Das Ende der Morgenröte

13.09.2004

Iran: Die Zersetzung des Internetjournalismus wird fortgeführt

Nach einer Umfrage der ISNA (Iranian Students' News Agency) soll das Internet von iranischen Großstadtbewohnern als vertrauenswürdigstes Medium eingestuft werden - gefolgt von Radio/TV, Satellitensendern, der Presse und ausländischen Kurzwellenradiosendern(!).

Eine Qualität, die dem Informationsministerium, fest in der Hand der Mullahs, ein Dorn im Auge ist ( vgl. Netz unter Kontrolle). Seit einigen Wochen hat man die ohnehin harte Gangart gegenüber unliebsamen Informationen aus dem Netz, Webseitenbetreibern und Journalisten noch verschärft. Wie in Blogs, die sich mittlerweile als Alternativmedium zur offiziellen Berichterstattung über Iran etabliert haben und detailliert über die Zensurmaßnahmen berichten, nachzulesen ist, hat man seit August eine Verhaftungswelle in Gang gesetzt, die jetzt offensichtlich auch Angehörige umfasst: den Vater des bekannten iranischen Bloggers Sina Motallebi (vgl. Iran säubert das Netz).

Am 14.August wurde M. Lotfi, ein Theologiestudent aus der berühmten Klerikerstadt Kom, zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt, weil er "Lügen" über das Internet verbreitet habe. Gegen eine Kaution von 80.000 Euro darf Lotfi die Wartezeit bis zum Berufungsprozess in Freiheit verbringen; sein "Verbrechen": er veröffentlichte "kritische Texte" über die Mullahs. Im selben Monat wurden drei Webseiten von den iranischen Behörden geschlossen - Rouydad (Ereignis), Emrouz (Heute) and Bamdad (Morgenröte), die allesamt der führenden Reformer-Partei (Islamisch Iranische Beteiligungsfront unter Vorsitz des Bruders von Präsident Khatami, Muhammed Resa) nahestanden. Eine etwas größere Öffentlichkeit erfuhr das Vorgehen gegen die Webseiten und die damit zusammenhängenden Verhaftungen von den Journalisten Babak Ghafori Asar, Schahram Rafihsadeh und Hanif Masroi erst Anfang September, als die Webseite der "Reporter ohne Grenzen" auf den Skandal der "neuesten Eskalation gegen das Recht , die Öffentlichkeit in Iran via Internet zu informieren" hinwies.

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