Italienischer Journalist und Weblogger wurde ermordet

Florian Rötzer 28.08.2004

Der von der "Islamischen Armee" ermordete Baldoni war Kriegsgegner und hat auch für das Rote Kreuz gearbeitet

Wie al-Dschasira berichtete, hat der Sender ein Video von der Ermordung des italienischen Journalisten Enzo G. Baldoni erhalten. Baldoni war von der Gruppe Islamische Armee gefangen genommen und "hingerichtet" worden, nachdem die italienische Regierung nicht auf die Forderung eingegangen ist, ihre Truppen aus dem Irak abzuziehen. In Italien ist das Entsetzen groß, die Meinungen über die Beteiligung an den Koalitionstruppen gehen auseinander und es gibt wieder einmal Mutmaßungen über die Hintergründe der Ermordung.

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Das letzte Bild aus dem Weblog

Wie schon länger von al-Dschadira praktiziert, nachdem dem Sender Unterstützung der Terroristen vorgeworfen wurde, wurde das Video von der "barbarischen" Ermordung des Journalisten nicht gesendet. Baldoni war am 19. August verschwunden, am 24. August hatte die "Islamische Armee" erklärt, dass sie ihn als Geisel gefangen halte. Nachdem die italienische Regierung ihre Truppen nicht, wie gefordert, innerhalb von 48 Stunden abgezogen hatte, wurde Baldoni nach dem "Gesetz der Scharia", so die Mörder, getötet. Allerdings ist die italienische Regierung am Donnerstag den Geiselnehmern erst einmal ein Stück entgegen gekommen und hat gesagt, sie würden die Truppen zurück ziehen, wenn die irakische Regierung dies wünsche.

Die Familie von Baldoni hatte in einer vom italienischen Sender ausgestrahlten und von al-Dschasira übernommenen Appell an die Geiselnehmer um seine Freilassung gebeten. Der Journalist sei ein "Mann des Friedens" und auch als Mitarbeiter des Roten Kreuzes aus humanitären Gründen im Irak gewesen. Er hatte zuletzt an einem Transport von Medikamenten nach Nadschaf teilgenommen. Auf dem Weg dorthin war er verschwunden. Möglicherweise war er mit dem Konvoi des Roten Kreuzes nach Nadschaf gefahren, den auch die Journalistin Helen Williams begleitet hat. Sie beschreibt ausführlich (und sehr lesenswert) ihre Erlebnisse während der Fahrt und während des Aufenthalts bei den Mahdi-Milizen in der Moschee.

Baldoni war nicht nur ein freiberuflich arbeitender Reporter der italienischen linken Wochenzeitschrift Diario della Settimana, er hat auch einen Weblog über seinen Aufenthalt im Irak veröffentlicht. Am 26. August erfolgte der letzte Eintrag. Ein schönes Bild, das ihn zusammen mit einem Iraker in einem Rollstuhl zeigt, einander ganz offensichtlich herzlich zugeneigt. Der Fall ist besonders tragisch (und erinnert daher auch an den des gleichfalls ermordeten Nick Berg), da Baldoni Kriegsgegner war, den Aufständischen durchaus auch Sympathien entgegen brachte und kritisch der Beteiligung Italiens an der Besatzung gegenüber stand.

Reporter ohne Grenzen fordert al-Sistani auf, seine ganze Autorität einzusetzen, um die Geiselnahmen zu beenden, die seit den Kämpfen um Nadschaf geschehen sind. Journalisten seien "Zivilisten und sollten unter keinen Umständen als Verhandlungseinsätze oder als Möglichkeit dienen, politischen Druck auszuüben". Nach Angaben des International News Safety Institute (INSI) sind in den letzten 17 Monaten über 50 Journalisten aus 17 Ländern im Irak getötet worden.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18222/1.html
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