20 Millionen für die Ergreifung Putins

Ernst Corinth 15.09.2004

Tschetschenische Rebellen loben Kopfgeld aus

Zwar sollte man Usama Bin Laden nicht mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vergleichen, dennoch haben die zwei etwas gemeinsam: Die beide Herren sind eindeutig Spitzenreiter, wenn es weltweit um Kopfgeld geht. Für die Ergreifung von Bin Laden zahlt das FBI 25 Millionen Dollar und eine Pilotenvereinigung zusätzlich noch zwei weitere Millionen. Und wer Putin schnappt, dem verspricht ein so genanntes "anti-terroristischen Zentrum der tschetschenischen Republik von Ichkeria" genau 20 Millionen Dollar. Ausgelobt wurde dieser Betrag bereits kurz nach dem Massenmord in der Schule von Beslan.

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Den Aufruf zur Ergreifung Putins hat der den tschetschenischen Rebellen nahe stehende Info-Dienst KavkazCenter als einen Artikel am 8. September veröffentlicht. Darauf wurde nun auch die russische Regierung aufmerksam, der die Website schon lange ein Dorn im Auge ist. Am 13. September bestellte das russische Außenministerium, so berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax, den litauischen Botschafter ein und forderte Litauen auf, die Website zu schließen. Sollte die Website weiterhin auf einem Server in Litauen publizieren können, so würde dies, wie das Außenministerium androhte, von Moskau "als unfreundlicher Schritt der litauischen Behörden betrachtet werden, der die Atmosphäre unserer bilateralen Beziehungen negativ beeinflussen würde" (Russland fordert die Schließung einer von tschetschenischen Rebellen betriebenen Website in Litauen).

Die Website ist und bleibt aber wohl auch weiterhin online, da zum einen eine Provider-Haftung in Litauen noch nicht gesetzlich geregelt ist. Und zum anderen das "KavkazCenter" den Aufruf zur Ergreifung Putins, der sich an Staaten, Organisationen und Einzelpersonen richtet, redaktionell bearbeitet hat. Das heißt: Das Magazin selbst ruft nicht dazu auf, sondern berichtet lediglich über den Aufruf.

Was zweifelsohne erlaubt ist. Allerdings besteht der größte Teil des inkriminierten Textes aus Originalzitaten der Kopfgeldspender, die darin Putin unter anderem vorwerfen, dass er verantwortlich sei für den Krieg gegen den souveränen tschetschenischen Staat und für die Ermordung hunderttausender Bürger und Kinder. Eines jedoch haben die für den Aufruf Verantwortlichen vergessen: die genaue Anschrift oder die Telefonnummer des "State Defense Council Majlis al-Shura of Chechen Republic of Ichkeria", bei dem sich die Kopfgeldjäger das versprochene Geld abholen sollen. Da hat man es mit Usama Bin Laden dann doch wesentlich einfacher. Ihn kann man nämlich bei jedem lokalen FBI-Büro und bei jeder US-Botschaft oder jedem US-Konsulat abgeben.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18337/1.html
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