Sowjetunion plante militärische Kommandozentrale auf dem Mond
Das Projekt einer Mondbasis im Zeitalter des nuklearen Wettrüstens wurde aus Kostengründen wieder eingestellt
Träume hatte man in den USA in der Zeit des Kalten Krieges durchaus, nicht nur die Sowjetunion im Wettlauf zum Mond zu überholen und dort als erstes zu landen, sondern auch eine Weltraumstation zu errichten, um von dort aus den Weltraum zu erkunden. Doch um den Wettlauf zu gewinnen, konzentrierte man sich ganz auf die Mondlandung und stellte etwa Werner von Brauns Vision einer Weltraumstation hintan. Moskau hatte offenbar, nachdem die Amerikaner den Wettlauf zum Mond erst einmal gewonnen hatten, konkretere Pläne zum Bau eines militärischen Stütztpunkts auf dem Mond.
Alexander Yegorov, der als Direktor die Allgemeine Maschinenkonstruktionsabteilung beim sowjetischen Militär leitete, sagte der russischen Zeitung Novaya Gazeta in einem Interview, dass er auch vor 30 Jahren an Projekten zum Entwurf von Behausungen für Menschen auf dem Mond mitgearbeitet hatte. Zunächst wollte man eine Mondlandung im Stil der Apollo-Missionen realisieren oder dachte, dass vom Mond aus weitere Missionen leichter durchgeführt werden könnten. Schließlich aber sei man auf ein militärisches Projekt im Zeitalter des atomaren Wettrüstens gekommen. Man erwartete, damit einen großen strategischen Vorteil gegenüber dem Gegner zu erhalten.
Der Mond wurde, so Yegorov, als ideal für die Errichtung einer Kommandozentrale betrachtet, da sie von der Erde aus kaum anzugreifen wäre. Vor allem wäre man relativ sicher vor Angriffen mit Atombomben gewesen, sagt der Wissenschaftler, der meint, dass auch die Amerikaner ähnliche Pläne hatten, die den Russen bekannt geworden seien:
Da der Mond keine Atmosphäre besitzt, würde eine Nuklearexplosion hier keine Wirkungen zeigen. Eine Explosion ist eine Kompressionswelle, die sich in der Luft oder in einer anderen Umgebung fortpflanzen kann. Eine Explosion auf dem Mond würde nur ein heller Lichtblitz und Strahlung sein.
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Man wollte angeblich zwei Raketen mit jeweils vier Mann auf den Mond schießen, um dort eine Basis aufzubauen. Die beiden Raketen sollten im Raum aneinander gekoppelt werden, um so eine einzige Station zu bilden, mit der man dann auf den Mond landen wollte. Die ersten Siedler sollten zunächst in Mondfahrzeugen leben und dann nach und nach die feste Station "mit einem maximalen Komfort" errichten. Zu den acht ersten Mondbewohnern sollten später noch vier weitere dazu stoßen. Jedes Vierer-Team sollte sich ein ganzes Jahr auf dem Mond aufhalten.
Nur als Projekt der gesamten Menschheit realisierbar
Wie weit man die technischen Details der notwendigen Systeme wie die Versorgung mit Sauerstoff und Wasser sowie die geschlossenen Systeme für Luft und Wasser oder die Produktion von Lebensmitteln bereits ausgearbeitet hat, erklärt Yegorov nicht, sagt aber, dass Dutzende von Abteilungen am Entwicklungsprojekt beteiligt gewesen seien. Offenbar wurden bereits in Taschkent, wo man eine dem Mond ähnliche Landschaft gefunden hatte, Versuche mit einer solchen geschlossenen lunaren Biosphäre unternommen, in der sich Versuchspersonen drei Monate aufgehalten haben sollen. Pflanzen hätten den Sauerstoff geliefert, man habe auch Weizen angebaut. Die Energie sollte nuklear gewonnen worden. Architekturstudenten wurden beauftragt, in ihren Abschlussarbeiten Entwürfe für die Behausungen zu machen. Man habe sich entschieden, dass jeder Kosmonaut einen eigenen Raum haben müsse. Das Mondmodul sollte einen äußere Schutzhülle haben und sich innen drehen.
Der damalige Verteidigungsministerium Dmitry Ustinow sei zwar zunächst von dem Projekt angetan gewesen, aber die Kosten wären einfach zu hoch gewesen. Eine Mondbasis hätte Zigmal mehr gekostet als das Apollo-Programm der Amerikaner, zudem hätte die Station auch hohe laufende Kosten verursacht. Das Projekt wurde nach und nach eingestellt, da Ustinov der Meinung war, dass die reichen USA den neuen Wettlauf sowieso gewinnen würden. Nach Yegorov hätten die Wissenschaftler gezeigt, dass der Bau einer Siedlung auf dem Mond realisierbar ist. Doch die Größe eines solchen Projekts verlange die Mitwirkung der gesamten Menschheit und übersteige die Möglichkeit jeder einzelnen Nation.
Diese Meinung scheint man, zumindest in Form von Ankündigungen, allerdings nicht überall zu teilen. So wollen die Chinesen eine Mondstation bauen und planen nach verschiedenen anderen Missionen die erste bemannte Landung für das Jahr 2020.
Auch die Europäer wollen nicht ganz zurück stehen im neuen Wettlauf. So hat die ESA von der "Human Spaceflight Vision Group" eine Studie über den Bau einer permanenten und bewohnten Basis auf dem Mond durchführen lassen, die den verheißungsvollen Titel "Der Mond: der achte Kontinent" trägt. Angestrebt werden soll, einen realistisches Konzept für die bemannte Raumfahrt zu entwickeln, so dass man ab 2025 mit dem Betrieb einer permanent bemannten Mondstation beginnen könne. 2018 oder 2019 sollten im Vorfeld bemannte Missionen zum Mond durchgeführt werden. Eine Machbarkeitsstudie steht noch aus. Die Gruppe schlug eine enge Kooperation mit Russland vor.
Und dann gibt es natürlich den von US-Präsident Bush für den Wahlkampf verkündeten Plan zur Wiederaufnahme der bemannten Raumfahrt. Ab 2015, spätestens aber bis 2020 soll "Amerika" zum Mond zurückkehren, um ihn als Ausgangsbasis für weitere Missionen zu nutzen. Die Menschen sollen auf dem Mond für zunehmend längere Zeit leben und arbeiten, um neue Technologien zu entwickeln und die Bodenschätze des Mondes für weitere Missionen zu erschließen ("Wir werden Ressourcen auf dem Mond oder dem Mars entdecken, die unsere Vorstellungskraft übersteigen").
http://www.heise.de/tp/artikel/18/18391/1.html- Von der Apollomission kannst du gerne Ahnung haben... (26.9.2004 22:16)
- Moment mal ... (26.9.2004 21:36)
- Das war das Monster vom kaspischen Meer :) (26.9.2004 17:28)
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