Saudi-Arabien – ein Königreich in der Krise

20.09.2004

Der Krieg der Kulturen und ein auf Krieg erbautes Reich: Eine Dokumentation in Spielfilmlänge

Warum waren 15 der 19 Selbstmordattentäter des 11. September 2001 aus Saudi-Arabien? Zufall? Nein, Teil eines Plans, das gute Verhältnis zwischen dem Königreich Saudi-Arabien und den USA zu beenden.

Saudi-Arabien ist ein bevorzugter Handelspartner der westlichen Welt. Wie es intern im Königreich der Saud zugeht, konnte dieses jedoch jahrzehntelang der westlichen Öffentlichkeit verborgen halten – nur Diplomaten bekamen mitunter etwas mehr mit. Mit den radikal-islamistischen Strömungen im Land rückte das Königreich nach den Anschlägen des 11. September ins allgemeine Interesse: In den Augen der Amerikaner hatte der Milliardär Bin Laden Saudi-Arabien zum Feind gemacht.

Auch in der Geschichte Saudi-Arabiens ist der 11. September ein Schlüsseldatum. Das Land ist der weltgrößte Erdölproduzent und seit über 70 Jahren ein privilegierter Handelspartner des Westens. Doch 15 der 19 Selbstmordattentäter des 11. September 2001 stellten sich als Saudi-Araber heraus, ebenso wie ihr Anführer Osama bin Laden aus einer großen saudiarabischen Familie stammt. Das Haus Al-Saud, selbsternannter Hüter des Islam, beginnt unter dem Druck von Widersprüchen und Doppelkultur zu bröckeln.

Schon der Name "Saudi-Arabien" selbst weckt Bilder von Reichtum und Luxus (Bild

Parallel zur Herausforderung durch Islamisten und Ultrakonservative sehen die Kronerben des Hauses Al-Saud die Erdöl-Dollar dahinschwinden und die Bevölkerung des Landes explodieren. Für weiterhin gute Beziehungen mit dem Westen reicht das Geschäft "Wir liefern euch das Öl, ihr liefert uns Soldaten", das Gleichgewicht "Erdöl gegen Sicherheit” inzwischen nicht mehr aus. Die terroristischen Kräfte, deren Angriffe sich direkt gegen die USA richten, um der pro-amerikanischen Haltung Saudi-Arabiens den Boden zu entziehen, verüben auch Anschläge im Königreich selbst. Ein Arte-Themenabend hat sich die im Westen bislang kaum bekannte Geschichte des Königreiches Saud vorgenommen, die noch kürzer ist als die der ja auch als "Land ohne Vergangenheit" geltenden USA – und noch gewaltvoller.

Wer Saudi-Arabien verstehen will, muss sich näher mit der Herrscher-Familie dieses Landes befassen. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm Abd al-Asis Ibn Saud die Rückeroberung der Wüste in Angriff, um das Königreich der Saud wieder auferstehen zu lassen. Er erkannte, dass er nur mit Unterstützung der religiösen Oberhäupter existieren konnte. Dazu besiegte er die radikale wahhabitische Bruderschaft der Ikhwan und schloss einen Pakt mit den Ulemas, den islamischen Gelehrten – ein Sieg und ein Kompromiss, der die Geschichte des Landes bis heute prägt. Noch immer werden die Ulemas vor jeder wichtigen Entscheidung konsultiert, und die radikalen Ikhwan machen dann von sich reden, wenn sich die Situation im Königreich zuspitzt. Auch die Bewegung, aus der Osama bin Laden hervorgegangen ist, orientiert sich direkt an den Lehren dieser wahhabitischen Bruderschaft.

Daneben sind die Beziehungen des Königreichs zu den Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung. Sie lassen sich vereinfacht zu der Gleichung "Erdöl gegen Schutz” zusammenfassen. Unter diesem Leitmotiv gelang es den vier größten US-amerikanischen Erdölkonzernen schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, im Königreich Fuß zu fassen. Die Dokumentation enthält unter anderem bislang unveröffentlichte Zeitzeugenberichte von saudiarabischen Prinzen. Auch Henry Kissinger, James Schlesinger und verschiedene Konzern-Manager werden befragt. Dabei kommt lang Verschwiegenes ans Licht – etwa, wie Amerikaner und Saudis 1973 das von Saudi-Arabien selbst verhängte Erdölembargo umgingen, um den Nachschub für die US-Soldaten in Vietnam zu sichern.

Dr. Sami Angani, Leiter des Instituts für Pilgerfahrt (Bild

Bisher unveröffentlichte Archivbilder machen den Film von Jihan El Tahri zu einem außergewöhnlichen Dokument, das interessante Einblicke in die Weltgeschichte der letzten fünfzig Jahre gibt. Anschaulich wird, wie die Herrscherfamilie des Hauses Al-Saud seit einem Jahrhundert in einer ständigen Gratwanderung versucht, Islam und modernes Leben, Ultrareligiöse und amerikanische Partner in Einklang zu bringen. Die Dokumentation zeigt das Haus Al-Saud in einer von schwer wiegenden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Schwierigkeiten begleiteten Identitätskrise.

1744 führt der Prediger Muhammed Abdel Buhat den Wahhabitismus als "reine Lehre" ein und damit auch die Allianz des Islam mit dem Schwert. Der erster Saud-Staat existierte in dieser Zeit bereits ein Jahrhundert, doch es war ein Kleinstaaten-Staat, der in sich uneins war. Erst 1902 einigte Abd al-Asis Ibn Saud das Königreich, um den Ruhm seiner Vorfahren wieder herzustellen und nimmt dazu die Hauptstadt Riad ein.

Die Natur, die Wüste, aus der sie stammen, war fast 800 Jahre lang völlig isoliert. In der Wüste ist es entweder Tag oder Nacht, heiß oder kalt. Es gibt da keine Zwischenstufen. Sogar in der Musik gibt es nur eine Saite, und das hat in gewisser Weise ihr Denken polarisiert. Es ist ein Schwarz-Weiß-Denken

Entweder bist Du für oder gegen mich.

1926 besetzen die Ikhwan, die Saud-Krieger, die große Moschee von Mekka. Als Ibn Saud sie stoppen wollte, eskaliert die Situation. Sie sind gegen seine technisch moderne Ausrichtung, gegen Rundfunksender im Land, gegen das Studium seiner Söhne im Ausland. Er kann aber nicht gegen seine eigenen moslemischen Kämpfer vorgehen. Der König Abd al-Asis rief daher die Ulema, die Religionsgelehrten, zu Hilfe, um zu vermitteln. Diese kamen zum Schluss, dass der König im Recht war und die Ikhwan sich ihm zu fügen hatten. Damit waren 1927 die Religionsgelehrten zur politischen Kraft geworden, die Ikhwan werden geschlagen. 1932 wird Saudi-Arabien offiziell geboren. Der König heiratet alle Töchter der Stammesfürsten aller ihm unterworfenen Stämme. So hat er 45 legitime Söhne.

Um einen Staat wortwörtlich auf Sand aufzubauen, benötigt man sehr viel Geld. Einzige Einnahmequelle Sauds ist zu diesem Zeitpunkt die Vorsteuer der Mekka-Pilger. Der König weiß, dass seine Nachbarn, insbesondere die Iraner und Kuwaiter, viel Geld mit der Förderung von Öl verdienen. In seinem Land hat man dagegen noch kein Öl entdeckt und er weiß, dass man Nicht-Muslime ins Land lassen muss, um dies zu ändern, was die Ulema akzeptieren müssen.

Mike M. Ameen, Aramco, Leiter der Abteilung für die Beziehungen zu Saudi-Arabien (Bild

1933 beginnen die ausländischen Gesellschaften den Boden zu erkunden. Japaner und Briten sind zwar ebenfalls an einer Öl-Kooperation interessiert, aber die Amerikaner legen als erste Geld auf den Tisch für Konzessionen: die Aramco – die arabisch-amerikanische Ölgesellschaft wird 1933 gegründet. Zunächst wurde kein Öl gefunden und es wurde angewiesen, mit den Testbohrungen aufzuhören, was die Ölsucher aber ignorierten. Dann wurde das erste Bohrloch erfolgreich – und es ist heute noch in Betrieb. Die Amerikaner bauten Camps mit Klimaanlagen, Kühlschränken und brachten die bei den arabischen Kindern sehr beliebten Konservendosen und Kaugummis ins Land.

Der zweite Weltkrieg macht dann das billige Öl wirtschaftswichtig, ab 1945 pflegt Franklin D. Roosevelt daher intensiver die Freundschaft zu Saudi-Arabien. Die USA und Saudi-Arabien unterzeichnen im Februar 1945 einen Vertrag über eine Militärbasis im persischen Golf und zur Palästina-Frage. Roosevelt sagte hierzu: "Viele meine Wähler drängen mich, einen jüdischen Staat in Palästina anzuerkennen und ich würde gerne Ihre Meinung dazu hören". Der König antwortete darauf:

Was Hitler den Juden angetan hat, war abscheulich. Es war wirklich das Schlimmste, was Menschen sich gegenseitig antun können. Aber ich verstehe nicht, warum ihr darüber nachdenkt, uns, den Arabern, Land wegzunehmen, um es den Juden zu geben? Wir haben den Juden nichts getan. Wenn ihr etwas für die Juden tun wollt, warum gebt ihr ihnen dann nicht den besten Teil Deutschlands?

Ein Vorschlag, den Michael Moore vor einigen Jahren satirisch in seinem Buch "Downsize this" wieder aufgriff.

Der König bittet die USA nun um militärische Hilfe, dafür verspricht er den USA allzeit billiges Öl. Diese Vereinbarung weitet sich auf die gesamte Golfregion aus. Roosevelt verspricht, in der Palästina/Israel-Frage zukünftig immer beide Seiten zu fragen – das Königshaus Saud und die Juden. Roosevelt hält dies in einem Brief auch schriftlich fest, doch stirbt er und Truman übernimmt die Regierung – er hält Roosevelts Versprechen nicht. Als zwei Jahre später in der UN über die Teilung Palästinas abzustimmen ist, das noch unter britischem Mandat steht, wird für die Araber überraschend die Gründung Israels beschlossen.

Als die USA dem neuen Staat als erste Unterstützung aussprechen, sieht Faisal, der Sohn des Königs, dies als persönlichen Affront. Sein Vater ist auch enttäuscht, hat aber andere Sorgen:

Er fühlte sich von den Haschemiten im Irak und in Jordanien und von den Briten in Kuwait und den Golfstaaten umzingelt. Das Sicherheitsbedürfnis wurde immer stärker und überwog die Unzufriedenheit des Königs und der saudischen Regierung über unsere Politik hinsichtlich Israel und Palästina

Ab 1952 gibt Abd al-Asis Ibn Saud seine Funktionen an seine Söhne ab. Der älteste Sohn Prinz Saud kümmert sich um den internen Zusammenhalt der Stämme, während der zweiälteste Sohn Faisal Außenminister wird. Saud war gerne König, doch tat er nie etwas Bedeutendes und gab das Geld mit vollen Händen aus nach dem Motto "wenn man es nur richtig ausgibt, wird Allah mehr davon schicken". Er stürzte das Königreich in eine Finanzkrise und nahm bei Aramco einen Kredit auf. Außerdem trank er Whisky pur in größeren Mengen und entgegen der islamischen Religion, wie die amerikanischen Diplomaten entdeckten, was nur aus politischen Gründen geheim gehalten wurde.

Der Staatsstreich von Gamal Abdel Nasser, der die ägyptische Monarchie beendete und mit der Sowjetunion Kontakt aufnimmt, stört das Gleichgewicht im nahen Osten. Zum Glück für die Amerikaner sind die Saudis jedoch aus religiösen Gründen strikte Antikommunisten. Der US-Präsident Eisenhower hatte nun die Idee, aus König Saud eine politische Größe zu machen, um ihn als Gegengewicht zu Nasser in der arabischen Welt zu platzieren. Saud wird dazu nach Amerika eingeladen und von den Zeitungen als Antisemit beschimpft. Der Bürgermeister von New York weigert sich daher, ihn am Schiff zu empfangen, um seine Wähler nicht gegen sich aufzubringen. Eisenhower empfängt ihn aber am Flughafen.

Es geht unter anderem um die Erneuerung des Vertrags über den Luftstützpunkt Dhahran, der nun im kalten Krieg für die USA doppelt wichtig geworden ist. König Saud ist am Geld interessiert, deklariert Dhahran aber im Vertrag ausdrücklich nur als Transitstandort für die Amerikaner, um dort zu tanken und nicht als Militärstandort. Es war ein saudischer Stützpunkt, aber die USA konnte dort landen, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen. Die Amerikaner werden Dhahran später als Stützpunkt im Golfkrieg benutzen.

König Saud bildet zwar nach außen hin nicht das gewünschte Gegengewicht zu Nasser und gibt außerdem nach wie vor zu viel Geld aus. Die Brüder sind sauer; sie tragen den Familienzwist zwar nicht nach außen, doch stellen sie ihre Regierungspflichten ein. Und dann sollte auch noch nach Wunsch von Saud einer der Brüder Nasser umbringen, was auch nicht im Sinne der Amerikaner wäre, die sich Sorgen machen, dass ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte. Sie hoffen, dass Faisal Saud ablöst, was die Brüder nun auch anstrebten.

Im November 1964 suchten sie die Ulema, die religiösen Führer auf, um die Entscheidung zu treffen. Der abgesetzte König Saud und sein Gefolge wurden gebeten, das Land zu verlassen und ihre Bilder wurden aus den Palästen entfernt. Saud geht ins griechische Exil.

Der neue König Faisal setzte die Schulerziehung der Mädchen durch, er musste dafür allerings den Ulema die Überwachung der Inhalte des Unterrichts überlassen. Allerdings hatte es Faisal nicht immer so leicht mit den Ulema: Sie empfanden das Fernsehen als Sünde, da in der islamischen Religion keine Bilder gezeigt werden dürften und meinten, die Regierung habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen. Heute gibt es dieselben Diskussionen um das Internet.

1965 führt dies zur Krise, ein Prinz, einer der Söhne von Faisals Brüdern, ruft wegen der Einführung des Fernsehens zu einer Demonstration gegen ihn auf und versucht mit etwa 100 Leuten den Fernsehturm in Riad umzustürzen. Dabei wurde der Prinz von den Wächtern erschossen, als er auf einen Polizisten schoss. Ein Bruder Faisals wollte, dass dieser Polizist dafür bestraft werde, und dass der König dies nicht tat, war später Anlass, Faisal zu ermorden.

Henry Kissinger, US-Außenminister 1973-1977 (Bild

1967 im Sechs-Tage-Krieg treten diese internen Probleme zunächst einmal in den Hintergrund: Israel vervierfacht seine Staatsfläche gegenüber dem Status von 1948. Israel gewann den Sechs-Tage-Krieg durch amerikanische Bewaffnung; somit verloren die USA den neutralen Status für die arabische Welt und es gab Revolten in einigen arabischen Städten. Die Amerikaner wollten daraufhin aus Saudi-Arabien ausreisen; Faisal wollte dagegen, dass sie bleiben und lieber Druck auf Israel ausüben, sich von der Westbank, dem Gaza-Streifen, dem Sinai und aus Jerusalem zurückzögen. Das versprechen die USA.

Die restlichen arabischen Staaten sehen Saudi-Arabien mittlerweile als Vasallen der USA, der noch nicht einmal sein Öl selbst kontrolliert: Zwischen 1960 und 1970 war der Ölpreis um nicht einen Cent gestiegen – ein Barrel Pepsi-Cola war teurer als ein Barrel Öl.

Im Oktober 1973 im vierten arabisch-israelischen Krieg gehen die Araber in die Offensive. Syrien und Ägypten hatten sowjetische Waffen, Israel geht das Material aus, die USA liefern nun amerikanische Waffen über eine Luftbrücke. König Faisal ist sauer und kündigt ein Öl-Embargo an, der Barrel-Preis steigt prompt von zwei auf 17 US-Dollar. Nach fünf Monaten bereitet das Pentagon mit Kissinger und Schlesinger eine militärische Invasion von Saudi-Arabien vor, denn der Treibstoff-Nachschub für Vietnam gerät wegen des inzwischen in Kraft getretenen Öl-Embargos in die Krise.

Am 25. März 1975 wird König Faisal wegen der gescheiterten Fernsehturm-Stürmung von 1965 von einem seiner Neffen ermordet, der auch stark am Alkohol hing. Es folgt der Erbprinz Chaled. Er war unpolitisch, sein Bruder Kronprinz Fhad kümmerte sich stattdessen um die Außenpolitik. Es gibt nun einen Ölboom mit vielen ausländischen Arbeitern und protestierenden einheimischen Fundamentalisten. Die Belagerung der Moschee von Mekka im November 1979 im neuen Jahr des islamischen Jahres war ein Warnsignal, dass den Fundamentalisten alles zu schnell ging, dass sie den Weg in die Moderne ablehnten. Auf den Minaretten der Moschee saßen Scharfschützen und der Kampf gegen die Aufständischen dauerte 18 Tage. Die GIGN, eine Spezialeinheit der französischen Polizei entsprechend der deutschen GSG9, hilft dabei mit Gas und Ratschlägen. Aus dieser Rebellenbewegung der Ikhwan geht später Osama Bin Laden hervor.

Prinz Turki Al Faisal, Sohn des Königs Faisal (Bild

Der dem abgesetzten Schah im Iran folgende Khomeni predigte nun direkt gegen die Sauds, die deshalb befürchteten, nun bald dem Schah folgen zu müssen. Dann marschiert die UDSSR in Afghanistan ein. Da der Iran unter Khomeni nicht mehr gegen die UDSSR steht, nimmt Saudi-Arabien diese Rolle ein und schickt 1000 junger Saudis als Soldaten in den Krieg gegen die Sowjets. 1982 wird Fahd schließlich König. Saudi-Arabien gibt dem Irak unter Saddam Hussein in seinem achtjährigen Krieg gegen den Iran Unterstützung in Milliardenhöhe.

Am 2. August 1990 rücken Saddam Husseins Panzer nach der erfolgreichen Invasion Kuwaits auch auf Saudi-Arabien zu. Da bietet Osama bin Laden der saudischen Armee seine Dienste an. Der saudische Milliardär hat 10 Jahre mit seinen Mujaheddin gegen die Russen gekämpft. Doch Saudi-Arabien lehnt ab, wraufhin Bin Laden die Al Kaida gründet. Stattdessen bittet König Fahd mit Erlaubnis der Ulema die USA um Hilfe gegen die Truppen Husseins. Damit verlieren allerdings nun die Ulema bei den Extremisten an Glaubwürdigkeit.

Am 6. August 1990 sind die Amerikaner mit General Schwarzkopf vor Ort und zeigen den entsetzten Saudis die Fotos von den irakischen Armeen, die bereits vor Saudi-Arabien stehen. Daraufhin wird ein Abkommen geschlossen und 550.000 US-Soldaten starten die Operation Wüstensturm. Doch das als Teil des Abkommens von den Saudis an die USA zu zahlende Geld war wieder einmal knapp. Dennoch wurden 17 Millionen Dollar überwiesen sowie Flugzeugtreibstoff für die Operation Wüstensturm zur Verfügung gestellt. Saudi-Arabien zahlte und lieferte am Ende an die USA im Werte von 50 Milliarden Dollar und ist deshalb noch heute verschuldet.

Die US-Truppen sollten nach dem Ende des Golfkriegs wieder abziehen, doch sie bleiben wegen Saddam Hussein weiter im Land. Am 13. November 1995 geht in der saudischen Hauptstdt Riad eine Bombe hoch, im Juni 1996 eine zweite Bombe in der Nähe von US-Truppen. Saudi-Arabien erkennt nun Osama bin Laden die Staatsbürgerschaft ab. Da erleidet Fahd einen Hirnschlag und sein Bruder Erbprinz Abdallah übernimmt die Regierungsgeschäfte.

Mit der Machtübernahme Ariel Sharons eskaliert die Gewalt und Abdallah bittet US-Präsident George W. Bush, nun endlich das Versprechen der früheren US-Präsidenten einzulösen und aktiv in den Friedensprozess einzugreifen. Dessen Antwort schlägt sich jedoch auf die Seite Israels und wird von Abdallah deshalb als Affront aufgefasst. Er sagt Bush, es gehe so wie die letzten 60 Jahre nun nicht mehr weiter. Bevor dieser reagieren kann, beendet drei Tage später der 11. September 2001 den Friedensprozess.

Wir empfanden Osama bin Laden als Feind Saudi-Arabiens, und das war er auch, doch dass 15 von 19 Attentätern Saudis sind, ist die eigentliche Katastrophe

So wurde Saudi-Arabien explizit zum Feind der USA, obwohl Bin Laden genügend andere Nationalitäten in seiner Gefolgschaft zur Verfügung gehabt hätte.

Prinz Abdallah ist nun 80 Jahre alt und schwach, ein geeigneter Nachfolger ist bis heute nicht bestimmt. Die Zukunft des Landes ist daher unsicher.

Arte-TV-Themenabend Saudi-Arabien – Königreich in der Krise
21. September 2004, 20.45 Uhr: Das Königshaus der Saud, Dokumentarfilm von Jihan El Tahri, Frankreich/Großbritannien 2004, 103 Min, gefolgt von einer Diskussionsrunde um 22.30 Uhr
Wiederholung 22. September 15.15 Uhr

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