Frauenzeitschrift von al-Qaida
Wenn die Männer in den heiligen Krieg ziehen, müssen auch die Frauen mitziehen
Bislang dominieren zumindest in den Bilden, die wir zu sehen bekommen, bei den islamistischen Extremisten die Männer. Das scheint ganz normal in traditionellen muslimischen Gesellschaften zu sein, in denen die Frauen am öffentlichen Leben höchstens verhüllt teilnehmen und nicht viel zu melden haben. Eine Organisation, die al-Qaida nahe sein soll, versucht jetzt über eine Internetpublikation, auch Frauen für den Dschihad gegen den Westen zu begeistern.
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Mit dem Blick aus der Ferne - und selbst mit dem Fokus auf die "Terrorzelle" in Hamburg, die die Anschläge vom 11.9. mitorganisiert und durchgeführt hat - haben die Frauen bei al-Qaida nicht viel zu melden. Auch auf den Bildern, die wir aus dem Irak von den Aufständischen und Geiselnehmern, martialisch ihre Waffen vorführend, sehen können, fehlen die Frauen. Während bei den Palästinensern seit einiger Zeit Frauen sich als Selbstmordattentäterin betätigen, scheint dies im Irak und in anderen Ländern, in denen islamistische Extremisten/Terroristen/Aufständische kämpfen, eher die Ausnahme zu sein.
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| Die al-Qaida-Zeitschrift ist karg bebildert |
Schon seit einiger Zeit haben Gruppen, die al-Qaida oder dem von Bin Laden ausgerufenen Dschihad zur Vertreibung der Ungläubigen und zum Sturz korrupter Regime nahe stehen, um einen möglichst großen muslimischen Gottesstaat einzurichten, das Internet genutzt, um dort Online-Publikationen zu veröffentlichen. Sie dienen der Rekrutierung und der Propaganda, aber auch der Einweisung in die Benutzung von Waffen und Strategien. Mittlerweile gibt es auch eine Online-Publikation für den Kampf in Afghanistan mit dem Namen Tora Bora. Dort wurde die letzte Schlacht gegen al-Qaida geschlagen. Bin Laden soll vor dort mit vielen Anhängern geflüchtet sein. Seitdem ist er untergetaucht und nur noch durch gelegentliche Video- oder Tonband-Aufzeichnungen präsent, falls er noch leben sollte.
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Möglicherweise haben die radikalen Islamisten nun bemerkt, dass ihnen die Frauen im Dschihad fehlen, vielleicht wollen sie das Image aufbessern und nicht frauenfeindlich erscheinen, vielleicht gibt es Schwierigkeiten in Beziehungen zwischen den Kämpfern und ihren Frauen, vielleicht sollen mit den Frauen nur neue Kämpfer rekrutiert werden. Jedenfalls gibt es seit 20. August eine sich an die Frauen wendende Online-Publikation namens Al-Khansa, die von einer Organisation herausgegeben wird, die sich "Das Medienbüro der Frauen auf der Arabischen Halbinsel" nennt. Al-Khansa war eine arabische Dichterin, die Verwandte, die in Kämpfen gefallen waren, verherrlichte. Das passt also schon.
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| Eines der wenigen Bilder in Mu'askar al-Battar vom 16. August |
Will man der BBC trauen, dann ist das primäre Ziel der Publikation wenig verwunderlich der Versuch, die mit Kämpfern verheirateten Frauen mit dem Dschihad zu versöhnen und ihre Unterstützung für ihre Männer zu sichern. Angeblich ist Abd-al-Aziz al-Muqrin, der im Juni getötet wurde und als al-Qaida-Führer in Saudi-Arabien bezeichnet wurde, einer der Gründer der Publikation. Zudem scheint sie der ebenfalls vermutlich von saudiarabischen al-Qaida-Anhängern herausgegebenen Online-Publikation "Stimme des Dschihad" zu gleichen.
Wie BBC berichtet, sollen die Frauen nicht in den Kampf geschickt werden, sondern sich als Unterstützer ihrer Männer und Söhne betätigen, die sich für die große Sache opfern: "Das Blut eurer Ehemänner und die Körperteile eurer Kinder sind unser Opferangebot." Frau gibt also im Dschihad ihre Männer her, offenbar das größte Opfer, das Frauen machen können. Aber es werden auch Anweisungen gegeben, wie sie ihre Kinder richtig erziehen sollen, um sie auf den Weg des Dschihad zu bringen, wie sie Erste Hilfe leisten können, aber auch, wie sich selbst trainieren sollen, um auch kämpfen zu können.
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| Auch die "Stimme des Dschihad", die letzte Ausgabe ist vom 11. August, geizt mit Bildern |
Wichtig scheint auch zu sein, dass die Frauen von westlichen Lebensverführungen wie Fernsehen oder Klimaanlagen loskommen. Das verweichlicht und macht für den Dschihad untauglich. Und wenn man sich erinnert, welche Gesellschaft die Taliban mitsamt al-Qaida aufgebaut haben, dann verlangt der Gottesstaat einiges an Disziplin, Unterhaltungsabstinenz und Unterwerfung unter die Männer ab. Dazu passt, dass den Herausgeberinnen oder Herausgebern von Al-Khansa nicht gefällt, wenn Frauen im saudischen Fernsehen als Sprecherinnen auftreten. Das ist eben eine Art von medialer Prostitution. Auch die Emanzipationsversuche von saudischen Frauen kommen nicht gut weg. Bleibt nur zu hoffen, dass der von Bush projektierte Umbau der muslimischen Länder nicht als unbedachte Kehrseite noch mehr Islamisten mit ihrer anachronistischen Männergesellschaft hervorbringt: die Burka als Symbol der Befreiung oder Emanzipation vom Westen.
Man befreit sich aber auch von Bildern. Radikale Islamisten im Umkreis von al-Qaida sind, ganz nach Tradition, Ikonoklasten. In der Frauenzeitschrift findet sich überhaupt kein Bild, es gibt nur ein paar Icons. Und in der Männerzeitungen findet man nur Bilder von Waffen und ihrem Einsatz. Wenn es allerdings um das Verfolgen von strategischen Zielen geht, ist man weniger bilderfeindlich. Gerne präsentieren sich die Männergruppen mit ihren Waffen, auch Bin Laden ist nicht den Medien abgeneigt. Und wenn man Geiseln gefangen hat und sie ermordet, dann zeigt man dies auch gerne - sind ja auch nur Ungläubige oder Kollaborateure.
http://www.heise.de/tp/artikel/18/18205/1.html- ROFL .. Lesen Sie in der neuen "Yasemin" ... (29.8.2004 18:19)
- was für eine Aufklärung denn? (28.8.2004 2:35)
- re: Antwort (28.8.2004 2:10)
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