam-Stützpunkt Taktiken für den Stadt- und Guerilla-Kampf lernen, um diese dann im Irak einzusetzen. Im November 2003 seien US-Generäle nach Israel gekommen, um die Taktiken zu begutachten, die von der israelischen Armee im Westjordanland und im Gaza-Streifen eingesetzt werden. Das wurde auch bereits letztes Jahr in US-Medien berichtet, der Guardian sprach davon, dass israelische Berater im Irak seien. Schon damals warnte der israelische Militärhistoriker Michael van Creveld vor der Imitation der nicht gerade erfolgreichen Taktiken im Irak:
Sie machen bereits die Dinge, die wir Jahre lang ohne Erfolg gemacht haben, zum Beispiel die Zerstörung von Häusern oder das Abschließen von Dörfern mit Stacheldraht. Die Amerikaner kommen hierher, um alle Arten von Techniken nachzuahmen, aber das wird ihnen nicht gut tun.
Die US-Soldaten hätten, berichtet auch die Jerusalem Post, einige von der israelischen Armee praktizierte Taktiken wie die Zerstörung von Häusern vermeintlicher Terroristen, die Einrichtung von Straßensperren oder die Festnahme von Verwandten von verdächtigen Terroristen oder Aufständischen eingesetzt, um an Informationen zu gelangen.
Die israelische Armee will nicht nur ihre Erfahrung und die für den Stadtkampf entwickelte Technik Truppen anderer Länder anbieten und so wichtige Beziehungen zu knüpfen und Geld zu verdienen. Das neue, noch im Ausbau befindliche Übungsgelände für den Stadtkampf in Tze'elin in der Negev-Wüste soll an ausländische Truppen zum Üben vermietet werden. Einige Länder, darunter Deutschland, hätten bereits Einheiten zu dem Zentrum geschickt. Ganz fertig gestellt sein wird es erst in zwei Jahren - und dann soll es weltweit das größte, möglichst realistische Übungsgelände und "digitale Schlachtfeld" für den Stadtkampf sein (Digitalisierte Übungsstadt).
http://www.heise.de/tp/artikel/18/18152/1.html- hmm (21.8.2004 19:06)
- Der Begriff "Volk" (21.8.2004 13:36)
- Die USA sind auch eine Theater Truppe (20.8.2004 23:23)
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