Angst, Depressionen und Verhaltensstörungen

Florian Rötzer 14.09.2004

Nach einem Bericht haben bei britischen Jugendlichen psychische Probleme in den letzten 25 Jahren stark zugenommen

Will man einer britischen Langzeitstudie über das Verhalten von Jugendlichen folgen, so scheint es mit der Verfassung der jüngeren Generationen bergab zu gehen. Psychische Probleme nahmen bei der Altersgruppe der 15-Jährigen, die 1974, 1986 und 1999 untersucht wurden, erheblich zu. Irgendetwas scheint mit der Wissensgesellschaft falsch zu laufen, wenn emotionale Probleme geradezu explosiv zugenommen haben.

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Die britischen Jugendlichen werden nicht sehr viel anders sein als die in ganz Europa - und vielleicht in der ganzen Welt. Erst letztes Jahr hatte die WHO in einem Bericht gewarnt, dass psychische Probleme auf der ganzen Welt, besonders auch in den Entwicklungsländern, am schnellsten bei den Jugendlichen zunehmen. Auch für die europäischen Länder ist ein Bericht der WHO zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen, auch wenn manche Trends in Großbritannien schlimmer zu sein scheinen. Untersuchungen in Holland oder USA lassen hingegen vermuten, dass dort die psychischen Probleme bei Jugendlichen zurück gehen. Gerade in diesem Bereich ist es aber schwierig zu beurteilen, ob Studien tatsächlich vergleichbar sind.

Für die von der Nuffield Foundation in Auftrag gegebene Studie "Time Trends in Adolescent Mental Health", die im Journal of Child Psychology and Psychiatry veröffentlicht wird, haben die Wissenschaftler vom King's College London und der University of Manchester drei Generationen von 15-Jährigen in einem Abstand von jeweils 12 Jahren untersucht. Danach hat sich in den 25 Jahren die Wahrscheinlichkeit verdoppelt, dass Jugendliche lügen, stehlen oder ungehorsam sind, was vielleicht nicht so bedenklich erscheinen mag, um 70 Prozent ist jedoch die Zahl der Teenager gewachsen, die unter emotionalen Problemen wie Angst oder Depression leiden. Während bei Mädchen emotionale Probleme stark angestiegen sind, sind es bei den Jungen Verhaltensprobleme, aber auch die Neigung zur Hyperaktivität und damit zur Konzentrationsschwäche. Zugenommen hat allerdings nicht die Aggressivität.

Über die Ursachen gibt es nur Mutmaßungen

Während Verhaltensprobleme die ganze Zeitspanne über zugenommen haben, sind emotionale Probleme erst seit 1986 im Ansteigen und haben danach weiter zugelegt. Erklärt werden könne dies nicht durch die wachsende Zahl von Scheidungen und Haushalten mit einem Erzieher, auch wenn psychische Probleme bei Jugendlichen in alleinerziehenden Haushalten größer sind. Vielleicht spielt die Zeit eine Rolle, in der die Familienmitglieder zusammen sind. Auch die wachsende gesellschaftliche Ungleichheit könne dies Phänomen nicht erklären, da die psychischen Probleme in allen sozialen Schichten und in allen Ethnien gleicher Maßen zunehmen würden. Ausgeschlossen werden könne auch, dass die Jugendlichen heute nur eher von Problemen berichten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie als Erwachsene obdachlos, eingesperrt, abhängig von Sozialhilfe oder psychisch sowie physisch krank werden, sei ebenfalls gestiegen.

Als mögliche Ursachen des Anstiegs psychischer Probleme werden beispielsweise die höheren Anforderungen beim Übergang zur höheren Schulausbildung genannt. Immer mehr Kinder würden diesen Bildungsweg beschreiten, unter anderem auch deswegen, weil es keine Alternativen gebe. Möglicherweise aber haben sich auch die außerschulischen Aktivitäten und die Beziehungen der Jugendlichen untereinander verändert. Immer mehr Jugendliche würden neben der Schule auch arbeiten, zudem gäbe es weniger Vollzeitjobs nach dem Ende der Schulpflicht, so dass sich die beruflichen Aussichten auf die Gemüter niederschlagen könnten. Mehr als Vermutungen aber können die Autoren nicht anbieten. Insgesamt sei der Anstieg psychischer Probleme paradox, da er mit besseren wirtschaftlichen Bedingungen und einer größeren körperlichen Gesundheit einhergehe.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18326/1.html
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