Heilige Kriegerinnen
Weibliche Dschihadis im Internet
Vor einigen Jahren war es kaum denkbar, dass Frauen aktiv im "islamischen Kampf" an der Seite der Männer teilnehmen. Heute hat man sich mittlerweile daran gewöhnt. Junge Palästinenserinnen sprengen sich in Israel in die Luft und tschetschenische Frauen sind in Russland bei Geiselnahmen, wie erst kürzlich in Beslan, dabei.
Im Internet gab es immer wieder Webseiten, die sich mit der "Rolle der Frau im Dschihad" auseinandersetzen. Sogar auf Deutsch konnte man nachlesen, wie man als Frau für den Dschihad trainieren kann. Aber nun gibt es seit kurzem "Al Khansa", das Internet-Magazin für weibliche Kämpferinnen im Heiligen Krieg (Mujahida).
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Als Herausgeber zeichnet sich ein "Fraueninformationsbüro von der arabischen Halbinsel", das sich wie Al Qaeda zum Ziel gesetzt hat, "alle Ungläubigen von Saudi-Arabien und den heilige Stätten in Mekka und Medina zu vertreiben. Namenspatronin des Magazins, das monatlich erscheinen soll, ist die arabische Poetin Al-Khansa, die als Mutter aller Märtyrer (Shahids) gilt.
Al Khansa bin Omar lebte in vorislamischer Zeit und konvertierte später zum Islam, als die neue Religion des Propheten Mohammeds populärer geworden war. Al Khansa soll angeblich fünf Söhne im Dschihad verloren haben. Aber sie klagte nicht, sondern dankte Allah für durch den Tod erwiesene Ehre. Sie hatte bereits zwei ihrer Brüder im Krieg verloren. "Früher weinte ich über den Tod meiner Brüder, doch jetzt weine ich, weil sie im Feuer brennen". (In der Hölle, da sie gestorben waren, ohne vorher zum Islam zu konvertieren.)
Die Ausrichtung der Programmatik von Al Khansa ist damit eindeutig festgelegt. Im Editorial (Exzerpte auf Englisch hier) heißt es:
Wir stehen alle auf, mit Schleier und schwarzem Umhang (abaya), Waffen in unseren Händen, die Kinder auf dem Schoss, und mit dem Buch Allahs (Koran) und der Sunna (Lebensgeschichte des Propheten Mohammeds) als unsere Führer. Das Blut unserer Ehemänner und die Körper unserer Kinder sind Geschenke an Gott.
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Motivation für die bedingungslose Opferbereitschaft in Sachen Gott sind die weltweiten Terroranschläge, aber insbesondere der Widerstand in Palästina, Irak und Tschetschenien.
Der Wind des Paradieses bläst bereits. Wir weinen um die Schwestern im Irak, die weiblichen Gefangenen in Palästina, die alleinstehenden Mütter in Tschetschenien und die Waisenkinder in Afghanistan.
Koranlektüre, Liegestützen, Joggen oder Seilspringen
Nach dem Motto: Frauen aller Länder vereinigt euch im islamischen Widerstand gegen die Ungläubigen. Frauen würden im Dschihad genauso viel zählen wie die Männer. Frauen müssten sich darauf vorbereiten, den Glauben und den heiligen Boden zu verteidigen.
Wir dürfen es unter keinen Umständen versäumen, mit Allahs Hilfe den gleichen Weg wie Ayat Al AkHras (Selbstmordattentäterin in einem Jerusalemer Supermarkt am 29.3.02) und Reem Al Riyashi (Selbstmordattentäterin am Eres Checkpoint in Gaza am 14.1.04) zu gehen.
Entsprechend dieser radikalen Kampfansage geht es in dem Artikel, "Frauenkamp", um die emotionale, militärische und physische Vorbereitung für den Dschihad. Da wird neben der Koranlektüre, Liegestützen, Joggen oder Seilspringen empfohlen. Nachlesen kann man auch das medizinisches Basiswissen, um verwundete Kämpfer zu retten und zu versorgen. Zur Ausrüstung gehört eine Erste Hilfe Kasten, sowie Naturhonig und Zamzam-Wasser, vom Zamzam-Brunnen in Mekka, der seinen Ursprung im Himmel haben soll.
In einem anderen Artikel lässt man sich über die Unmoral auf dem saudi-arabischen Satelliten TV Kanal AL Ekhbariya aus. "Dieser Sender des saudischen Regimes" sei voller "Nudismus" und die Anchorwomen sind "Prostituierte". "Der Striptease geht immer weiter". Ein Statement, das sicherlich auch bei gemäßigten Moslems, die nichts mit dem universalen Dschihad zu tun haben wollen, offene Türen einrennt. Schamlosigkeit im TV ist ein große Thema. Viele Familienväter sperren bestimmte unmoralische Kanäle und Programme.
Beim der Kindererziehung heißt es in Al Khansa, gehe es hauptsächlich darum, "den Kindern möglichst früh den Dschihad einzuflößen". Deshalb sei es so wichtig, dass "der Mann seine zukünftige Frau sehr sorgfältig wählt. Sie muss fromm sein, wie er selbst auch". Der erste Dschihad für jede Frau sei die Erziehung der Kinder.
Nicht nur das Erziehungsprogramm erinnert stark an faschistische und sozialistische Konzepte vergangener Tage, die jeweils neue Menschentypen kreieren wollten. Im Geist einer neuen Rasse oder des realen Sozialismus. Jetzt ist es der neue islamische (sunnitische, wahabische) Mensch, der sich der großen Sache völlig unterordnet und dafür bereitwillig in den Tod geht. Typisch für hierarchische Systeme, die nur Gut und Böse, Schwarz oder weiß, Richtig und Falsch kennen. Bei Al Khansa lautet das so: "Über die Koranlektüre muss man die Grundlagen für den richtigen Glauben finden".
Neu ist bei diesem richtigen Glauben die Bedingungslosigkeit, mit der man sein Leben lässt, was im Westen, wo Individualität wie ein Gott gehandelt wird, natürlich auf großes Befremden stößt.
Besonders im Irak hat Al Khansas totalitäre Ideologie des Widerstands gerade Hochkonjunktur, die leider nicht nur das eigene Leben, sondern auch das von Unschuldigen bereitwillig opfert. Aber das ist gerade Bestandteil ihrer Philosophie, in der es nur eine Alternative gibt, den Kampf. Alles andere ist unmoralisch, bedeutet Schuld und damit Lebensunwürdigkeit.
Mittlerweile ist Al Khansa, das Dschihadmagazin für die islamische Frau im Internet, nicht mehr abrufbar. Man kann aber sicher sein, dass das "Fraueninformationsbüro von der Arabischen Halbinsel" Wege und Mittel finden wird, in wenigen Wochen seine zweite Ausgabe zu präsentieren. Nachdem es in der ersten Ausgabe mehr um theoretische Dinge ging, wird nun wohl die Praxis im Mittelpunkt stehen. Vielleicht Waffentraining, Bombenbau, Anleitungen zur Brandstiftung ?
http://www.heise.de/tp/artikel/18/18493/1.html- Frauen sind .... (22.10.2004 1:12)
- Die Memri-Diskussion ... (20.10.2004 8:34)
- Ja, ich weiß ... (20.10.2004 8:17)
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