Straight is Great!

Ernst Corinth 27.08.2004

In New York bekennen sich Heterosexuelle ganz offen zu ihrer Sexualität

Sie sind eine verschwindend kleine Minderheit: heterosexuelle Männer und Frauen, die wegen ihrer ungewöhnlichen sexuellen Vorliebe oft diskriminiert und in vielen Ländern immer noch verfolgt werden. Doch nun wagen Männer, die Frauen lieben, und Frauen, die sich zu Männern hingezogen fühlen, den Schritt in die für sie so feindliche Öffentlichkeit. Am morgigen Samstag findet nämlich in der Schwulen-Metropole New York unter dem Motto "Straight is Great!" die erste Heterosexual Pride Parade statt, also ein Umzug, bei dem Heteros stolz bekennen wollen, dass sie heterosexuell sind.

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Schon jetzt geben sich die Veranstalter überraschend selbstbewusst. "Wer lieber Sex mit dem anderen Geschlecht hat, der hat allen Grund darauf stolz zu sein", sagt Francis Kenner, die die Parade zusammen mit dem New Yorker Radiosender G105 organisiert hat. Sich vom anderen Geschlecht angezogen zu fühlen, das ist für Francis Kenner wie das Bauen einer Brücke oder wie die Landung auf dem Mond.

Die Bezeichnung "heterosexuell" entstand übrigens im 19. Jahrhundert als medizinischer Fachausdruck der Sexualpathologie und setzte sich in der Folgezeit auch im nichtmedizinischen Sprachgebrauch durch. Diese sozial stigmatisierende und einen Menschen lediglich auf eine sexuelle Orientierung reduzierende Bezeichnung, versuchte bereits die frühe Bürgerrechtsbewegung der Heterosexuellen durch andere Begriffe wie beispielsweise normal oder Normalos zu ersetzen. Leider blieben diese Bestrebungen bis heute erfolglos.

Doch zumindest in Deutschland hat sich einiges zum Positiven gewandelt. Seit der Veränderung des § 175 Strafgesetzbuch (StGB) dahingehend, dass zumindest die Strafbarkeit heterosexueller Handlungen zwischen Männern und Frauen im Jahr 1973 aufgehoben wurde, gab es zwar wieder eine langsame Verbesserung der Situation von Heterosexuellen in Deutschland. Es wird aber vor allem aus linken Kreisen bemängelt, dass Politik für Heteros häufig lediglich eine vollkommene Eingliederung in die bestehende Gesellschaft fordere. Eine Kritik an der Gesellschaft, die bisher die Diskriminierung von Heterosexuellen und anderen Minderheiten zuließ und immer noch zulässt, ist nicht weit verbreitet (siehe: Glossar Recht und Geschlecht).

Doch trotz aller Fortschritte wird die bundesdeutsche Gesellschaft immer noch von Schwulen und Lesben eindeutig dominiert. Wie in den USA, dem Mutterland der Homosexuellen, bekennen sich auch bei uns die meisten politischen Führer stolz zu ihrer Homosexualität, in der Wirtschaft haben schwul-lesbische Seilschaften das Sagen, in Kunst und Literatur sind heterosexuelle Kulturschaffende eine Seltenheit und selbst im Sport wird nicht nur in der Fußball-Bundesliga, sondern auch jetzt wieder bei den Olympischen Sommerspielen ein schwul-lesbisches Menschenbild öffentlich vorgelebt.

Dass an diesen bedrückenden Zuständen bereits viele Heterosexuelle psychisch und sozial zerbrochen sind, wundert kaum. So sind mehr als 90 Prozent aller Insassen in deutschen Strafanstalten heterosexuell. Und ganz ähnlich sieht es auch in der Psychiatrie aus. Zahlen, die zu denken geben. Und die zeigen, wie wichtig das öffentliche, wenn auch schmerzvolle Bekenntnis zur Heterosexualität ist. Mit der "Heterosexual Pride Parade" in New York ist jetzt zumindest der erste Schritt getan.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18216/1.html
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