Plutonium-Transport aus den USA in Frankreich eingetroffen
Zwei Wochen Schifffahrt und über 1000 km Transport auf der Straße und dasselbe mit den MOX-Brennstäben zurück: Kritiker wie Greenpeace sehen eine Einladung an Terroristen
Zwei Wochen waren zwei britische Schiffe unterwegs, um von Charleston, South Carolina, 140 kg waffenfähiges Plutonium nach Frankreich zu bringen. Heute früh sind die Schiffe unter Bewachung von Hubschraubern in den Hafen von Cherbourg eingelaufen. Das Plutonium, mit dem sich 20-25 Atombomben bauen ließen, wird zunächst unter militärischer Bewachung 18 km in die Wiederaufbereitungsanlage La Hague gebracht und anschließend auf einer Strecke von über 1000 km auf Landstraßen nach Cadarache in Südfrankreich mit gepanzerten Lastwagen transportiert, um dort zu MOX-Brennstäben für Atomkraftwerke verarbeitet und anschließend wieder die weite Strecke zurück in die USA transportiert zu werden. Greenpeace protestiert gegen diese Transporte, die in den nächsten Jahren wiederholt stattfinden werden, weil sie unnötig und gefährlich seien. Greenpeace war gestern von einem Gericht noch unter der Strafandrohung von 75.000 Euro verboten worden, den Schiffen auf dem Meer näher als 300 Meter sowie dem Transport auf dem Land näher als 100 Meter zu kommen.
![]() |
Die Umweltorganisation hat sich ein Argument gegen die Wiederaufbereitung des amerikanischen Plutoniums in Frankreich zu eigen gemacht, das einleuchtend ist. Die US-Regierung sucht die Verbreitung von Atomwaffentechnologie und von waffenfähigen Plutonium unterbinden, auch mit Gewalt (Bush will Verbreitung von Massenvernichtungswaffen verhindern). Der Einmarsch in den Irak war auch damit begründet worden, dass das Hussein-Regime weiter ein Atomwaffenprogramm betreibt, was gegen die UN-Resolutionen verstößt sowie die USA und ihre Alliierten gefährdet. Nach dem Irak stehen der Iran und Nordkorea im Visier, aber es wird auch stets davor gewarnt, dass nicht nur "rogue states", sondern auch Terroristen in den Besitz von Atombomben oder zumindest von genügend radioaktivem Material gelangen könnten, um "schmutzige" Bomben herzustellen.
|
|
Greenpeace meint nun, dass der lange Transport von den USA nach Frankreich und innerhalb Frankreichs geradezu eine Einladung an Terroristen darstelle, sich hier hochgefährliches waffenfähiges Plutonium durch einen Überfall besorgen zu können. Möglich aber wäre auch ein Anschlag. So könnten die Behälter leicht mit raketengetriebenen Granaten (RPGs oder Panzerabwehrhandwaffen) durchschlagen werden, wodurch Plutonium freigesetzt würde. Auf einer Website des Bundesstaats Nevada ließen sich entsprechende Informationen finden, welche Gefährdungen Transporte mit radioaktivem Material ausgesetzt sind ("Palästinensische Terroristen und die Nevada-Anleitung für einen Anschlag auf Atommüll").
Aber es könnte auch einfach Verkehrsunfälle geben. Gerade erst hatte sich ein Unfall in der Nähe von Orleans ereignet, bei dem ein Lastwagen in einen Lastwagen gefahren ist, der 4,5 Tonnen angereichertes Uran geladen hatte. Angeblich blieb die Ladung unversehrt. Der Unfall kam für die Kritiker zur geeigneten Zeit. "Dieses Ereignis ist eine perfekte Illustration für die Gefahr, der die Bevölkerung durch die Atomtransporte auf normalen Straßen ausgesetzt ist", erklärte die Organistaion Sotire du nucléaire, die ebenfalls gegen die Transporte protestiert.
![]() |
|
| Polizisten gehen gegen protestierende Greenpeace-Aktivisten vor. Foto |
Die langen Transporte gehen auf Präsident Clinton zurück, der mit dem russischen Präsidenten Putin noch Ende 2000 vereinbarte hatte, 34 Tonnen Plutonium von Atomwaffen zu neutralisieren. Damals gab es wohl noch keine großen Sicherheitsbedenken - und auch keine politischen Schwierigkeiten zwischen Frankreich und den USA. Ein Anschlag von Terroristen war damals auch noch nicht wirklich zu befürchten.
Die beiden britischen Schiffe gehören der staatlichen Firma BNFL. Sie wurden mit Kanonen ausgestattet, zudem sind jweils 13 bewaffneten Soldaten auf den Schiffen. Kaum genug, um einen ernsthaften Angriff abwehren und sicher stellen zu können, dass das Plutonium auf den früher kommerziellen Transportschiffen, die erade einmal mit 15 Knoten fahren, sicher ist. Schließlich könnten die Schiffe nicht nur gekapert, sondern auch mit Raketen, Schiffen oder Flugzeugen angegriffen werden.
Allerdings beteuern die französische und die amerikanische Regierung, dass keine Gefahr bestünde und alles sicher sei. Frankreich habe schon viele Jahre lang Plutonium und anderes nukleares Material aus dem Ausland erhalten. Und weil das für Frankreich ein gutes Geschäft ist, schließlich gehört Areva, die Firma, die das Plutonium zu Mox verarbeitet, dem Staat und bringt der Deal mehr als 250 Millionen Dollar,. betonte Hervé Ladsous, der Sprecher des Außenministeriums, dass Frankreich damit nur die Absicht Russlands und der USA unterstütze, waffenfähiges Plutonium, das nicht mehr gebraucht wird, zu reduzieren. In den USA gibt es dafür nicht die technischen Möglichkeiten.
Laurence Pernot, eine Sprecherin für Areva, meinte, dass man nicht verstehen könne, "wie eine Organisation, die traditionell gegen die Verbreitung von Atomwaffen kämpft, heute einen Protest gegen eine Operation mit dem Ziel starten kann, die eben dieses Verbreitungsphänomen verhindern will." Geplant ist überdies, dass Frankreich eine MOX-Anlage in South Carolina errichtet, wodurch die transatlantischen Transporte überflüssig würden. Zunächst aber sind weitere Transporte dieser Art zu erwarten. Thomas Breuer von Greenpeace:
Diesen Einstieg in die Plutoniumwirtschaft als 'Entsorgung' zu verkaufen ist absurd. MOX-Brennelemente bringen keine Sicherheit, sondern zusätzliche Risiken. Mit jeder Bewegung von Plutonium erhöht sich die Gefahr, dass das Material in falsche Hände gerät.
Übrigens kommt nicht nur von den USA Plutonium nach Frankreich. Auch die Bundesregierung und RWE wollen 1,6 Tonnen Plutonium aus Hanau in Frankreich zu MOX-Brennstoff verarbeiten lassen. Auch das wird mit LKWs auf Autobahnen transportiert.
http://www.heise.de/tp/artikel/18/18496/1.html- Welches Niveau bitte? (9.10.2004 14:15)
- Sorry, du bist unter meinem Niveau! (9.10.2004 5:58)
- Weiss nicht (8.10.2004 17:10)
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.


