Machines Will Eat Itself

Ernst Corinth 24.09.2004

Wie der "Bot" Rudi Remmler-Neumann Datenmüll erzeugt

Die Herren und Damen tragen so nette Namen wie Mirini Hamamoto, Anna Bolika, Sabrina Wittersmann, Gwendolin Moltke, Anna Lyse, Max Popfax oder eben Rudi Remmler-Neumann, der als leitender Angestellter 95.000 Euro netto im Jahr verdient. Er ist übrigens leidenschaftlicher Kampfsportler, spielt aber auch Polo, interessiert sich für die Börse und für Immobilen, er reist gern, liebt klassische Musik und schluckt als politisch interessierter Mensch natürlich jede Menge an Drogen. Und wer Lust hat, kann sogar live zuschauen, wie Rudi Remmler-Neumann im Netz surft. Vor allem auf den Seiten, bei denen die User Angaben zur Person machen sollen.

  • mobil
  • drucken
  • versenden

Denn genau das ist sein eigentlicher Zweck. Rudi Remmler-Neumann ist nämlich nur einer von mittlerweile insgesamt 1.548 Bots, die als virtuelle Konsumentengemeinschaft neugierige Firmen mit persönlichem Datenmüll versorgen. Der "Vater" dieser Bots ist Franz Alken, der mit ihrer Hilfe das Datensammeln ad absurdum führen möchte. Wenn immer mehr der gewonnenen Daten und der aus ihnen erstellten Kundenprofile nicht mehr von existierenden Personen stammen, wenn also Skripte Skripte bedienen, Programme mit Programmen kommunizieren, dann verlieren die Daten letztlich ihren Wert, hofft Alken.

Allerdings setzt das die rege Beteilung von Leuten voraus, die die Bots ständig füttern mit Adressen von Netzseiten, die nach den persönlichen Vorlieben der User fragen. Doch genau das scheint nicht so recht zu funktionieren, wie mehrere Besuche auf Alkens Webpage Machines Will Eat Itself zeigten: Nur wenige Bots waren online. Und seit ihrem Start am 13. Dezember 2002 haben sie insgesamt nur 64.349 KB Datenmüll produziert.

Gleichwohl macht es tatsächlich Spaß, diesen virtuellen Figuren beim Surfen über die Schulter zu blicken: Erstaunlich geschickt füllen sie die Formulare aus. Zwei von uns gestartete Bots schafften es sogar, sich für zugegeben schlecht geschützte Netzforen zu registrieren, und ein anderer "quälte" derweil eine Netzseite mit völlig unpassenden Suchanfragen.

Aber nicht nur die Möglichkeit, den Bots bei der Datenmüllerzeugung live zuzuschauen, wird auf der Netseite angeboten, sondern man selbst kann Bots auf einfachste Weise "basteln" ("Bau deinen eigenen Bot! Lass andere für dich subversives tun!"), sie mit absurden Profilen ausstatten und sie anschließend anderen Nutzern zur Verfügung stellen. Dies alles, schreibt Alken, sei aber erst der Anfang und nennt als weitere geplante Bot-Funktionen: Chatmodul, erweitertes Textverständnis/Artikelanalyse und tatsächlich Online-Banking.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18396/1.html
Kommentare lesen (31 Beiträge) mehr...
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Aktive und passive Alien-Artefakte im Sonnensystem

SETA - Spurensuche nach dem extrasolaren Monolithen - Teil 2

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen
Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
FOTOBLOG

Abgefahren

Auch der endgültige Stillstand gehört zur Dromologie

bilder

seen.by


TELEPOLIS