Com oder Org?

Florian Rötzer 07.10.2004

Im Fernsehduell gab Vizepräsident Cheney eine falsche URL an und lockte damit viele Zuschauer auf eine Anti-Bush-Seite

Wer nun wirklich das Fernsehduell zwischen Vizepräsident Cheney und dem demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten John Edwards "gewonnen" hat, wird Ansichtssache bleiben (Nice guy versus ice guy). Eine Premiere aber gab es in der Diskussion vor den Fernsehkameras: Cheney erwähnte als Nachweis für seine Behauptungen die URL einer Website, verwechselte aber .com mit .org und schickte so die Internetnutzer zu einer regierungskritischen Website.

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Edwards hatte Cheney wegen seiner Beziehungen zu Halliburton kritisiert. Der Vizepräsident wurde, nachdem er unter Bush senior Verteidigungsminister war, Direktor von Halliburton und sorgte dort für wachsende Gewinne dank der guten Beziehungen zum Verteidigungsministerium (Bush-Cheney Inc.). Als Cheney dann Vizepräsidentschaftskandidat von Bush junior wurde, gab er seinen lukrativen Posten auf und verkaufte seine Aktien, Halliburton aber wurde zu einem der größten Gewinner des Afghanistan- und Irak-Krieges (Krieg ist gut fürs Geschäft; Wohin sind die Milliarden aus dem von der US-Verwaltung kontrollierten Entwicklungsfonds geflossen?)).

Edwards kritisierte, dass Halliburton auch im Irak Aufträge ohne Ausschreibung erhalten hat - und zwar in Milliardenhöhe. Halliburton ist bekannt dafür, überhöhte Preise zu kassieren und wurde deshalb schon mehrere Male gerügt. Da Cheney auf die Vorwürfe nur wiederum 30 Sekunden für eine Antwort hatte, verwies er auf eine Website, auf der die Zuschauer angeblich Aufklärung über die Vorwürfe erhalten könnten:

Edwards: While he was CEO of Halliburton, they paid millions of dollars in fines for providing false information on their company, just like Enron and Ken Lay. They did business with Libya and Iran, two sworn enemies of the United States. They're now under investigation for having bribed foreign officials during that period of time.

Not only that, they've gotten a $7.5 billion no-bid contract in Iraq, and instead of part of their money being withheld, which is the way it's normally done, because they're under investigation, they've continued to get their money.

...

Cheney: Well, the reason they keep mentioning Halliburton is because they're trying to throw up a smokescreen. They know the charges are false. They know that if you go, for example, to factcheck.com [sic], an independent Web site sponsored by the University of Pennsylvania, you can get the specific details with respect to Halliburton.

Angeblich sind Millionen von Amerikanern der Spur gefolgt und wurden dann aber - und werden dies noch immer - von den Betreibern von FactCheck.com auf die Website des Bush-Kritikers George Soros weiter geleitet (Kampf der Giganten). Dort treffen sie gleich auf die persönliche Botschaft des Milliardärs:

President Bush is endangering our safety, hurting our vital interests, and undermining American values.

Man betont, man sei ebenfalls von der Umleitung überrascht gewesen, aber man sei dafür nicht verantwortlich. Die Betreiber von FactCheck.com waren über die vielen Besucher ihrer Seite nicht glücklich. Das auf den Cayman-Inseln ansässige Unternehmen Name Administration Inc., das Wörterbücher und Lexika vertreibt, wollte trotz der indirekten Werbung vermeiden, für die vielen Besucher, die Cheney zu ihnen gelockt hatte, zahlen zu müssen. Überdies drohte die Website zusammen zu brechen. Zunächst wären es 48.000 Zugriffe in der Stunde gewesen, dann aber 100 pro Sekunde. Also lenkte man die Besucher auf die Website von Soros um - auch aus Rache gegen Cheney. Die Website von Soros, so John Berryhill von Name Administration, würde nicht nur dem Ansturm standhalten können, hier würde auch nicht zu Spenden aufgerufen und die Website sei ganz deutlich nicht mit Bush verbunden, den die Inhaber von Name Administration auch nicht unterstützen wollen.

Allerdings ist die Website FactCheck.org, auf die Cheney eigentlich verweisen wollte, auch nicht besonders für die Verteidigung des Vizepräsidenten geeignet. FactCheck.org wird vom Annenberg Public Policy Center an der University of Pennsylvania betrieben. Hier werden seit letztem Jahr Behauptungen der republikanischen und demokratischen Präsidentschaftsbewerber geprüft und richtig gestellt. Zwar wurden manche Vorwürfe der Demokraten gegenüber Cheneys Verbindung mit Halliburton zurück gewiesen, beispielsweise, dass er persönlich von den Irak-Verträgen profitiere. Aber in einem aktuellen Artikel zu dem Fernsehduell Cheney-Edwards, in dem Behauptungen von beiden kritisch überprüft werden, wird betont, dass die Vorwürfe, die Edwards in der Diskussion erhoben hatte, teilweise durchaus berechtigt waren:

Cheney got our domain name wrong -- calling us "FactCheck.com" -- and wrongly implied that we had rebutted allegations Edwards was making about what Cheney had done as chief executive officer of Halliburton.

In fact, we did post an article pointing out that Cheney hasn't profited personally while in office from Halliburton's Iraq contracts, as falsely implied by a Kerry TV ad. But Edwards was talking about Cheney's responsibility for earlier Halliburton troubles. And in fact, Edwards was mostly right.

http://www.heise.de/tp/artikel/18/18505/1.html
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