McDonald's-Verschwörung vs. Methusalem-Komplott

Mathias Bröckers 21.09.2004

Die Lebenserwartung der Armen in den USA ist unter das Niveau von Bangladesh gesunken

Früher waren die Armen dünn und die Reichen dick, heute ist es (zumindest in den westlichen Nationen) genau umgekehrt. Vor zwanzig Jahren noch belegten die USA als reichste Nation der Erde auch den ersten Platz in der Liga der Lebenserwartung - heute rangieren die US-Bürger, was ihre Langlebigkeit betrifft nur noch auf Platz 19 (Frauen) bzw. 28 (Männer). Diesen Niedergang führen zwei Studien, über die der britische Observer berichtet, auf zwei Schlüsselfaktoren zurück: Fettleibigkeit und Ungleichheit in der Gesundheitsversorgung.

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Das Land mit den einst best-ernährten und langlebigsten Einwohnern ist mittlerweile tief gespalten, in eine kleine wohlversorgte Elite, und in eine wachsende Masse unversicherter, schlecht ernährter Armer. "Menschen in Harlem sterben früher als in Bangladesh", stellt der Bericht der Boston University fest.

Bis in die 1960er Jahre galt die Regel, dass der Reichtum eines Landes mit hohen Investitionen in Bildung und Gesundheitswesen und damit auch höherer Lebenserwartung verbunden war - doch für die USA gilt diese Formel nicht mehr, weil die Ressourcen so ungleich verteilt sind:

Untersuchungen, Check-Ups und Impfungen verlängern das Leben und fördern die Gesundheit, aber sind schockierend ungleich. Gut versicherte Personen erhalten die Krankenhausbetten, Unversicherte kriegen ein Pflaster und werden zurück auf die Straße geschickt.

Zwar wird in den USA mit 13% des Bruttosozialprodukts soviel wie in keinem anderen entwickelten Land für Gesundheit ausgegeben - deutlich mehr als in der Schweiz und Japan (10%) oder England (7%) -, doch weil diese Ausgaben nur wenigen zu Gute kommen, sinkt die Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung auf das Niveau der Dritten Welt. Neben der extremen Schere zwischen arm und reich machen die Forscher als Grund dafür die Ernährungsweise aus, die den USA in den vergangenen 20 Jahren eine "Explosion" der Fettleibigkeit beschert hätte: mittlerweile seien 34% der Frauen und 28% der Männer überfettet (Die Mitglieder der Informationsgesellschaft sterben zunehmend an Verfettung). Verglichen mit 4 bzw. 2% in Japan eine gerade astronomische Rate, die sich in den kommenden Jahren noch stärker auf die Lebenserwartung auswirken könnten, wenn die verfettete Junk-Food-Generation ins Rentenalter kommt - und dann schnell auf dem Friedhof:

Wenn die große Baby Boom-Kohorte in den kommenden Jahren 65 wird, könnte eine noch stärkere Verbindung zwischen Fettleibigkeit und Lebenserwartung deutlich werden.

Von einem Methusalem-Komplott, wie ihn FAZ-Herausgeber Fank Schirrmacher alarmistisch beschwört, kann also in der Tat keine Rede sein - McDonald's-Veschwörung und Coca-Cola-Konspiration werden's schon richten!

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18373/1.html
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