Noch größer, noch mehr Besucher
Die Games Convention in Leipzig inszenierte sich als Event
Die internationale Computerspielmesse Games Convention (GC) fand in diesem Jahr zum dritten Mal in Leipzig statt und bereicherte die Welt um einige Akronyme und Neologismen mit diversen @s.
Nach ihrem erfolgreichen Start 2002 mit 80.000 Besuchern im ersten Jahr, 92.000 im zweiten Jahr, hofften die Veranstalter damit, dieses Jahr die 100.000 Marke zu durchbrechen und damit vielleicht auch den Besucherstand der als Publikumsmesse bekannten Leipziger Buchmesse (102.000 im Jahr 2004) zu übertreffen. Das ist auch gelungen. 105.000 Besucher sind zur GC gekommen: "Unsere Erwartungen wurden voll erfüllt. Wir sind mit der GC in eine Marktlücke gestoßen und Aussteller wie Besucher nehmen die Messe begeistert an. Nach dieser GC steht nun endgültig fest: Die GC hat sich etabliert. Sie ist für die Branche ein MUSS geworden", meinte Josef Rahmen, Geschäftsführer der Leipziger Messe GmbH.
Mit diesen Zahlen hat sich die Games Convention zur wichtigsten europäischen Computermesse etabliert, die nur noch von der im Mai in Los Angeles stattfindenden E3 übertroffen wird. Dies ist ein verdienter Glücksfall für die eleganten gläsernen Hallen der Leipziger Messe, wo sich in den ersten Jahren nach ihrer Fertigstellung 1996 bei anderen Messen und Konferenzen häufig nur ein paar Hundert Zuschauer verirrten.
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Die diesjährige GC ist noch größer als in den letzten Jahren. Zwei neue Hallen wurden angemietet und die Ausstellerfläche wurde um 25 Prozent vergrößert, um einer höheren Anzahl an Ausstellern Platz zu verschaffen und um die Besucherströme etwas zu entzerren. Mit bekannten und sehr unterschiedliche Zielgruppen bündelnden Partnern wie Fastfood-Ketten, Kinos und Elektromärkten wurde die GC im Vorfeld beworben.
Nach bewährtem Muster teilt sich die Messe in drei Sparten: Zum einen werden an Hunderten von Stationen aktuelle und in den nächsten Monaten auf den Markt kommende PC- und Konsolenspiele präsentiert. Ein thematisch angepasstes Sonderprogramm, das von Auftritten von Stars (Die fantastischen Vier, Jeannette Biedermann), Vorträgen, Workshops und Diskussionen zur Spielentwicklung und zum Spieldesign, Sonderausstellungen (CaseModding) und Fun-Sport-Areas (Go-Kart-Bahn, eine Kletterwand, American Football, Powerball und Zorb-Walks) reicht, macht die Messe zum Event, der zur gleichen Zeit faszinierend und erschlagend ist. Der permanente Überreizung und Überforderung aller Sinne wegen eines an die Schmerzgrenze reichenden Lärmpegels, der pompösen Nachbauten von Spielewelten in den abgedunkelten Hallen, der trashigen Moderationen und Gewinnspiele erzeugt vermutlich bei jedem jenseits der 25 das Gefühl, nach einem mehrstündigen Messebesuch reif für eine Kur zu sein.
Die einzelnen Spielepublisher überboten sich bei ihren Messeständen, für die sie z. T. die weltweit bekanntesten Messebauer nach Leipzig geholt hatten. EA trumpfte beispielsweise mit einer 360 Grad umlaufenden Leinwand auf, Sony ließ für seine Playstation eine "Fun-City" inklusive U-Bahn entstehen und Microsoft lockt mit einem neongrün leuchtenden Kasten für seine XBox.
Die Games Convention nimmt ihre zumeist jugendlichen Kunden (die Spieler) ernst, was man zum einen an Wettbewerben sieht, die in Zusammenarbeit mit Game-Communities (z.B. GC CasemodMasters) entstehen, und nicht zuletzt an den Horden an Teenagern mit Presse-Ausweis - meist sind sie Betreiber von Fan-Websites. Gleichzeitig ist die GC aber auch ein Branchentreff für Handel und Presse. In vom öffentlichen Spektakel abgetrennten Hallen können sich Spielepublisher, Entwickler, Händler und Journalisten auch in Ruhe unterhalten und die Spiele testen.
Wer die GC intensiv erlebt, lernt sicherlich eines: Vier Tage Spektakel, Exzess und Opulenz auf der Games Convention hinterlassen ihre Spuren: Plötzlich hat man mal wieder ein deutliches Bedürfnis nach den kleinen und leisen Dingen, nach Ruhe und Stille, nach einem Buch lesen oder ein gutes Hörspiel hören.
http://www.heise.de/tp/artikel/18/18174/1.html- Die Generation dieser Artikelschreiber... (22.8.2004 22:12)
- als korrektiv, ne art geistige hygiene :-) - kwt (22.8.2004 21:34)
- Kleine und leise Dinge? (22.8.2004 21:10)
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